Einblicke Ecuador Dezember 2016

Besuch bei den Shiwiar: Ursprüngliches Leben im 30-Einwohner-Dorf Kambantsa

Der Kurs in Puyo ist auf neue Beine gestellt: Wir haben einen wunderschönen neuen Unterrichtsort in einem botanischen Garten, wo wir themenbezogen Mittel zur Ersten Hilfe bei der Geburt unterrichten. Der Intercambio macht die Unterschiede zwischen den verschiedenen Nacionalidades deutlich, aber auch viele Ähnlichkeiten. Die Frauen arbeiten bis kurz vor der Entbindung; durch Fühlen der Kopftemperatur weiß die Geburtshelferin, wann es so weit ist. Eine „partera“ – eine erfahrene Mutter oder Tante – hilft der jungen Mutter, die sich während der Geburt nicht hinlegen darf, sondern am Seil hockend entbindet. Die „partera“ weiß, welche Heilpflanzen bei der Geburtsvorbereitung unterstützend helfen. Viele Pflanzen können wir direkt im Medizinpflanzengarten der Finca finden.

Eine unserer Teilnehmerinnen lädt uns ein, die Shiwiar eine Flugstunde von Puyo entfernt zu besuchen. Insgesamt leben ca. 1.000 Shiwiar in elf Dörfern im Regenwald. Wir fliegen nach Kambantsa: Hier wohnen ca. 30 Einwohner in sechs Familien noch sehr ursprünglich mit wenig Kontakt zur westlichen Welt. Das nächste Dorf mit ca. 300 Einwohnern ist drei Stunden Fußmarsch durch den Regenwald entfernt.

Die Dorfgemeinschaft wirkt sehr glücklich und gesund, es wird extrem viel gelacht, die Frauen sind – bei klarer Aufgabenteilung – gleichberechtigt. In der kleinen Dorfschule, in der normalerweise ca. 10 Schüler von der ersten bis zur siebten Klasse Lesen, Rechnen und Spanisch lernen, unterrichten wir vier homöopathische Erste-Hilfe-Mittel. Das ganze Dorf und einige extra aus dem Nachbardorf angereiste Teilnehmer lauschen interessiert und lernwillig, auch wenn vieles nochmal auf Shiwiar erklärt werden muss. Nachmittags üben sie fleißig für die „Prüfung“ am nächsten Tag.

Die jüngeren Frauen wissen leider nur sehr wenig über die traditionellen Heilpflanzen, vielleicht konnte unser Kurs einen Impuls geben, dass die Älteren ihr Wissen weitergeben. Es ist ein großes Geschenk für uns, dass wir dieses ursprüngliche Leben im Regenwald miterleben durften. Die Natur stellt fast alles zur Verfügung, was man zum Leben braucht. Nur wenige Dinge wie z.B. Salz, Seife oder Kochtöpfe werden in der Stadt gekauft. Hoffentlich kann diese naturnahe Lebensweise in möglichst vielen Dörfern erhalten bleiben!

Nicola Lehmkühler

 

 

 

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