Einblick „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ mit HiA

Einblick Januar 2020 | „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ mit HiA

Im Sommer und noch einmal im November 2019 war ich zu einem medizinischen Einsatz auf Lesbos. Die griechische Insel liegt nur ca. 15 km vom türkischen Festland entfernt. Durch den Türkei-Deal sollen die Flüchtlinge abgehalten werden, in die EU zu kommen. Trotzdem kommen täglich Boote an, im Mai ca. 70 Menschen täglich, inzwischen sind es fast 400 Neuankömmlinge täglich. Bis zum Abschluss des Asylverfahrens – viele Monate bis Jahre – werden die Flüchtlinge auf Lesbos festgehalten, über 18.500 Menschen leben inzwischen im Lager Moria, das ursprünglich für maximal 2.000 Menschen vorgesehen war. Die Menschen kommen überwiegend aus Afghanistan und Afrika, speziell Kongo.

Das Lager aus Zelten und Containern ist komplett überfüllt, Neuankömmlinge müssen sich in einem wasserdurchlässigen winzigen Zelt auf einem Platz in einem Oliverhain einrichten. Schutzräume für Minderjährige oder alleinstehende Frauen gibt es nicht mehr. Es herrschen grauenhafte hygienische Bedingungen, viel zu wenig Toiletten, überall Müll. Gewalt ist an der Tagesordnung: Angriffe, Kämpfe, Feuer, sexuelle Übergriffe, Raub, Drogen, Totschlag, Selbstmord(versuche) ... ein unmenschliches und würdeloses Leben.

Ich arbeite außerhalb des Lagers in einer schlichten Holzhütte im Zentrum „One Happy Family“, wo sich die Geflüchteten durch vielfältige Angebote etwas ablenken können. Wir haben mehr Zeit als die ÄrztInnen im Lager, deshalb bekommen wir viele psychiatrische PatientInnen. Es sind unvorstellbare Grausamkeiten, die die Menschen teilweise erlebt haben. Frauen wie Männer sind mehrfach vergewaltigt, gefoltert und misshandelt worden. Viele leiden unter massivsten Beeinträchtigungen, Halluzinationen, schwerste Panikattacken, Atemnot, Schlaflosigkeit, Bettnässen und vieles mehr. Und es gibt im Umkreis fast keine PsychiaterInnen oder PsychologInnen.

Alle aus dem Flüchtlingsprojekt in Deutschland kennen schreckliche Geschichten aus den Erzählungen der PatientInnen, aber was ich dort erlebt habe, hat das noch bei weitem übertroffen. Vieles kann ich jetzt auch in meiner Arbeit hier besser verstehen. Dort erahnen sie gar nicht, welche weiteren Hürden noch auf sie zukommen. Durch intensive Gespräche mit traumatherapeutischem Grundwissen konnte ich viel erreichen, homöopathische Mittel habe ich unterstützend eingesetzt. Die Menschen waren so unendlich dankbar, etwas Sinn im Leben wiederzuentdecken. Ganz unprofessionell haben wir sie nach Hause und zu unseren Freizeitaktivitäten mitgenommen, Mobilnummern ausgetauscht. So empfand ich die Arbeit zwar schwer, aber auch erfüllend.

 

Dr. Maria Möller

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Dr. Maria Möller
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