KoordinatorIn gesucht!

Fast sechs Jahre lang war es meine Aufgabe, den Austausch der AusbildungsleiterInnen aus den Auslandsprojekten zu fördern und zu forcieren. Was sind die konkreten Aufgaben der KoordinatorIn? Sie schafft den Rahmen, in dem dieser Austausch stattfinden kann, unterstützt zum Beispiel die AusbildungsleiterInnen, wenn es den Wunsch nach konkreten Weiterbildungen gibt, und organisiert diese.

Als ich im September 2010 mit dieser Arbeit begann, gab es noch vier Projekte, die Ausbildungen im Ausland anboten: Bolivien, Sri Lanka, Sierra Leone und Kenia. Wir haben regelmäßig Telefonkonferenzen durchgeführt und so zusätzlich zu den Treffen auf den MVs die Möglichkeit genutzt, uns auszutauschen. Die Projekte waren sehr unterschiedlich: Bolivien bot eine richtige Grundausbildung an, Sierra Leone begann ebenfalls damit. In Sri Lanka war das Projekt schon fast beendet und es wurde noch eine Akut-Ausbildung geplant, in Kenia wurden Hebammen und Healthworker ebenfalls in einer Akut-Ausbildung unterrichtet.

Im Mittelpunkt des Austausches stehen Vorgehensweisen mit dem Curriculum und die Frage, wie man es sinnvoll an die Gegebenheiten des Gastlandes anpassen kann. Einen großen Raum nimmt die Erfahrung mit der Lehrpraxis ein: Soll man ein Honorar für die Behandlungen fordern? Wo findet die Lehrpraxis statt – soll man einen Raum dafür anmieten? Wer verwaltet die Arzneimittel der Schülergruppe? Wo werden die Mittel aufbewahrt? Wer betreut die PatientInnen weiter? All diese Fragen aus der praktischen Arbeit werden unter den AusbildungsleiterInnen erörtert, sie geben sich gegenseitig Ideen und Anregungen.

Alle erarbeiteten Scripte stehen allen Projekten zur Verfügung. Wir haben eine Dropbox eingerichtet, in der Arzneimittelscripte, Prüfungsfragen und Kasuistiken in englischer, spanischer und deutscher Sprache gesammelt werden. Diese Dropbox ist noch nicht vollständig und muss strukturell verbessert werden, aber ein Anfang ist gemacht.

Es gab bereits diverse Fortbildungen, zum Beispiel zu Tropenkrankheiten, zum Unterrichten im Ausland, zu den Themen Supervision im Ausland und Evaluation. Wir haben das Do-no-harm-Konzept kennengelernt, bei dem es um die Wirkung unserer Arbeit auf verschiedene Bevölkerungsgruppen geht. Die Fortbildung auf unserer kommenden MV im April 2016 wird der Umgang mit Frauen sein, die von der Genitalverstümmelung betroffen sind. Referent ist der anthroposophische Arzt Dr. Zerm.

Heute sind es nur noch zwei Projekte, die im Ausland Homöopathieunterricht anbieten, nämlich Ecuador und Sierra Leone. Dadurch verabreden wir uns weniger, der Bedarf an Austausch ist reduziert. Dafür ist die Flüchtlings-Welle über HOG „hereingebrochen“ und im Rahmen des Projektes „Homöopathie für Flüchtlinge“ organisiere ich gemeinsam mit KollegInnen die Fortbildungen der potenziellen BehandlerInnen in ganz Deutschland. Die Themen sind „Begleitung von traumatisierten Patienten“ und „Transkulturelle Kompetenz“. Die „Trauma-Fortbildungen“ werden sehr gut angenommen. Die Fortbildungen, die das Verständnis für Krankheit und Gesundheit in den Herkunftsländern der Geflüchteten beleuchten, stoßen bisher nur auf geringes Interesse, obwohl ich denke, dass dieses Verständnis für unsere Arbeit mit den Schutzsuchenden auch sehr wichtig ist.

Mir hat meine Arbeit als KoordinatorIn der AusbildungsleiterInnen viel Spaß gemacht! Ich finde es sehr gut, dass sie so praxisnah und konkret ist. Ich werde aus familiären Gründen diese Arbeit ab April 2016 nicht fortsetzen können und wünsche mir eine gute Nachfolge. „Nur Mut!“ – das gebe ich meiner NachfolgerIn mit auf dem Weg. Es ist keine schwere, aber eine sehr notwendige Arbeit, bei der mit Achtsamkeit und Respekt vor der Leistung der KollegInnen viel Gutes entsteht.

Gerlinde Hangkofer, KoordinatorIn der AusbildungsleiterInnen

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