April 2011

Obstverkäufer
Schülergruppe April 2011
Eingang zur Lehrpraxis

Nach dem im Mai vergangenen Jahres der isländische Vulkanausbruch und im Januar das Schneechaos die Reise jeweils zur Zitterpartie werden ließen, kommen Anke und ich dieses Mal ohne Zwischenfälle gut in La Paz an. Wir werden von herrlichem Sonnenschein und der typischen klaren Luft empfangen. Jetzt, zum Ende der Regenzeit ist die Umgebung ungewöhnlich grün.

Wir erfahren, dass es am Stadtrand von La Paz aufgrund der starken Regenfälle einen Erdrutsch gab, bei dem ca. 1000 Häuser abgerutscht sind. Dank guter Voraussicht sind keine Menschen zu Schaden gekommen. Da die Bolivianer sehr gut organisiert sind, wurden in kürzester Zeit Zelte, Decken, Kleidung,und Essen bereitgestellt.

Nach einem Tag der Akklimatisierung besuchen wir das Coca-Museum und treffen uns mit Henry, dem Organisator und Lea, unserer Übersetzerin.

Die Begrüßung mit den Schülern ist überaus herzlich. Inzwischen läuft die Organisation der Schülergruppe so gut, dass wir uns um Unterrichtsräume und Lehrpraxis nicht mehr zu kümmern brauchen. Für uns ist die Befreiung von organisatorischen Aufgaben eine große Erleichterung, wir können uns völlig unserem Unterricht widmen.

Bis jetzt ist die begleitende schulmedizinische Ausbildung unserer KursteilnehmerInnen nicht in Gang gekommen. Wir machen noch einmal deutlich, wie wichtig die Grundlagen der Anatomie, Physiologie und Pathologie sind. Ohne diese Basis kann keine gute homöopathische Behandlung erfolgen und wir betonen, dass wir ohne fundierte Grundlagen in diesen Fächern am Ende des Kurses keine Zertifikate erteilen können.

Unser Anliegen trägt Früchte und am Schluss unseres Aufenthaltes ist die medizinische Ausbildung innerhalb der Gruppe organisiert. Zwei unserer KursteilnehmerInnen sind Ärztinnen. Ab sofort wird jeden zweiten Samstag Yvonne vormittags den homöopathischen Stoff wiederholen und am Nachmittag Sandra die schulmedizinischen Grundlagen vermitteln. Beim ersten medizinischen Ausbildungssamstag sind fast alle Schüler anwesend.
Wir sind erneut beeindruckt von der engagierten gegenseitigen Unterstützung im Kurs und in den Lerngruppen.

Am zweiten Wochenende machen wir eine Zwischenprüfung. Diese dient der Selbsteinschätzung und soll uns und den Schülern zeigen, wo die einzelnen Schüler stehen und was sie noch nacharbeiten müssen. Nach wie vor stellen wir deutliche Unterschiede im Verständnis der Homöopathie zwischen den einzelnen SchülerInnen und Lerngruppen fest. Nicht jeder hat gleich viel Zeit, das Erlernte zu vertiefen und auch bei den später Eingestiegenen bemerkt man Defizite trotz der solidarischen Unterstützung durch die Lerngruppen.

Der Unterricht läuft wieder sehr lebendig und mit vielen guten Fragen ab. Es werden kaum Verständnisfragen gestellt, die meisten Fragen zeigen eine große Auffassungsgabe für Homöopathie, sind weiterführend und vertiefen den Unterricht. Und auch der Spaß am Unterricht kommt nicht zu kurz. Die schauspielerische Darstellung von Nux vomica und Lycopodium ist filmreif und zum Schreien komisch.

In der Lehrpraxis ist die Nachfrage der Patienten sehr groß und im Nu sind unsere Termine vergeben. Wir bekommen viele gute Rückmeldungen. Besonders beeindruckend der Fall eines jungen Mannes, der durch Koordinationsstörungen, Zittern und Schwäche schon deutlich in seinem Lebensgefühl und seiner Lebensführung eingeschränkt war. Inzwischen geht es ihm deutlich besser, d.h. nur die Füße zittern noch ab und zu und er fühlt sich deutlich wohler im Umgang mit seinen Freunden. Er kann wieder ganz normal am Leben teilnehmen.

Ein bis drei SchülerInnen nehmen jeweils an den Behandlungen teil, erleben die positive Wirkung der Homöopathie und üben die praktische Umsetzung ihres theoretischen Wissens.
Das nächste Mal werden die KursteilnehmerInnen die Terminvergabe und Organisation der Praxis selbst organisieren, damit mehr Zeit bleibt für die anschließende Besprechung der einzelnen Behandlungen mit den Schülern.

Der zweite Sonntag unserer Reise fällt auf den 10. April, Hahnemanns Geburtstag. Der Kurs beschließt an diesem Nachmittag auf einem Berg außerhalb von La Paz ein Ritual zum Geburtstag Hahnemanns, das Projekt und die Situation in der Welt insgesamt zu zelebrieren. Es sind Opfer und Wünsche an „Pacha Mama“. Die Opferspirale wird aufgebaut, in dem alle nacheinander ihr mitgebrachtes Opfer niederlegen und dabei ihr persönliches Anliegen äußern. Wir sind überrascht, dass die meisten TeilnehmerInnen in ihren Wünschen betonen, wie viel es ihnen bedeutet Homöopathie lernen zu dürfen und wie dankbar sie uns und HOG als Organisation dafür sind.
Es ist sehr ergreifend. Mit ihrem Lerneifer und der guten Organisation des Kurses war uns durchaus bewusst, dass unsere KursteilnehmerInnen die Ausbildung ernst nehmen. Doch wie viel dies für die Einzelnen persönlich bedeutet und welche Wertschätzung sie uns entgegenbringen, erfahren wir erst mit diesem Ritual.

Wir fahren sehr positiv und zufrieden nach Deutschland zurück mit dem Gefühl, dass sich die Gruppe gefestigt hat und etwas sehr Gutes dort in La Paz entsteht.

Anke Glossner und Edeltraud Snajdr

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