Einblick „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ mit HiA

Dieses Bild wurde von einer traumatisierten Frau aus Afghanistan gemalt, die im Flüchtlingsprojekt behandelt wird

Einblick 2018 | „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ mit HiA

 

 

Beim letzten HOG-Herbsttreffen konnten wir uns auch innerhalb des Flüchtlingsprojektes intensiv austauschen und uns zum Teil zum ersten Mal persönlich kennenlernen. Am Samstag, der wie immer den einzelnen Projekten gewidmet war, konnte jeder über seine Einschätzung und interessante Erfahrungen berichten und weitere Vorschläge und Ideen für das Projekt kamen auf den Tisch. In unserem Fall geschah das unter anderem auf einem sonnigen Herbstspaziergang, den wir gemeinsam unternommen haben.

Unser Fazit nach viereinhalb Jahren Flüchtlingsprojekt von HOG und HiA: Wir sind mit rund 250 bundesweit Beteiligten im Projekt sehr gut aufgestellt. Durch zahlreiche angebotene Seminare in den letzten Jahren (z.B. Fortbildungen in der Behandlung traumatisierter Geflüchteter) konnten wir uns weiter qualifizieren und wir haben viel Erfahrung sammeln können in der homöopathischen Behandlung von geflüchteten Menschen. Vor allem haben wir erfahren, wie wichtig ein kultursensibler Umgang mit den Menschen ist, denn das Krankheitsverständnis ist in Afrika oder Asien anders als bei uns.

Da Homöopathie nicht in allen Ländern bekannt ist, zumal in manchen Kulturen Krankheiten auch mit magischen Ritualen begegnet wird, müssen wir auch Missverständnisse bezüglich der Behandlungsmethode vermeiden und aufklären. Auch das Verhalten während der Anamnese muss vor dem Hintergrund der kulturellen Herkunft beurteilt werden, sonst kommt es schnell zu Missverständnissen. So wurde ein ständiges „Auf-den-Boden-Schauen“ insbesondere von afghanischen Geflüchteten von den Therapeutinnen und Therapeuten zunächst so gedeutet, als neigten Menschen dieses Kulturkreises eher zu Depressionen als andere. Dabei ist es für Afghaninnen und Afghanen einfach ein Zeichen höchster Ehrerbietung gegenüber der Therapeutin oder dem Therapeuten! Auch sprechen sie grundsätzlich eher nicht über ihr Inneres, das ist nämlich ein Tabu, und von daher ist es für uns als Therapeut schwierig, den wirklichen Seelenzustand zu erfahren. Dass gerade die Afghaninnen und Afghanen sich in letzter Zeit dennoch spürbar offener zeigen, ist dem Umstand geschuldet, dass sie zunehmend von Abschiebungen bedroht sind. Diese Verhaltensänderung zeigt uns also ihren Leidensdruck.

Die Arbeit mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern, die von HOG und HiA wenn nötig bezahlt werden, erleichtert uns Therapeutinnen und Therapeuten die Behandlung in jenen Fällen, in denen wir uns nicht selbst mit den Menschen verständigen können, z.B. in englisch, spanisch oder französisch. Denn wer von uns spricht schon arabisch, farsi, dari, urdu, tigrinia oder amharisch? Obwohl die Inanspruchnahme unserer angebotenen kostenlosen homöopathischen Behandlungen zur Zeit eher abnehmend ist – viele Menschen sind ja nun schon länger hier und einige in Lohn und Brot –, so ist unsere Solidarität mit den Geflüchteten gerade jetzt in Zeiten zunehmender Ausländerfeindlichkeit und Rassismus ganz besonders notwendig. Um unsere Arbeit noch bekannter zu machen, liegt jetzt ein Multiplikatorenflyer vor, der an alle, die mit Geflüchteten arbeiten oder Kontakte zu ihnen haben, verteilt werden kann.

 

Jeannette Hölscher-Schenke

 

Der Multiplikatorenflyer des Flüchtlingsprojekts kann über die HOG-Geschäftsstelle bezogen werden. Kontakt
 

Multiplikatorenflyer des Flüchtlingsprojekts

Ansprechpartnerinnen

Dr. Maria Möller
Regina Mössner

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