August 2012

Diese Reise steht ganz im Rahmen der Prüfung und der Einweihung der neuen Praxisräume

Homöopathie-Abschlussprüfung in La Paz, Bolivien

In La Paz in Bolivien haben unsere Schüler die Abschlussprüfung nach 3 Jahren Homöopathie- Ausbildung absolviert.

Es ist meine 4. Reise nach La Paz.

Die Anreise verläuft komplikationslos, dieses Mal muss ich allein reisen, weil die Kollegin kurzfristig wegen Krankheit in der Familie die Reise absagen musste. Allerdings habe ich eine junge Filmemacherin an meiner Seite, die einen Dokumentarfilm über unser Projekt erstellt.

Nach 2 Tagen Gewöhnung an die Höhe, wo wir unter anderem auch wieder das Valle de Luna besucht haben, findet nun der erste Unterricht statt. Das Wochenende ist überwiegend der Prüfungsvorbereitung gewidmet, denn am kommenden Wochenende wird die Abschlussprüfung geschrieben.

Es gibt viel Unsicherheit und Aufregung. Durch lockere Spiele mit Fragen zu Materia medica und Basiswissen wird dann doch viel gelacht und die Aufregung legt sich langsam. Bei der Fallbearbeitung zeigt sich dann schon, dass der ein oder andere mit dem Repertorium noch heftig zu kämpfen hat. Gemeinsam gehen wir die Fragen zum Fall durch und besprechen Unklarheiten.

Am Sonntagnachmittag überlegen wir gemeinsam, wie man die inzwischen angemietete Praxis so umgestalten kann, dass auch die Patienten sich dort wohl fühlen können.

Die Woche danach verfliegt schnell mit der Lehrpraxis. Inzwischen klappt die Anamnese bei einigen Schülern schon sehr gut, zum Teil sogar ohne Spickzettel. Bei Einzelnen wirkt das schon fast professionell.

Samstag ist dann der große Tag. Auch ich bin inzwischen aufgeregt, die Prüfung ist ja nicht nur eine Überprüfung des Wissens der Schüler sondern zeigt auch das Ergebnis unserer Arbeit, die wir nun 2 ½ Jahre lang gemacht haben.

Inzwischen haben wir auch einen kostenlosen großen Raum für den Unterricht zur Verfügung gestellt bekommen, es tun sich immer wieder Türen auf!

Da der folgende Sonntag als autofreier Sonntag in La Paz gefeiert wird, kann kein Unterricht stattfinden und ich nutze die Zeit zur Korrektur der Multiple Choice-Fragen.

Zur Korrektur des Falls brauche ich mit unserer Übersetzerin Steffi den ganzen Montag.

Dienstag ist wieder Praxistag. Melina, unsere Filmfrau ist überall dabei und alle sind bereit sich filmen zu lassen. Sie macht das so diskret und feinfühlig, dass niemand nein sagt.

Und dann gönnen wir uns drei Tag frei und fahren mit dem Bus nach Copacabana an den Titicacasee. Wir landen in einem Häuschen mit dem Namen El Cielo – der Himmel. Himmlisch ist es - und erholsam. Die Tage verfliegen, es ist Freitag und wir sind wieder auf dem Weg nach La Paz, quer durch El Alto und den fürchterlichen Verkehr.

Samstag, heute ist wieder Unterricht. Gemeinsam besprechen wir die Prüfung, so kann jeder für sich selbst feststellen, wo er/sie steht ohne dass ich eine Bewertung vornehmen muss.

Der alte Mensch in der Praxis ist dann unser Thema am Sonntag.

Dann findet der Höhepunkt statt: Es gibt ein zweistündiges Ritual zur Praxiseinweihung mit Alfredo, einem Schamanen. Nachdem wir alle mit Rutazweigen „gereinigt“ sind, werden zwei Energiekreise gelegt, einer von den Männern, einer von uns Frauen. Dabei werden abwechselnd von uns allen immer zwei Gaben für Pacha Mama in die Hand genommen, mit der einen Gabe spricht man seinen Dank für etwas aus und mit der zweiten Gabe wünscht man etwas.

Am Ende werden die beiden Energiekreise zusammen geführt und alles den Flammen übergeben. Die Flammen schlagen hoch im Hof vor der Praxis – Pacha Mama hat die Gaben angenommen und alle sind zufrieden. Das Ritual endet mit einem gemeinsamen Essen.

Für mich ist das der Höhepunkt der Reise.

Schnell vergeht der Montag mit letzten Patienten, Praxis aufräumen, letzte Einkäufe machen und Verabschiedung.

Nach 35 Stunden komme ich dann nachts um 3.30h zu Hause an, müde und erschöpft. Es war meine letzte Reise nach La Paz, ich habe viel gelernt und nehme viele, viele Eindrücke mit nach Hause. Das Projekt geht weiter, aber ich habe nun andere Aufgaben. Es war eine wundervolle Erfahrung und ich danke allen, die uns diese Arbeit ermöglicht haben.

Ursel Lessmann

Im September 2012

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