Momentaufnahme Ecuador Juni 2017

Mittlerweile fühlen wir uns in der kleinen Regenwaldstadt Puyo schon wie zu Hause. Da es einigen der Indigenen aus dem Regenwald nicht immer möglich ist, an jedem Taller (Workshop) teilzunehmen, haben wir uns dazu entschlossen, unseren Unterricht zum Thema „Salud para Madre y Bebé“ immer in kleinen, in sich stimmigen und abgeschlossenen Einheiten anzubieten. So haben auch die TeilnehmerInnen etwas von unserem Unterricht, die nur einmalig dabei sein können.

Der Ort, an dem wir unterrichten, ist traumhaft und wie für uns gemacht. 10 Minuten von Puyo entfernt liegt der schöne Heilpflanzengarten „Los Yapas“ in Fátima. Unsere Gastgeberin Gabriela ist eng vernetzt mit alternativen Gesundheitsprojekten und indigenen Asociaciones im Land. Wir treffen auf ein Netzwerk indigener Frauen, wie immer aus verschiedenen Comunidades, die auch in anderen Bereichen zusammenarbeiten. Viele der TeilnehmerInnen kommen von weit her, was uns zutiefst berührt und die Wichtigkeit unterstreicht, die unser homöopathischer Unterricht für die Menschen hat.

Die Unterrichtsinhalte stimmen wir wie immer auf die realen Bedürfnisse vor Ort ab. So sind in dieser Woche vor allem Mittel für Mütter mit gesundheitlichen Beschwerden nach vielen Geburten – 7 bis 10 Geburten sind vor Ort keine Seltenheit – und Durchfallerkrankungen bei Kindern große Themen. Neben dem homöopathischen Unterricht können sich die TeilnehmerInnen im großen Heilpflanzenareal von „Los Yapas“ über Pflanzen, Zubereitung, Wirkung, Dosierung und auch Gefahren austauschen. Es findet ein oft sehr intimer Austausch über Themen statt, die die Frauen lange in sich verschlossen haben. Die Stimmung im Kurs ist zum Teil sehr ernsthaft, zum Teil ausgelassen.

Aus dem entfernten Ort Archidona finden sich zwei Hebammen ein, sogenannte Parteras, mit der Einladung eines kleinen Verbandes von indigenen Geburtshelferinnen, der „Asociación de Mujeres Parteras Kichwas de AMUPAKIN“. Nach unseren sehr lebendigen und berührenden Tagen in Puyo und feierlich überreichten Teilnahmezertifikaten reisen wir über die Stadt Tena nach Archidona und besuchen AMUPAKIN. Die Frauen dort arbeiten schon lange Jahre unter schwierigsten Umständen, nicht nur in der Geburtshilfe. Es wächst hier ein kleinen Gesundheitszentrum. Menschen, die sich keine medizinische Behandlung in Krankenhäusern oder Subcentros leisten können (die es ja angeblich und offiziell für jeden gibt), finden hier Zuflucht und werden mit Hingabe gepflegt und versorgt. Davon können wir uns mit eigenen Augen überzeugen und sind zutiefst beeindruckt. Dass es an fast allem fehlt, was zur Krankenpflege benötigt wird, macht uns allerdings sehr betroffen.

Auch in Archidona werden große Heilpflanzengärten angelegt und die Frauen während der Geburten mit den richtigen Pflanzen versorgt. Und trotzdem interessieren sich die Parteras sehr für die Homöopathie, wollen mehr darüber erfahren und die ersten Mittel in Anwendung bringen. Die TeilnehmerInnen können sich den Einsatz von wirksamen homöopathischen Mitteln gut als komplementäre Anwendung zu ihren Heilpflanzen vorstellen und wir versprechen wiederzukommen und einen zweiten Unterricht anzubieten.

Ich glaube auch für meine Kolleginnen sprechen zu können, wenn ich sage, dass wir uns fühlen, als würde uns eine Welle tragen. Kaum angekommen, öffnen sich neue Türen, geschehen und vernetzen sich Dinge und Menschen fast wie von alleine, und es gilt eigentlich nur, sich einem Rhythmus anzupassen. Und die Sinnfrage, die wir uns immer wieder neu stellen müssen und die es immer wieder zu überprüfen gilt, löst sich in Windeseile auf.

Marion Böhm

 

 

 

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