Wie kam es zu dem Ausbildungsprojekt in Bolivien ?

Aus Freundschaften und Träumen entsteht ein Projektantrag

Der Sonnengott im Spiel mit Licht und Schatten
Teilnahme an einer Prozession mit der Gastfamilie

Im Jahre 2007 habe ich mir einen Traum erfüllt, den ich seit meiner Jugend gehegt habe, nämlich nach Südamerika zu reisen. Nicht als Touristin, sondern aufgrund einer Einladung von Menschen dort, um mein Wissen und meine Fähigkeiten sinnvoll in die Gemeinschaft einzubringen.
Ich hatte eine Delegierte der indigenen Bevölkerung in Bolivien kennengelernt, die damals eine Vortragsreise durch Deutschland machte. Sie war Gesandte von einem Zusammenschluss von 27 indigenen Völkern Boliviens, wovon heute die meisten Aymara und Quechua (Nachfahren der Inka) sind. Andere Völker, vor allem aus dem Gebiet des Amazonas, sind heute nahezu ausgerottet.
Sie berichtete über die sozialen Bewegungen der Indigenen, die sich dort gegen die Gas- und Wasserprivatisierung erfolgreich organisierten.
Wasser und Gas sind den Aymara als Produkte von Mutter Erde heilig, ein Angriff auf diese Ressourcen verletzt ein Sakrileg. Gleichzeitig bedroht die Privatisierung ihre Gesundheit und Existenz, das Altiplano liegt auf 4000m und ist trotz der Nähe zum Äquator im Winter sehr kalt. Viele Quellen und Flüsse sind durch die Zinnminen verseucht, Trinkwasser ist durch die Gletscherschmelze, verursacht durch die Klimaveränderung, sehr knapp.
Als sie wieder abreiste, gab ich ihr eine kleine Broschüre von der Gudjons-Apotheke in die Hand, in der die Wirkungsweise der klassischen Homöopathie in verschiedenen Sprachen beschrieben wurde.
Damit fing alles an.

Auf ihrer nächsten Reise durch Deutschland sprachen wir lange über die mangelnde medizinische Versorgung der Bevölkerung, über alternative und traditionelle Heilweisen sowie über die Ähnlichkeiten der dortigen traditionellen Behandlungen mit der Homöopathie. Eine Behandlung im Krankenhaus kostet für eine Familie etwa einen Jahresverdienst und bringt oft enorme Verschuldung mit sich. Ich erzählte ihr von den „Homöopathen ohne Grenzen“ (HOG) und wir beschlossen, HOG verschiedenen Nachbarschaftsinitiativen in El Alto und La Paz vorzustellen.

So war ich 2007 in einer Familie zu Gast um diese Idee zu realisieren: Ich habe dort in zwei Stadtvierteln und im Gefängnis auf der Kinderstation homöopathisch behandelt.
Dadurch angeregt wurde später von Nachbarschaftsinitiativen bei HOG ein Unterstützungsprojekt beantragt.
Eine Schwierigkeit war, dass von den Indigenen ein Austausch der Heilweisen gewünscht wurde, um das Wertegefälle zwischen unseren Heilungswegen aufzuheben und einen interkulturellen Austausch zu bekräftigen. (Im Sinne von Entwicklungszusammenarbeit statt Hilfe.) Dies konnte aber nicht realisiert werden, da die TeilnehmerInnen dort immer die gleichen sind, wir aber als Dozentinnen aber abwechselnd nach Bolivien reisen, so dass wir selbst keine Ausbildung in traditioneller indigener Medizin machen konnten. Bei einigen Menschen dort hatte dies zu Verärgerung geführt.

Nach zwei weiteren Erkundungsreisen, Diskussionen über Verbindlichkeit, interkulturellen Missverständnissen und der Suche nach Lösungen konnte im Oktober 2009 die Ausbildungsvereinbarung mit dem Ministerium für traditionelle Medizin geschlossen werden. Unterzeichnet wurde auch der Kooperationsvertrag mit der Kunsthandwerkervereinigung.

Wir bekamen die offizielle Erlaubnis, in einer Lehrpraxis zu behandeln und eine Schülergruppe auszubilden – für uns ein enormer Erfolg.
Schnell wuchs die Zahl der Einschreibungen in den Kurs, im nächsten halben Jahr gab es jedoch eine hohe Fluktuation der Schüler. Doch nach einer Zeit wurde deutlich, wer ernsthaft Interesse und Kapazitäten besaß, die Homöopathie zu erlernen. Nun ist es eine Freude, die Schüler zu befähigen und zu unterrichten.

Anja Kraus, Projektleitung

"Klassische Homöopathie passt zum indigenen Verständnis. Wir freuen uns deshalb über das große Interesse an homöopathischer Medizin in der bolivianischen Bevölkerung." mehr...



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