Einblicke „Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland“ / Oktober 2015

Im Gespräch mit Anne Blomeyer

Die lokale Projektgruppe Nürnberg hat sich innerhalb von nur 2 Monaten organisiert und die Arbeit mit den Geflüchteten vor Ort aufgenommen. HP Anne Blomeyer, Homöopathin, ist als Ansprechpartnerin von Anfang an dabei.

Ist die Arbeit der Projektgruppe Nürnberg eine „Erfolgsgeschichte“?

Davon würde ich noch nicht sprechen, denn der Erfolg wird sich am konkreten Behandlungsergebnis messen lassen müssen. Damit stehen wir noch ziemlich am Anfang, aber wir haben in wirklich kurzer Zeit eine sehr aktive Gruppe aufgestellt und das Angebot der homöopathischen Behandlung für Flüchtlinge sehr breit bekannt gemacht. Wir haben also jetzt eine gute Basis, auf der die eigentliche homöopathische Arbeit beginnen kann – und wird, davon bin ich überzeugt.

Wie setzt sich die Gruppe zusammen und wie teilen Sie die Aufgaben auf?

Wir sind inzwischen 18 KollegInnen aus dem fränkischen Raum, 15 davon sind HeilpraktikerInnen, eine HP in Ausbildung und drei Ärztinnen. Bisher mache ich den überwiegenden Teil des Schriftverkehrs, die anderen Aufgaben erledigt jede/r nach ihren/seinen Möglichkeiten. Viele haben Kontakte zu Flüchtlingsinitiativen, informieren dort über das Behandlungsangebot. Andere organisieren Trauma-Fortbildungen für uns oder stellen die Arbeit im Internationalen Frauencafé oder bei der Stadtmission vor. Dr. Anke Lemmer lässt uns in ihrer Hausarztsprechstunde in der Erlanger Notunterkunft hospitieren, wo sie auch viel homöopathisch behandelt. Alle überlegen gemeinsam, woher wir Geld für die Finanzierung des Projekts, v.a. für die Übersetzungskosten, bekommen können und tragen hilfreiche Informationen zusammen.

Die Projektgruppe ist schnell gewachsen. Wie binden Sie neue interessierte KollegInnen ein?

Wir laden sie ein, sich unserer Gruppe anzuschließen, auch, wenn sie nur selten an den Treffen teilnehmen können. So bekommen sie auf jeden Fall die Informationen, können sich auf die Therapeutenliste setzen lassen, die wir den Projektinfos beileigen, an den Fortbildungen teilnehmen oder hospitieren.

Wie wird Ihr Angebot unter FachkollegInnen aufgenommen? Haben Sie Kontakt zu schulmedizinisch arbeitenden ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen?

Wir haben in einem Rundschreiben das Projekt bei TraumatherapeutInnen und PsychotherapeutInnen bekannt gemacht. Auch die Gesundheitsämter haben wir aus diesem Grund informiert.

Wie haben die Flüchtlinge vor Ort von Ihrem neuen Angebot in Nürnberg erfahren?

Viele Gruppenmitglieder kennen Leute in verantwortlichen Positionen in der Flüchtlingsarbeit, wir haben auch viel recherchiert. So kursiert das Info-Blatt für Multiplikatoren inzwischen überall. Die geflüchteten Menschen informieren wir persönlich in den Einrichtungen, zu denen wir Kontakt haben, oder hängen die inzwischen ja mehrsprachig vorliegenden Infos aus.
Wie die Multiplikatoren reagieren, hängt immer davon ab, was sie von der Homöopathie halten, aber überraschend viele nehmen das Angebot dankbar und positiv auf. Wir arbeiten gerade daran, in einer großen Unterkunft in Nürnberg eine homöopathische Sprechstunde etablieren zu dürfen, das ist aber noch nicht entschieden.

Aus welchen Ländern stammen die Flüchtlinge, die Sie behandeln, und wie ist ihre derzeitige Lebenssituation in Nürnberg?


Das ist unterschiedlich, viele leben nur für kurze Zeit in der Notunterkunft und kommen vor allem mit akuten Krankheiten. Andere leben jahrelang in Gemeinschaftsunterkünften und können dort auch chronisch behandelt werden. Ich selbst behandle aktuell ein Kind aus Tschetschenien und eine Frau aus Äthiopien.

Wie erleben Sie die Reaktionen auf Ihr Engagement? Wie reagieren Ihr privates und professionelles Umfeld, wie Ihre PatientInnen?

Patienten und Freunde finden es gut und wichtig, dass ich das mache, unterstützen mich auch, zum Beispiel durch Übersetzungen. Kolleginnen sind fachlich interessiert, nahe Angehörige sorgen sich wegen der Mehrbelastung.

Wie verändert die steigende Zahl an Flüchtlingen in Deutschland Ihre aktuelle Arbeit?

Bis jetzt verändert sie sie noch nicht, wir haben die Sache ja auch gerade erst ins Rollen gebracht. Es stimmt aber schon, dass wir fürchten, überrollt zu werden, wenn es einmal richtig losgegangen ist. Da müssen wir mächtig auf uns aufpassen, aber das ist auch Teil eines Seminars, das Helmut Eichenmüller und Juliane Leib im November für uns geben. Wir sind also in guten Händen.

Was empfehlen Sie abschließend KollegInnen, die selbst lokal eine Projektgruppe aufbauen wollen?

Sprecht oder schreibt KollegInnen an; viele wollen etwas tun, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen. Oder nehmt Kontakt zu anderen Gruppen in der Region auf, es muss ja nicht in jeder Kleinstadt eine eigene Gruppe geben. Aber sucht Euch Unterstützung: Es tut einfach gut, sich nicht als Einzelkämpfer fühlen zu müssen, sondern eine Gruppe hinter sich zu wissen.

Ansprechpartnerinnen

Dr. Maria Möller
Regina Mössner

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