Einblicke „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ / Dezember 2015

Region Süd: „Was hat mich 2015 beim Flüchtlingsprojekt besonders bewegt?“

Unser Flüchtlingsprojekt ist 2015 bundesweit angelaufen. In vielen Regionen stecken wir noch im Projekt- und Kontaktaufbau, in anderen läuft es vielversprechend an. In einigen Städten funktioniert die Arbeit bereits so, wie wir uns das wünschen. Zum Jahresabschluss haben wir die derzeit 160 angemeldete Projektmitglieder nach ihren Erfahrungen befragt. Ausgewählte Antworten aus der Region Süd auf die Frage „Was hat mich 2015 beim Flüchtlingsprojekt besonders bewegt?“ haben wir in diesem Einblick zusammengestellt.

„Das große Leid eines 6-jährigen Kindes, dessen Vater vor ihm erschossen wurde. Ein junger Mann, 25 Jahre alt aus Gambia, der mehrere Male lebensbedrohliche Situationen erlebt hat – in seinem Land, auf der Flucht im Gefängnis in Senegal, in der Wüste, eine Bombe im Flüchtlingsheim in Libyen etc. Er hat einen kleinen Sohn zurückgelassen, nach dem er unendliche Sehnsucht hat. So jung, so viele Tragöden erlebt und trotzdem so lieb, menschenfreundlich und hilfsbereit geblieben.“ Maria Hufnagel-Schwab, Heidelberg

„Ich freue mich sehr, dass ich durch die Arbeit mit der Projektgruppe so interessante, besondere neue Menschen kennengelernt habe. Sie sind mir in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen, denn diese gemeinsame Aufgabe verbindet uns auf eine sehr intensive Weise miteinander. Interessant finde ich, wie wichtig die Homöopathie auch für das Gelingen der Integration der Flüchtlinge ist. Sie können hier nicht ankommen, wenn sie ständig im körperlichen und seelischen Alarmzustand ihres akuten Traumas sind. Das hat ja auch eine soziale Dimension, wenn sich der Zustand in einer gesteigerten, oft unkontrollierbaren Aggressivität äußert. Viele haben trotz guter Angebote auch keine Chance, unsere Sprache zu lernen, weil sie geistig völlig blockiert sind. Leider kann ihnen nicht die Homöopathie allein helfen, ihre belastende Lebenssituation und die Ungewissheit über ihre Zukunft oder das Schicksal ihrer Angehörigen sind oft genug starke Heilungshindernisse. Durch die intensiven Gespräche, die wir mit den Menschen führen müssen, erfahren wir eine Menge über das, was hinter dem politischen Wort ‚Flüchtlingskrise’ steht. Es ist schwer zu verkraften, dass wir nur so wenigen Menschen helfen können, aber die Dankbarkeit dieser wenigen zu spüren, ist wunderbar und gibt uns Kraft zum Weitermachen.“ Anne Blomeyer, Nürnberg

„Alleine das Gesehen-Werden tut den Leuten schon gut. Und wenn die Globuli dann auch noch ihre Arbeit tun, ist schon ganz schön viel Entlastung möglich! Und besonders freue ich mich über diese neu zusammengefunden Gruppe von Kolleginnen, und der respektvolle Umgang miteinander – obwohl wir zum Teil sehr unterschiedliche Herangehensweisen haben (Sensation-Methode contra Symptomenlexikon) gelingt es uns, uns gegenseitig zu ergänzen und zu bereichern.“ Gudrun Barwig, Nürnberg

„Einerseits eure schnelle ‚Versorgung’ mit den nötigen Infomaterialien und Seminarangeboten und anderseits die in der Regel gute Stimmung und das Engagement für die Flüchtlinge in unserem Ort. Und natürlich auch, dass ich sehen könnte, wie die homöopathische Behandlung den Flüchtlingen geholfen hat und somit deren schlaflose Nächte ein Ende hatten – und wie erstaunt und dankbar sie waren, dass diese kleinen Kügelchen dabei so hilfreich sind.“ Ulla Rogge-Schöll, Inning a. A.

„Nach zögerlichem Anfang spricht es sich jetzt langsam herum und die ersten gut gelaufenen Fälle beeindrucken die Menschen, ich hoffe, es etabliert sich jetzt. Der Kontakt mit den Menschen und ihren Schicksalen und Traumata bewegt mich sehr, erlebe die Arbeit als sehr öffnend und freue mich immer auf die Sprechstunden! Es ist eine Bereicherung, die Regionalgruppe Franken vom Gründungstag bis heute bei der Vernetzung zu erleben: pragmatisch, kollegial, kreativ!“ Birgit Atzl, Nürnberg

„Da ich bis jetzt erst einen Flüchtling behandelt habe, kann ich nicht wirklich von Projektarbeit sprechen. Aber besonders gefreut hat mich, dass mein Schützling nach dem dritten Termin sich plötzlich für seine Umgebung geöffnet hat und sie wahrnahm. Er lebt schon etwa drei Jahre in Deutschland und geht hier in eine Schule speziell für Flüchtlinge, machte aber keine Fortschritte, weil er nicht ‚da’ war.“ Gisela Cordes, München

„Es war schön, dass sich die homöopathische Behandlung in der Notunterkunft so herumsprach, dass gezielt zu meinen Sprechstunden Flüchtlinge (wieder) kamen, die homöopathisch behandelt werden wollten (obwohl sie vorher noch nie etwas mit Homöopathie zu tun hatten). Mit der Zeit fanden auch die Dolmetscher Zugang zur Homöopathie, holten eigenständig zum Beispiel ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch am Ende der Akutsprechstunde. ‚Ich hätte da noch zwei Patienten, wenn noch Zeit ist…; vielleicht kann man da was machen?’ Was aus der einmaligen Behandlung dann wurde, kann allerdings niemand wissen; denn das Paar ist schon längst aus der Notunterkunft ausgezogen.“ Anke Lemmer, Erlangen

 

 

Ansprechpartnerinnen

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Regina Mössner

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