Die Bedeutung von Angebot und Nachfrage

Zur Erinnerung: Noch bevor der Satz „Wir schaffen das“ im August 2015 Geschichte schrieb, beschlossen HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen im Frühjahr 2015 einen Beitrag zu leisten. Gemeinsam initiierten wir –HOG und Homöopathie in Aktion (HiA) – das Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland. Vielerorts suchten wir Kontakt zu Betreuern und Organisationen, die sich um geflüchtete Menschen kümmern.

Regina Mössner, die Gründerin von HiA, arbeitet nun seit 1996 für und mit geflüchteten Menschen. Sie initiierte die erste kostenlose homöopathische Sprechstunde für Flüchtlinge in Deutschland. Das ist 20 Jahren her. Inzwischen bieten 300 HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen im Rahmen des Projektes „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ ihre Hilfe an – selbstverständlich ehrenamtlich.

Unsere Erwartung an die Nachfrage des Angebotes ist nach wie vor groß. Wir sehen einen hohen Bedarf – und die Hilfsbereitschaft auf Seiten der HomöopathInnen steigt weiter. Was passiert gerade? Wir bieten eine offene Sprechstunde in einem Welcome Center in Düsseldorf an. KollegInnen arbeiten deutschlandweit in Unterkünften oder Flüchtlingscafes. Unter anderem in München und Augsburg arbeiten ÄrztInnen in den Projektgruppen mit. Das erhöht die Möglichkeiten und den „BeHandlungsspielraum“. Es gibt auch Orte, an denen einzelne KollegInnen in ihren Praxen ehrenamtliche Hilfe anbieten.

Mit der Zeit weichen Zelte und Zeitungsberichte aus dem öffentlichen Blickfeld. Die Flüchtlinge, die erst einmal mal bleiben, suchen Familienmitglieder, warten auf die Ergebnisse ihrer Asylanträge, suchen eine Wohnung und einen Arbeitsplatz. In NRW gibt es inzwischen eine Versichertenkarte über die AOK. Umso wichtiger ist in diesen Tagen die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und Betreuern.

In meiner Praxis spreche ich mit einem Patienten über meine Arbeit für HOG in Kenia und für HOG und HiA in Deutschland. „Genau so etwas bräuchte ich für meine unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge“, sagt der Sozialpädagoge, der selber sehr gute Erfahrung mit der homöopathischen Behandlung gemacht hat. „Genau das bieten wir mit unserer offenen Sprechstunde im Welcome Center in Düsseldorf“, antworte ich. In der Folge kommen verschiedene BetreuerInnen mit jugendlichen Flüchtlingen zu uns in die Sprechstunde. Die Themen sind vielfältig – Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Sorgen um die Familie und um die Zukunft.

Was bieten wir in Düsseldorf konkret an? In erster Linie nehmen wir uns Zeit. Wir hören zu, wir machen Mut und wir können homöopathisch behandeln. Wir haben mehr als 20 Jahre Praxiserfahrung und viele Fortbildungen zur interkulturellen Kommunikation und in der Begleitung traumatisierter Menschen. Wir haben das Glück, mit einem Apotheker zusammenzuarbeiten, der von uns rezeptierte Homöopathika ausgibt. Die Jugendlichen kommen gerne, sie fühlen sich ernst genommen. Die einzelnen Gruppen überdenken regelmäßig ihr Angebot und passen es der Nachfrage an. Einige Sprechstunden werden auf 14-tägig reduziert. Wir sind stand-by – sozusagen immer auf Anfrage bereit.

Janina Huppertz

 

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