Erfolgreicher Projektstart in Augsburg

Im September 2015 initiierte die homöopathische Allgemeinärztin Dr. Maria Möller in Augsburg ein erstes Treffen von 14 ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, die unser Flüchtlingsprojekt unterstützen wollten. Wie sich in den kommenden Wochen zeigen sollte, entwickelte sich hieraus schnell eine fruchtbare Zusammenarbeit: Es wuchs ein wunderbares Team zusammen, wie Maria Möller immer wieder gern versichert, das sich von Beginn an aktiv und engagiert zeigte. Sonja Langen sprach mit ihr und Mitgliedern des Augsburger Projektteams.

Wie seid Ihr nach Eurem ersten Treffen gestartet?

Maria Möller: Rasch wurden die erforderlichen Aufgaben, wie das Protokollieren der Treffen und andere organisatorische Dinge verteilt, es wurden DolmetscherInnen gesucht, eine Spende von zwei kompletten Globuli-Therapeutensätzen eines Homöopathieherstellers konnte aufgetan sowie ein abschließbarer Büroschrank besorgt werden. Nach ersten Behandlungen in den eigenen Praxen fand sich dann auch ein Raum im ZIB (Zentrum für interkulturelle Beratung) Augsburg über den Verein Tür an Tür, der dort ein Café betreibt. Hier bieten wir Flüchtlingen aus Augsburg und dem Umland nun seit Mitte Dezember 2015 freitagnachmittags eine homöopathische Behandlungsmöglichkeit an. Dabei teilt sich die heute 13-köpfige Gruppe in Therapeutenteams zu zwei oder drei Personen auf, welche die Anamnesen jeweils abwechselnd durchführen. Ich erstelle hierzu regelmäßig einen festen Therapeutenplan und teile die PatientInnen ein.

 

Mit welchen Erkrankungen kommen die geflüchteten Menschen zur Behandlung?

Maria Möller: Migräne, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, rezidivierende Infekte, Hautausschläge, Energielosigkeit, Essensverweigerung, Ohnmachtsanfälle, depressive Verstimmungszustände (z.B. nach dem Tod von Verwandten in der Heimat oder auf der Flucht), Heimweh und Anpassungsstörungen in der Unterkunft waren die bisherigen Diagnosen.

 

Gibt es einen interessanten Fall, von dem Ihr uns berichten könnt?

Maria Möller: Ja, dies ist ein Fall unserer Kollegin Rosi Achter: Frau O. kam mit folgenden Beschwerden: Sie will immer allein sein, weint sehr viel, will keinen Trost, sperrt sich im Bad ein und weint. Ihre Schwester und ihr Vater sind in Syrien umgekommen. Sie fühlt sich ständig bedroht und daraus entstehen Schwierigkeiten in der Unterkunft. Sie hat auch Angst in der Dunkelheit, starke Kopfschmerzen sowie Migräne mit Kribbeln in der gesamten linken Gesichtshälfte und Einschlafschwierigkeiten. Frau O. erhält Ignatia C200. Nach drei Wochen berichtet sie, alles habe sich total verbessert: Frau O. kann viel besser einschlafen, die Migräne ist verschwunden, es bestehen nur noch die normalen Kopfschmerzen, sie fühlt sich nicht mehr bedroht, d.h. sie kommt in ihrer Einrichtung deutlich besser zurecht. Seit zwei Wochen muss Frau O. auch nicht mehr weinen, sie sagt, alles sei wie genau umgekehrt, alles sei total gut. Frau O. hatte sogar die Vermutung, wir hätten mit der Einrichtung telefoniert, weil sie dort (gefühlt) völlig anders mit ihr umgehen würden!

 

Noch einmal zum Organisatorischen: Nun reicht es für einen erfolgreichen Projektverlauf nicht aus, „nur“ einen solch professionellen Rahmen für die Behandlungen zu schaffen. Um überhaupt homöopathisch aktiv werden zu können, gilt es zudem, der Hauptschwierigkeit zu begegnen: Auf welche Weise erreichen wir die Flüchtlinge? Wie erfahren geflüchtete Menschen und MultiplikatorInnen von unserem Projekt? Für das Augsburger Projektteam ist Maria Möller als Initiatorin und Mitwirkende sicherlich ein Glücksfall: Sie verfügt als „Flüchtlings-Ärztin“ seit Jahren über Erfahrungen bzgl. deren Hilfe und Behandlung und engagiert sich schon lange auf diesem Gebiet.

 

Auf welche Weise habt Ihr Euch bekannt gemacht?

Maria Möller: Nach einem etwas mühsamen Beginn kam es dann über Arbeitskreise und Qualitätszirkel zu den ersten Kontakten zu MultiplikatorInnen, wie Flüchtlings- und SozialberaterInnen, zudem machten wir uns über das bereits erwähnte Café des Vereins Tür an Tür bekannt. Und mit der Zeit entstand eine immer weitreichendere Vernetzung, nicht zuletzt auch durch die Mitarbeit im Arbeitskreis Flucht und Gesundheit der Stadt Augsburg, die unserem Flüchtlingsprojekt offen und interessiert gegenübersteht.

 

Ein Ergebnis dieses erfolgreichen Miteinanders findet sich auf der Website der Stadt Augsburg  unter http://www.augsburg.de/fileadmin/user_upload/umwelt_soziales/asyl/homoeopathie-fluechtlinge.pdf. Der Hinweis hierauf in der Rubrik „Wer macht was – Zuständige in Augsburg => Gesundheit“, lautet: Flüchtlinge mit körperlichen oder seelischen Beschwerden erhalten kostenlos eine naturheilkundliche Behandlung durch Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland.

 

„Und wo steht Ihr heute?“

Maria Möller: Zwischenzeitlich ist ein toller Bekanntheitsgrad unseres Projektes in Augsburg erreicht. Momentan befassen wir uns sogar damit, eigene Visitenkarten zu erstellen. Diese werden die Kontaktdaten des Projektteams sowie etwas Platz für die nächste Terminvereinbarung enthalten.

 

Selbstverständlich stoßen alle bundesweit Aktiven des Flüchtlingsprojektes, ob sie nun allein agieren oder als Team arbeiten, in ihrer Region auf ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Sicherlich ist der Beginn für die meisten KollegInnen nicht ganz leicht und es braucht Geduld und Zeit, um die jeweilige Arbeit zu etablieren. Wir fragten daher:

 

„Was würdet Ihr anderen Projektteams aufgrund Eurer bisherigen Erfahrungen für ein gutes Gelingen mit auf den Weg geben?“

Maria Möller: Von Anfang an gute Strukturen überlegen, sich untereinander gut organisieren (z.B. über Whatsapp-Gruppen), Netzwerke und MultiplikatorInnen nutzen, z.B. Helferkreise und SozialarbeiterInnen, DolmetscherInnen direkt aus den Einrichtungen, aus denen die Flüchtlinge stammen, anfragen oder über Aushänge an der Uni suchen.

 

„Was nehmt Ihr für Euch persönlich aus der Projektarbeit mit?“

Susanne Billmayer: Die Arbeit bedeutet für mich sehr viel. Ich kann mit meinen Mitteln mich dieser Aufgabe stellen, die Menschen anzunehmen und zu unterstützen. Schöne Momente sind immer der Blick in die Augen der Patienten und das Gefühl zu haben, es tut ihnen gut, in einer annehmenden Atmosphäre in Ruhe Dinge zu erzählen, über die sie in anderen Settings nicht sprechen können.

 

Gertraud Schmid: Ich möchte hier eine Stelle aus Der kleine Prinz zitieren, die mich tief berührt hat, als ich sie gelesen habe und die mich seitdem begleitet: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Wenn ich einem Menschen begegne und es ein kleines Zeitfenster gibt, wo sich diese Verbindung von Herz zu Herz öffnen kann, dann ist das für mich immer eine sehr beglückende Erfahrung und in Bezug auf dieses Projekt kann ich nur sagen, dass diese Kommunikation auch ohne ÜbersetzerInnen und auch über die Kulturen hinweg funktioniert.

 

Maria Möller: Die Gräueltaten, die eine unserer PatientInnen auf der Flucht durch Libyen erleben musste, sind so unvorstellbar! Wie schön, dass wir mit Akutmitteln, wie z.B. Aconit, so Erstaunliches bewirken können!

 

„Und welches ist die häufigste Reaktion der Flüchtlinge auf Eure Behandlungen?“

Maria Möller: Wir erleben immer wieder eine große Dankbarkeit!

 

Wir danken Euch ebenfalls, liebe Augsburger KollegInnen: Für Euer engagiertes Tun, für das ausführliche Gespräch und all die interessanten Einblicke, die Ihr uns hiermit eröffnet habt!

 

Wer noch mehr über die Projektarbeit in Augsburg erfahren möchte, erreicht Maria Möller unter der Rufnummer: 0171-4831238.

Sonja Langen

 

 

 

Ansprechpartnerinnen

Dr. Maria Möller
Regina Mössner

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