März und April 2012

Dank fleißiger Hände wird der neue Praxisraum hergerichtet

Die neuen Praxisräume in La Paz

In La Paz angekommen, wie immer Akklimatisierung, die erste Runde durchs Stadtviertel: Schnuppern, Infos einholen, das Projekthandy abholen, viele Pausen machen, denn ganz fit sind wir noch nicht.

Wir besichtigen gleich den neuen Praxisraum. Er ist auch im Gebäude der Kunsthandwerker Gewerkschaft, die Wände sind renovierungsbedürftig, ein abgelaufener Parkettboden zeugt von seiner ehemaligen Pracht. Der große Vorteil: Die Mietkosten sind so gering, dass die SchülerInnen sie selbst tragen könnten.

Der erste Unterrichtstag

Bei einer ersten Fallübung sind die SchülerInnen ganz erfolgreich in der Auswahl der Symptome und deren Gewichtung, allerdings fehlt es in der Umsetzung in die Repertoriumssprache.

Mittags machen wir Gruppendynamik:

Wie geht es mir im Kurs?

Wo sind meine Schwächen, Misserfolge und Erfolge mit der Homöopathie?

Was brauche ich an Unterstützung?

Das sind die Fragen, zu denen wir je eine Runde machen.

Am nächsten Tag halten die SchülerInnen Vorträge über homöopathische Mittel bei Harnwegsinfekten. Alle sind gut vorbereitet, Erika hat einen kleinen Handbeamer und Graciela ein Wandfaltscript, das sie während des Vortrages nach unten ausklappt und das lachende und weinende Smileys für amel. (= besser) und agg. (=schlechter) enthält. Ein sehr guter Vortrag!

Nach ein paar Tagen routinierter Lehrpraxis, in denen wir die kalten Tage und die fehlende Heizung bis in die Knochen spüren, steht der Besuch bei der schwerst kranken Schwester einer unserer SchülerInnen im Krankenhaus an. Nach der letzten Behandlung konnte sie manche Tage 20 Stunden ohne Atemgerät sein. Trotzdem schreitet ihre Erkrankung weiter fort und als sie äußert, sie will hier weg, sprechen wir vorsichtig, denn im Raum schwebt die Gewissheit, sie hat nicht mehr lang zu leben.Wir nehmen sie fest in den Arm. Mit ihrer Schwester gehen wir noch spazieren und reden über Sterben und Tod.

Am zweiten Unterrichtswochenende verteilen wir 30 wichtige homöopathische Mittel der Potenz C 30, die wir schon seit längerem von der Firma Remedia gespendet bekamen in die bunten Taschen, die ein Kunsthandwerker selbst genäht hat.

Die SchülerInnen sind nun weitgehend fit im Behandeln und so schreiten wir zur Tat: Wir können ihnen ihre ersten Apotheken zum Behandeln überreichen. Strahlende Gesichter um uns herum.

Die nächste Woche vergeht im Flug mit Lehrpraxis und Planungstreffen mit unserer bolivianischen Partnerstiftung für San Borja.

Wir machen wenig neue Anamnesen, und konzentrieren uns auf die Beobachtung der SchülerInnen bei den Folgeanamnesen, zu denen sie die von ihnen betreuten PatientInnen mitbringen.

Wir fahren nach El Alto zu zwei Patienten, die das Haus nur schwer verlassen können. Gute Nachrichten: Unser seit langem betreutes Kind, das bei der Geburt eine Hirnschädigung erlitten hatte, kann endlich laufen!


Abschied von Maria Eugenia

Über Ostern machen wir einen lang ersehnten Ausflug an den Salar de Uyuni, ein verdunstetes Binnenmeer in dem wir Natrium muriaticum (unser Kochsalz) pur erleben und den Nationalpark mit wunderschönen Lagunen und Flamingos, Hochgebirge mit Vulkanen, beeindruckende Naturgewalten.

Auf dem Rückweg erreicht uns eine SMS, dass Gracielas Schwester gestorben ist und wir zur Beerdigung eingeladen sind.

Wir hasten durch die Stadt, um ein Blumengesteck zu kaufen und stehen dann eine Stunde mit dem Taxi im Stau, da heute die Ärzte wegen unsäglicher Arbeitsbedingungen die Innenstadt blockieren.

In einem Beerdigungsinstitut findet die Totenmesse statt. Nach der Messe besprenkeln einige nahe Angehörige den Sarg mit einer weißen Nelke, die in Weihwasser getaucht wird. Wir werden von ganz hinten heran gewunken, damit auch wir den Sarg segnen.

Wir sind sehr berührt von dieser Geste. Maria Eugenia ruht in einem weißen Sarg mit Sichtfenster. Hinter dem Sarg eine kubanische Flagge, von dem Land, in dem sie sich während ihres Studiums so wohl gefühlt hat. Vor den Leuten auf einem Tischlein Cocablätter. Alles in einem gigantischen Blumenmeer. Ein wunderschöner Abschied.

Unser neues Projekt in San Borja in der Provinz El Beni

Uns erwartet auf dieser Reise eine neue Aufgabe:

Wir werden die Anprojektierung in San Borja/Pampas weiterführen. Eine neue Klimazone, eine neue Kultur, ganz neue Erfahrungen.

Am nächsten Morgen Aufbruch nach San Borja, drei Personen von der Stiftung und wir beide in einem Jeep. Durch den Klimawandel und dadurch verlängerte Regenzeit ist die Straße zum großen Teil Baustelle und abenteuerlich.

 

Am nächsten Tag fahren wir zur Radiostation HOREB, welche Nachrichten für die indigene Bevölkerung in den Comunidades sendet. Rosario, ein Mitglied der Stiftung, lädt zu einem Workshop über Rechtsfragen ein und kündigt uns an. Wir werden in Tsimane übersetzt und ich darf eine gute halbe Stunde die Homöopathie und unser Projekt vorstellen....

Was wir dort alles noch erlebt haben steht im Reisebericht von San Borja/ El Beni...

 

Nach der ähnlich anstrengenden Rückfahrt wartet noch ein Unterrichtswochenende auf uns, eine fruchtbare Versammlung mit den Schülern findet statt und zu guter Letzt können wir auf einem Treffen mit dem neuen Minister für traditionelle Medizin den Segen für unsere Planungen holen, er wird im Herbst mit uns die Ausbildungsprojekte in La Paz und San Borja um drei Jahre verlängern.

Gut gelaunt über unsere Erfolge fliegen wir nach Hause...


Anja Kraus und Birgit Lehmann

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