„Die/Der Traumatisierte ist Experte für sich selbst!“

Sonja Langen gibt einen Einblick in unser Frankfurter Seminar zur Begleitung psychotraumatisierter Patienten mit Dipl.-Psychologin Friedegunde Bölt am 27. und 28. Februar 2016

„Einführung in die Psychotramatologie und ihre Methoden in Beratung und Begleitung“ lautete der Titel des zweitägigen Frankfurter Seminares, für das wir Friedegunde Bölt gewinnen konnten, um die 25 teilnehmenden KollegInnen gut auf ihre Arbeit mit geflüchteten Menschen vorzubereiten und ihnen Sicherheit im Umgang mit Traumatisierten zu vermitteln.

Dass wir mit der langjährig erfahrenen Diplom-Psychologin aus Kassel (www.psychotraumazentrum-kassel.de) die perfekte Dozentin zu diesem Thema gefunden hatten, zeigte sich nicht erst in den durchweg positiven Feedback-Gesprächen: Friedegunde Bölt gestaltete die beiden Seminartage mit einem Mix aus einer prägnanten Powerpoint-Präsentation, die uns zugleich in Form eines fundierten Skriptes vorlag und einem aktiven Zwiegespräch mit der Gruppe, unterlegt von vielen Fallbeispielen. Besonders hilfreich waren zum Abschluss jedes theoretisch erarbeiteten Themas die hieran angeschlossenen praktischen Übungen und Rollenspiele. Sie verbesserten zum einen immer wieder unsere eigene Konzentration, zum anderen bekamen wir hierdurch sinnvolles Werkzeug an die Hand, welches wir sicherlich sofort bei der Arbeit mit unseren Patienten umsetzen können. Weitere wichtige Aspekte zum Gelingen der Fortbildung waren neben Friedegunde Bölts Kompetenz aber auch ihre Achtsamkeit, Empathie und Wertschätzung – sowohl wenn sie über PatientInnen sprach als auch im Umgang mit den TeilnehmerInnen.

Als Essenz des Seminares hier noch einmal ein Zitat „der inneren Leitsätze und Haltung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen“ nach Friedegunde Bölt:

„Die/Der Traumatisierte ist Experte für sich selbst!“
-->Interventionssatz: Fördern der Selbstexplorationsfähigkeit

„Schwierigkeiten, Probleme und Symptome, die nach einem traumatogen wirkenden Ereignis entstehen können, sind in der Regel als „hilfreich gedachte“ Strategien zu werten, die Schlimmeres fern halten sollen.“
-->Interventionssatz: „Dysfunktionale“ Strategien in eine funktionale Idee wenden

„Die/Der Traumatisierte ist als Person nicht krank, sie/er leidet unter den Traumafolgen und verfügt über ausreichend Selbstheilungskräfte.“
-->Interventionssatz: Wiederanknüpfen an einen Pool von Fertigkeiten, die die Selbstheilungskräfte unterstützen. Diese bewusst einsetzen lernen.

„Kommunikation und Begegnung ist der Gewaltfreiheit verpflichtet!
-->Haltung: Wertfreies Beobachten und Benennen, Übertragung und Gegenübertragung im Sinne der traumatogenen Themen wahrnehmen

„Im traumatogenen System gibt es Täter – Opfer – Zeugen – Mitwisser – Retter. Wir begreifen uns am ehesten als empathische/r Zeugin/Zeuge.“
-->Supervision der Selbsthilfeversuche

Friedegunde Bölt machte diesbezüglich immer wieder deutlich: Die Betroffenen sind die Experten für sich selbst. Dies bedeutet: Sie bestimmen die nächsten Schritte in der Behandlung. Distanz, Schutz, Reorganisation und Selbstexploration sind die Fähigkeiten, die wir als BehandlerInnen vorgeben bzw. fördern müssen.

Interessant war ebenfalls der Einwurf einer Teilnehmerin, die noch einmal auf die Rolle der DolmetscherInnen verwies: Auch wenn wir unsere Sprachwahl den PatientInnen gegenüber gut bedenken und beispielsweise besonders vorsichtig nachfragen, was machen dann die DolmetscherInnen hieraus und welche Auswirkungen hat dies auf die Behandlung? Friedegunde Bölt erläuterte, dass es in Kassel mittlerweile ein Netzwerk an DolmetscherInnen gibt, die von den dortigen PsychotraumatologInnen geschult werden. Sicherlich ein Idealfall. Bundesweit werden wir im Flüchtlingsprojekt das Dolmetscherthema diesbezüglich auch weiterhin im Auge behalten.

Und noch eines gab Friedegunde Bölt uns mit auf den Weg: „Nutzt die Inhalte des Seminars für Eure PatientInnen, für die Flüchtlinge und natürlich auch für Euch selbst!“ Das werden wir tun!

Sonja Langen

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