Erfahrungsaustausch in Paris vom 24. bis 26. Februar 2017

Ein bolivianischer Schamane entgegnete uns einmal, seine Gemeinschaft würde mit Freude die Homöopathie lernen wollen – aber nur, wenn sie im Gegenzug uns ihr altes Wissen vermitteln dürften. Auf diese Weise könne jeder seine Würde erhalten.

Welche Position nehmen unsere ProjektpartnerInnen ein, wenn nur wir die Gebenden oder Schenkenden sind, unsere PartnerInnen hingegen nur zum Nehmen verurteilt sind? Auf der ersten Konferenz in Paris, zu der das Team H2O (Humanitarian Homoeopathic Organisation) geladen hatte, wurden diese Fragen gestellt und diskutiert. Geben und Nehmen oder Schenken und Erhalten ist ein Kreislauf, ein universales Gesetz, das nicht nur die Schamanen in Bolivien strikt verfolgen. Wie also lässt sich eine Balance herstellen in der Projektarbeit? Wie lassen sich gute und zuverlässige KooperationspartnerInnen im Projektland finden? Wie reagieren wir, wenn sich vor Ort der politische Wind dreht und das einst gewollte und geförderte Projekt plötzlich nicht mehr erwünscht ist?

Alle diese Themen sind ein deutliches Abbild der Herausforderungen für alle, die für Organisationen wie HOG in der Welt unterwegs sind. Wollen wir mithilfe der Homöopathie stets Gutes schaffen – und kann es unversehens geschehen, dass unsere Einsätze stattdessen zu Abhängigkeiten führen oder gar zu Gefühlen wie andauernder Hilflosigkeit und Erniedrigung auf Seiten der Projektnehmerländer? Wir kennen dieses Phänomen gut aus der Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit. Machen wir es anders – und wenn ja, wie?

H2O ist die informelle Fortsetzung von HWW (Homeopaths World Wide), die bedauerlicherweise mangels Fördergeldern und Manpower 2015 ihr Wirken einstellen musste. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Handeln und Voneinanderlernen ist international jedoch bei all denen, die in homöopathischen Projekten involviert sind, sehr lebendig geblieben. Ein erstes gemeinsames Treffen von H2O fand nun in Paris statt. Geplant von Aktiven für aktive HomöopathInnen aus Europa und Übersee. Im Vergleich der vorgestellten Projekte erarbeiteten wir Themenschwerpunkte und diskutierten erste Lösungsansätze. Klar wurde, dass die sich Herausforderungen und Fragestellungen in vielen Projekten ähneln. So war es für alle Teilnehmenden spannend und aufschlussreich zu hören, wie KollegInnen aus anderen Nationen zu Lösungen kamen oder sich Hilfe verschafften.

Fragen wie diese werden uns auch im Rahmen der kommenden geplanten Treffen beschäftigen: Wie wird der togolesische Heiler verstehen, was Hahnemann, ganz deutsch versteht sich, vor 200 Jahren in komplizierter Paragraphensprache zu sagen hatte? Dazu gehören Methoden der transkulturellen Unterrichtsgestaltung u.a. Lassen sich einfache GesundheitsarbeiterInnen in den ländlichen Gebieten Afrikas vor Computern versammeln, um Seminare via Internet zu besuchen? Kann die verstärkte Einbeziehung von computergestützter Technik eine Hilfe sein, die langen Wochen der Regenzeit zu überbrücken, in denen wir nicht reisen können? Und wenn ja, welche sind die Voraussetzungen, damit es bei unserem Gegenüber nicht zum technischen Kollaps kommt?

Nach den Stunden konzentrierten Arbeitens waren am Ende alle glücklich über ein konstruktives Beisammensein mit vielen hilfreichen Einsichten.

Elisabeth von Wedel

 

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