Einblick Flüchtlingsprojekt März 2017

Niedersachsen: Lokaler Erfahrungsaustausch im Flüchtlingsprojekt

Am 3. Dezember 2016 lud Christa Ehrlich, Mitglied des Organisationsteams und zuständige Länderkoordinatorin des Flüchtlingsprojektes für das Bundesland Niedersachsen, die KollegInnen der Gruppen aus Peine und Hildesheim zu einem Erfahrungsaustausch auf lokaler Ebene ein. Hierzu fanden sich jeweils drei VertreterInnen beider Gruppen in den Räumlichkeiten von Sonja Gaspari in Peine ein. Zu den Themen gehörten die Behandlung von Flüchtlingen und der Umgang mit Anfragen, die über eine homöopathische Betreuung hinausgehen. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit mit den Dolmetschern und auf welche Weise kann die interkulturelle Kommunikation bestmöglich gelingen?

Hier eine Zusammenfassung der Erfahrungen, Diskussionsergebnisse und Wünsche der niedersächsischen TherapeutInnen:

Die Behandlung von Flüchtlingen

Die KollegInnen aus Peine behandeln die geflüchteten Menschen einmal wöchentlich in einem Raum der Caritas, manchmal wird auch ein Hausbesuch durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit der Caritas gestaltet sich gut. Die Anamnese verläuft meist auf Englisch oder mit Dolmetschern. Teilweise sind die KollegInnen hierbei zu zweit vor Ort und empfinden dieses als sehr gute Erfahrung: Hierdurch wird nicht nur ein persönlicher Austausch, sondern ggf. auch die Aufteilung der Arbeit ermöglicht. Beispielsweise führt eine Kollegin die Anamnese durch, während die andere den Fall bereits repertorisiert. Bisher wurden in Peine mehr als 15 PatientInnen behandelt.
Die KollegInnen aus Hildesheim haben derzeit Kontakt zum Café eines Flüchtlingsheimes. Hier leitet eine Betreuerin die Anfragen der Flüchtlinge an die HomöopathInnen weiter. Die Behandlung findet dann in der Praxis oder in Form eines Hausbesuches statt, wobei die KollegInnen grundsätzlich zu zweit behandeln. Dies wird auch hier als nützliche Arbeitsweise empfunden und kam im vergangenen Jahr insgesamt 14 PatientInnen zugute. Die Behandlung erfolgt auf Deutsch, Englisch oder mittels ÜbersetzerInnen.

Anfragen, die über eine homöopathische Betreuung hinausgehen

Der Umgang mit dieser Thematik nahm einigen Diskussionsraum ein. Die Unterstützung einer Flüchtlingsfamilie bei der Schulanmeldung, die Anfrage, Flüchtlinge zum BAMF in Friedland zu begleiten oder auch eine Bitte der Caritas, ein Attest auszustellen, um eine Familie vor der Abschiebung zu bewahren, stellen nur einige Beispiele dar. Diskutiert wurde, ob die Kolleginnen auf solche Anfragen eingehen oder diese lieber an kompetente Stellen verweisen sollten. Man kam zu dem Ergebnis, dies im Einzelfall selbst zu entscheiden, jedoch vorsichtig zu sein und die eigene Kompetenz wie auch Belastbarkeit nicht zu überschreiten.

Die Zusammenarbeit mit DolmetscherInnen

Die Arbeit mit den ÜbersetzerInnen gestaltet sich absolut unterschiedlich – von sehr gut bis deutlich unbefriedigend. Typische Probleme sind hierbei, dass die DolmetscherInnen z.T. selbst noch nicht besonders gut Deutsch verstehen oder sprechen und damit nicht 1:1 übersetzen können bzw. selbst schlecht zu verstehen sind. Zum Teil planen diese auch zu wenig Zeit für eine Erstanamnese ein.

Die KollegInnen kamen zu dem Ergebnis, dass es immer ein kurzes Vor- und Abschlussgespräch mit den ÜbersetzerInnen ohne die PatientInnen geben sollte. Die DolmetscherInnen müssen auf die Schweigepflicht hingewiesen und über die besondere Fragesituation in der Homöopathie aufgeklärt werden (1:1-Übersetzung). Wichtig kann zudem sein, auf ethnische bzw. religiöse Hintergründe zu achten. Die entsprechenden Kosten können über das Projekt abgerechnet werden.

Interkulturelle Kommunikation

Im Rahmen des Treffens wurde zudem deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit interkultureller Kommunikation ist. Es gibt mittlerweile die Erfahrungen, dass PatientInnen beispielsweise immer in männlicher Begleitung erscheinen, Krankheit ein Tabu-Thema sein kann oder es häufig zu Unpünktlichkeit kommt. Die KollegInnen resümierten, dass es sinnvoll sein kann, am Tag zuvor noch einmal per WhatsApp an den Behandlungstermin zu erinnern, als „Türöffner“ einen Tee und Mandeln anzubieten oder beispielsweise „Tip-Doc-Hefte“ zu verwenden, um die Kommunikation zu verbessern.

Dieser Erfahrungsaustausch auf lokaler Ebene war rundum gelungen und sei auch anderen Regionen zur Nachahmung empfohlen!

Sonja Langen

Unterstützen Sie uns!

Jede Spende hilft!

Spenden