Einblicke „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ / Februar 2016

Rosemarie Kaiser leitet das Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ für HOG. Sie zieht nach rund einem Jahr Projektaufbau eine erste Bilanz.

Neuland für HOG | Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland

Mit dem ersten humanitären Inlandsprojekt geht HOG seit 2015 neue Wege: „Helfen vor der eigenen Haustür“ ist das Motto. Homöopathen ohne Grenzen waren bisher im Ausland aktiv und haben dort viel Erfahrung in der Behandlung von traumatisierten Menschen, in der Projektarbeit und Organisation gewonnen. Sie bringen diese wertvollen Kompetenzen jetzt vor Ort in Deutschland ein  – gemeinsam mit unserem Projektpartner HiA (Homöopathie in Aktion), die sich die Behandlung von geflüchteten Menschen seit ihrer Gründung Mitte der 1990er zur Aufgabe gemacht haben.


Unser Ziel: Homöopathische Behandlung für geflüchteten Menschen bundesweit

Von den KollegInnen, die bislang in Eigeninitiative begonnen hatten, homöopathische Behandlungen anzubieten, wussten wir: Einige hatten gute Erfahrungen gemacht und die Zusammenarbeit mit Flüchtlingsberatern lief prima. Andere erlebten es eher frustrierend, da ihre Bereitschaft zur homöopathischen Behandlung Geflüchteter nicht angenommen wurde. Diese Erfahrungen haben HOG und HiA motiviert das Projekt zu initiieren. Die Projektmitglieder verfügen über eine fundierte Homöopathie-Ausbildung und mindestens 3 bis 5 Jahre Praxiserfahrung, viele von ihnen praktizieren seit 10 oder sogar 20 Jahren und haben zumeist vielfältige Erfahrung in der Behandlung traumatisierter Menschen. Unser Projektziel lautet: Wir wollen in möglichst vielen Städten möglichst vielen geflüchteten Menschen homöopathische Behandlung ermöglichen –  im Rahmen von regelmäßigen Sprechstunden in Flüchtlingsunterkünften und Beratungsstellen oder in den Praxen.


Erfolgreicher Projektstart: Seit Sommer 2015 läuft die Arbeit vor Ort

Das Projektteam hat in der ersten Jahreshälfte 2015 die grundlegenden Strukturen für die Projektarbeit geschaffen und unterstützte den Aufbau von lokalen Projektgruppen. In Städten wie München, Bielefeld und Nürnberg kommen langjährig praxiserfahrene HomöopathInnen, KollegInnen mit viel interkultureller Kompetenz und Kenntnissen der Traumatologie zusammen mit jungen KollegInnen, die ihrerseits oft Organisations- oder Computer-Know-how mitbringen. So können Erfahrungen geteilt, Intervisionen organisiert und Anfragen adäquat weitergeleitet werden. In anderen Orten sind KollegInnen weiter allein auf weiter Flur und wünschen sich MitstreiterInnen.


Türen öffnen sich: Das Projekt kann wachsen

Wir beschreiten viele Wege, um das Projekt bekannt zu machen: Dazu gehören Kontakte mit den Mitarbeitern von Medinetz, mit Traumazentren, mit dem Zentrum für Folteropfer und die Teilnahme an Fachgruppen für die medizinische Versorgung, um unsere Arbeit dort vorzustellen. Sehr unterschiedlich sind auch die Erfahrungen mit den Flüchtlingsinitiativen und den für die medizinische Versorgung Verantwortlichen. Die Einen nehmen unser Angebot mit Freude an und vermitteln bereits Patienten. Andere sind so sehr mit der Alltagsbewältigung beschäftigt, dass die Zusammenarbeit mit HomöopathInnen noch hintenangestellt wird. Wie so oft sind PatientInnen, denen es mithilfe der Homöopathie besser geht, die besten MultiplikatorInnen: Sie erzählen es anderen in ihrer Unterkunft, schicken Familienangehörige oder Bekannte. Auch durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wie Beiträge in Fachzeitschriften, Interviews und auf den Websites von HOG und HiA informieren wir über das Projekt.


Gut vorbereitet: Seminare für traumasensible Beratung und Begleitung

Die Geflüchteten haben zumeist dramatische, traumatisierende Situationen in ihren Herkunftsländern, auf der Flucht und beim Ankommen erlebt. Diese bilden oft den Hintergrund für aktuelle Beschwerden, körperliche wie seelische. Die Symptome und Krankheiten, mit denen Flüchtlinge in unsere Behandlung kommen, sind vielfältig. In einem ausführlichen Anamnesegespräch erfassen wir die Gesamtheit der Symptome und beziehen die Entstehungsgeschichte, die zu bewältigenden Lebensereignisse mit ein. Um adäquat und kompetent mit den oft mehrfach traumatisierten Menschen umgehen zu können, braucht es eine trauma- und kultursensible Kompetenz und Kenntnisse der Traumaentstehung und -verarbeitung. HOG und HiA bieten Trauma-Seminare, um die vorhandenen Kenntnisse aufzufrischen und zu vertiefen.

Die geflüchteten Menschen nehmen das Angebot gerne an

Die Behandlungserfahrungen im Rahmen des Projektes zeigen: Die geflüchteten Menschen haben in der Regel Wissen und Erfahrung mit naturheilkundlicher Behandlung. Viele leben mit einem ungeklärten Aufenthaltsstatus, in Unsicherheit und Angst vor Abschiebung. An dieser Lebenssituation können wir als HomöopathInnen nichts ändern. Aber wir können ihnen einen Raum geben, um in Ruhe das, was bewegt und beschwert, auszusprechen. Gehört und verstanden zu werden ist schon viel – und die Erleichterung, wenn sich zum Beispiel quälende Schlaflosigkeit oder Schmerzen bessern, bringen die Menschen dankbar zum Ausdruck.


Ihr Engagement ist gefragt: Helfen Sie uns mit Ihrer Spende

Die Flüchtlingsthematik als politische und juristische Herausforderung braucht vielfältiges Engagement – professionell wie ehrenamtlich. Homöopathie für Flüchtlinge schließt eine Lücke zwischen psychotherapeutischer Traumatherapie und der Schulmedizin. In diesem Feld können wir in guter Absprache und Zusammenarbeit viel bewirken – und dafür brauchen wir Ihre Unterstützung: Zeit, Geld, Talente. ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, die sich dem Projekt anschließen und im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten Geflüchtete ehrenamtlich behandeln wollen.
Weitere KollegInnen für das Projektteam oder als Regionale Ansprechpersonen,
KollegInnen oder auch Menschen anderer Berufe, die das Projekt mit Organisationstalent, Computer-Kenntnissen oder für die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen möchten, sind herzlich willkommen. Und: Wir brauchen dringend Spenden für Organisation, für die Bezahlung von Übersetzern und für Info-Material.

Kontakt | Rosemarie Kaiser | info@rosemarie-kaiser.de

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