Interview mit Gregor Kindelmann

Homöopathie im Fokus

Ein Interview mit Campace-Gründer und Geschäftsführer Gregor Kindelmann

Komplementär- und Alternativmedizin leistet weltweit einen wichtigen Beitrag zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Campace erforscht seit 2018 die Möglichkeiten und das Potenzial komplementärer und alternativer Medizin. Ziel ist eine effektive, sichere und nachhaltige Open Source Medizin, die ganz besonders den Menschen in einkommens- und strukturschwachen Regionen zugute kommen kann. Campace-Gründer und Geschäftsführer Gregor Kindelmann ist HOG seit vielen Jahren verbunden: Er gehörte zum Gründerteam und war bis 2006 aktives HOG-Mitglied. Mehr

HOG: Wie funktioniert Campace?

Kindelmann: Wir sind ein Team aus Frauen und Männern, die ganz unterschiedliche fachliche Expertise mitbringen. Da gibt es Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsinstituten, komplementär- und alternativmedizinisch arbeitende Therapeuten, Spender, Interessierte und Mitarbeiter, die sich alle mit ihrem spezifischen Wissen und ihren Möglichkeiten in unser Netzwerk einbringen, Strukturen aufbauen und am Laufen halten. Nur so ist ein Projekt dieses Umfangs umzusetzen. Mit Elisabeth von Wedel und Christine Lauterbach sind auch HOG-bekannte Gesichter dabei. Wir finanzieren uns über Fördergelder wie zum Beispiel von Michael Gracher vom GSE-Vertrieb, private Spenden und starten gerade unsere erste Crowdfunding Kampagne.

HOG: Was bedeutet Campace?

Kindelmann: CAM ist die Kurzform von "Complementary and Alternative Medicine". Pace hat gleich mehrere Bedeutungen: Es steht für patient-centered, was bedeutet, dass wir uns mit unserer Forschung am Bedarf der Patienten ausrichten. Im Englischen bedeutet pace „Tempo“. Wir nutzen Hochdurchsatz Screening Technologien um mehrere Tests zeitgleich durchführen zu können. Unser breites, internationales Netzwerk aus Partnern ermöglicht uns, schnell und vor allem flexibel zu agieren. Und es geht uns um einen friedlichen Ansatz, der ohne Tierversuche auskommt und nicht kompetitiv ist – ganz im Sinne von pace, was im Lateinischen „in Frieden“ bedeutet.

HOG: Wie arbeitet Campace ganz praktisch?

Kindelmann: Wir setzen projektbezogen auf modernste Technologien und inspirierten Forschergeist. Unser Weg: Campace entwickelt Forschungskonzepte, vergibt Forschungsaufträge, veröffentlicht relevante Ergebnisse und schult Fachkreise. Sobald ausreichend belastbare Daten vorliegen, unterstützen wir die Implementation der Erkenntnisse im In- und Ausland.

HOG: Im aktuellen Fokus liegt die Homöopathie. Warum?

Kindelmann: Die grundsätzliche Wirkung der Homöopathie ist sowohl in klinischen Studien als auch in Tier- und Pflanzenmodellen belegt. Ein Großteil der systematischen Übersichtsarbeiten, die das stärkste Kriterium in der evidenzbasierten Medizin sind, zeigen Effekte, die über den Placebo-Effekt hinausgehen. Zusätzlich gibt es für die Homöopathie bereits viele Untersuchungen aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Forschungsfeldern: Jean-Louis Demangeat und Steven J. Cartwright zeigen physikalische Effekte potenzierter Substanzen, Luc Montagnier zeigt den Einfluss auf DNA. Andere Forschungsreihen demonstrieren statistisch hochsignifikante Effekte in Pflanzenmodellen, zum Beispiel mit Wasserlinsen oder Weizengras. Und nicht zuletzt zeigt natürlich die Versorgungsforschung, dass homöopathische Behandlungen wirksam sind.

Die Behandlungserfolge von Homöopathen, die sich auf die Behandlung schwerer Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs spezialisiert haben, legen eine genauere Betrachtung der Homöopathie in diesem Zusammenhang nahe.
Die verhältnismäßig geringen Kosten und die Robustheit der Arzneien – sie sind hitze- und kältestabil sowie oral zu verabreichen – machen diese Medizin in einkommens- und strukturschwachen Regionen zusätzlich zu einer guten Alternative.

HOG: Warum hat Campace den ersten Forschungsschwerpunkt „Krebs“ gewählt?

Kindelmann: Die Anzahl der Krebserkrankungen, insbesondere in einkommensschwachen Ländern, nimmt stetig zu. Der dort lebenden Bevölkerung stehen meist aber nicht einmal einfachste Standardtherapien, geschweige denn die Ergebnisse aktueller Forschungsansätze zur Verfügung. Doch auch in reicheren Ländern findet sich Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung. So zahlt das englische Gesundheitssystem in einigen Regionen einige potenziell lebensverlängernde Krebs-Therapien nicht mehr (sog. post code lottery), womit die Lebenserwartung letztendlich von den finanziellen Mitteln der Betroffenen abhängt. Homöopathische Therapieansätze sind hier eine Alternative, da die verwendeten Arzneien nicht patentrechtlich geschützt und die Kosten äußerst gering sind.

Im Rahmen dieses Projektes untersuchen wir die Wirkung aller verfügbaren homöopathischen Einzelmittel auf menschliche Krebszelllinien und primäre (ursprüngliche) Tumorzellen. Dafür legen wir eine sogenannte Substanzbibliothek an, in der die Arzneimittel für eine Robotik verfügbar gemacht sind, so dass wir ca. 10.000 Substanzen pro Tag auf ihre Effekte testen können. Damit gewinnen wir Einblicke, welche Arzneimittel das Wachstum der Zellen beeinflussen und daher einer genaueren Prüfung unterzogen werden sollten. 

HOG: Ein neues Projekt beschäftigt sich mit Antibiotika-Resistenzen. Wie kam es zu diesem Fokus?

Kindelmann: Resistenzbildung wird zu einem immer größeren Problem für die Weltbevölkerung. Die WHO rechnet bis 2050 mit jährlich ebenso vielen Toten wie durch Krebs. Hinzu kommen enorme Kosten für die Gesundheitssysteme. Neben der Entwicklung neuer Antibiotika ist es deshalb von größter Wichtigkeit, wirkliche Alternativen zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass Antibiotika wirksam bleiben. Studien belegen, dass beispielsweise Homöopathie bei Infektionen der oberen Atemwege effektiv ist. Da ein Großteil der in der ärztlichen Praxis verschriebenen Antibiotika gegen diese gerichtet ist, ließe sich durch den Einsatz von  Homöopathika die Verschreibung von Antibiotika deutlich reduzieren und das noch mit weniger Nebenwirkungen.

Weiterhin hat sich in der Praxis gezeigt, dass sich Infektionen mit resistenten Erregern mit CAM-Verfahren erfolgreich behandeln lassen. Wir wollen deshalb noch mehr Erkenntnisse gewinnen, wie sich diese Verfahren zum Wohle und zur Sicherheit der Patienten sinnvoll nutzen lassen. Derzeit arbeiten wir in Kooperation mit anderen Wissenschaftlern den aktuellen Forschungsstand heraus und führen im Anschluss weitere Studien durch, die folgende zwei Fragen beantworten sollen: 1. Wie lassen sich Infektionen mit bereits resistenten Erregern homöopathisch behandeln? 2. Wie lässt sich der Einsatz von Antibiotika bei Bagatellerkrankungen sinnvoll reduzieren, um so Resistenzbildungen zu verhindern? In einer späteren Projektphase werden wir auch hier in vitro Versuche durchführen, um das gesamte Potenzial der verfügbaren homöopathischen Arzneien nutzen zu können.

HOG: Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Campace!

 

Spenden für die freie Forschung von Campace:

Spendenkonto IBAN: DE59 2512 0510 0001 5894 00 • Bank für Sozialwirtschaft • BIC: BFSWDE33HAN

 

Im Rahmen der Weltantibiotikawoche vom 12. bis 18. November startet Campace Research eine Crowdfunding Kampagne, bei der es viele interessante Unterstützerprämien wie Homöopathie-Software, E-Learning, Datenbankzugänge und digitale Zeitschriften gibt. Mehr Infos

 

 

Unterstützen Sie uns!

Jede Spende hilft!

Spenden