Einblick Juli 2017 „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“

Einblick 2017 | HOG-Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“

Im Gespräch mit Dr. Maria Möller

 

Dr. Maria Möller aus Augsburg ist seit Juni 2017 die neue Projektleiterin für „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ von HOG in Zusammenarbeit mit HiA.

Wie fand Ihre erste Berührung mit der Flüchtlingsarbeit vor Ort statt?

Eigentlich durch einen Zufall. Ich nähe gern – und als im neu gegründeten Flüchtlingscafé im alten Straßenbahndepot in Augsburg Stuhlkissen gebraucht wurden, habe ich die genäht. So entstanden erste Kontakte. Das war noch 2014, also vor dem großen Strom. Dann kamen die Flüchtlinge an und das Gesundheitsamt vor Ort und die Regierung von Schwaben gleich auf mich zu. 2015 und 2016 war ich für die medizinischen Untersuchungen in den Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtungen  verantwortlich.

Seit wann arbeiten Sie aktiv mit im Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“? ?

Ein HOG-Flyer vom Flüchtlingsprojekt flatterte auf den Tisch und ich wusste sofort: Das muss ich machen! Mir ging es darum, das Leben der Flüchtlinge besser, schöner, einfach würdevoller zu machen. Es war in meinen Augen phasenweise unmenschlich, wie die Flüchtlinge von den Behörden behandelt wurden. Im September 2015 fand dann das erste Treffen von Projektinteressierten statt: 15 Leute kamen zusammen. Ich hatte ÄrztInnen angesprochen, Christine Lauterbach HeilpraktikerInnen und HomöopathInnen. Im Beratungszentrum beim Flüchtlingscafé konnten wir einen Raum nutzen – und die Arbeit ging los.

Was haben Sie persönlich aus Ihrer Arbeit mitgenommen?

Sehr viel. Es ist schlimm, was viele der Geflüchteten erlebt haben. Umso wichtiger ist mit, ihnen mit Achtung und Respekt zu begegnen. Unsere Arbeit eröffnet dabei große Möglichkeiten: Die Flüchtlinge werden los, was sie noch nie erzählt haben. Wir nehmen uns dafür Zeit. Die großen Gespräche wie die Erstanamnese dauern rund eine Stunde. Ganz wichtig dabei ist die Unterstützung durch die DolmetscherInnen und genau das macht unsere Projektarbeit so erfolgreich. Die Übersetzung macht den Unterschied. Und die homöopathischen Mittel bewirken so viel!

Jetzt haben Sie die Seite gewechselt und als Projektleiterin rücken zusätzlich Koordination und Organisation in den Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Das Projekt muss unbedingt weiterlaufen – und dazu gehört eine gute Führung. Wir sind bei der Gründung unserer Projektgruppe in Augsburg selbst sehr engagiert von Rosemarie Kaiser unterstützt worden und ich habe dabei schon viel Organisationsarbeit geleistet. Meine Mitstreiter in Augsburg haben mir eher von der neuen Aufgabe abgeraten, weil sie mich nicht verlieren wollten. Aber das wird nicht passieren: Ich will nicht weg von der Basisarbeit. Ohne diese Erfahrungen kann man das Projekt nicht erfolgreich fortsetzen.

Wie war Ihr Start in der neuen Aufgabe als Projektleiterin und welche Ziele haben Sie in den nächsten Monaten?

Als Projektleiterin setze ich mich in ein gemachtes Netz. Das Projekt ist von Rosemarie Kaiser, Christa Ehrlich und Regina Mössner sehr gut strukturiert worden, es läuft gut. Jetzt gilt es, die Dinge am Laufen zu halten. Mir geht es darum, weiterhin eine solide, rechtlich einwandfreie Basis für unsere Arbeit zu schaffen. Ich kenne die Kritik an der Arbeit von HOG. Deshalb ist es mir besonders wichtig, dass HomöopathInnen im Flüchtlingsprojekt unangreifbar mitarbeiten können. Darüber hinaus setze ich auf Fortbildung: Die Seminare zum Thema Traumarbeit und interkulturelle Kommunikation sollen fortgesetzt worden. Alle, die im Projekt aktiv mitarbeiten, brauchen dieses besondere Know-how.

In den nächsten Wochen werde ich vor allem den persönlichen Kontakt mit den Beteiligten in ganz Deutschland suchen: Was brauchen die anderen Projektgruppen? Wie kommen wir mit den Flüchtlingen in Kontakt? Meine Erfahrung zeigt: Man kann noch so viele Flyer machen. Um die Flüchtlinge zu erreichen, braucht es persönliche Kontakte. Wir müssen sie an die Hand nehmen und sagen: „Komm!“. Erst ganz vereinzelt finden Flüchtlinge, die erste Deutschkenntnisse haben, allein den Weg zu uns.

Was wünschen Sie sich an Unterstützung?

Regina Mössner von HiA, Angelika Pöllet und ich sind ein gutes Team. Wenn wir noch tatkräftige Unterstützung für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen fänden, wäre das großartig. Anfragen sind jederzeit willkommen. Und wenn unsere Projektgruppen vor Ort von ihren Erfahrungen mit Text und Bild berichten, können wir im HOG-Newsletter und auf der Website Interessierte und auch potenzielle Spender für unsere Arbeit begeistern.

Vielen Dank.

 

 

 

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