November 2015

Besuch der Kichwa Gemeinde Sarayaku

Unsere diesjährige Reise nach Ecuador führt uns in eine weit über die ecuadorianischen Grenzen hinaus bekannte Comunidad, nach Sarayaku. Da erneut in unserem Intercambio (Austausch über indigene Heilpflanzen und homöopathische Erste Hilfe) Indigene aus der Kichwa-Gemeinde Sarayaku teilnehmen, haben wir die Einladung der Einwohner von Sarayaku, ihre Gemeinde kennenzulernen, angenommen. Vor unserem regulären Unterrichtsbeginn in Puyo flogen wir für einige Tage mitten in den Regenwald direkt an den Rio Bobonaza. Die angedachte Anreise mit dem Kanu war wegen des geringen Wasserstandes der Flüsse leider nicht möglich – und so hatten wir wieder einmal die Möglichkeit, die Welt des Regenwaldes aus der Vogelperspektive zu bestaunen.

Sarayaku ist eine weitflächige Kichwa-Gemeinde direkt am Rio Bobonaza mit etwa 1200 Einwohnern. Die Menschen von Sarayaku leben eng verwurzelt mit ihrem Wald, ernähren sich von der Jagd, dem Fischfang und durch Pflanzen in nachhaltig angelegten Waldgärten. Sie sind untereinander gut vernetzt, ein Subcentro (Krankenstation) im Dorf soll die Menschen mit der nötigen medizinischen Ersten Hilfe versorgen. Ein junger Arzt im Praktischen Jahr aus Quito tut dort seinen Dienst und ist auch bei anderen Aktivitäten im Dorf mit dabei. Die zweite Ärztin aus Sarayaku ist eine unserer KursteilnehmerInnen, möchte die homöopathische Erste Hilfe gerne in das bestehende medizinische System integrieren. Sarayaku ist außerordentlich interessiert an der Erweiterung seiner medizinischen Versorgung durch die Homöopathie als komplementärer Heilweise zu ihren traditionellen Heilpflanzen und der schamanischen Heilkunde.

Wir konnten bei unserem Aufenthalt im Dorf selbst erfahren, dass auch hier wie in anderen Gegenden des tropischen Regenwaldes Stiche und Bisse von diversen Insekten und Schlangen eine tägliche Herausforderung vor allem für Mütter und ihre Kinder sind. Das Spektrum reicht von sehr giftigen Schlangenbissen bis hin zu vielleicht weniger gefährlichen, aber extrem schmerzhaften Stichen, Bissen und Kontaktverletzungen aller möglichen Insekten und giftigen Raupen. Wir konnten uns selbst überzeugen, wie hilfreich die homöopathische Apotheke dabei sein kann, wenn die eigene Pflanzenkunde nicht greift oder wegen der langen Zubereitung nicht so schnell zu beschaffen ist. Auch eine Ausarbeitung homöopathischer Mittel in Bezug auf Schlangenbisse könnte den Menschen dort eine echte Hilfe sein, um so die oft langen Wartezeiten bis zum Eintreffen des angeforderten Flugzeuges in ein Krankenhaus zu überbrücken. Und wie immer sind  homöopathische Fragen rund um die Geburt ein wichtiges Thema, für die sich die Frauen in Sarayaku eine komplementäre homöopathische Unterstützung wünschen.

Zum Abschluss unseres Besuches dort konnten wir auf einer beindruckenden Wanderung durch den Wald den Weg eines Kanus (Einbaumes) nachvollziehen, den die Bewohner vor wenigen Wochen in liebevoller und aufwendiger Arbeit selbst gebaut und mit kunstvollen Schnitzereien ausgekleidet haben. Die Männer brachten das Kanu dann mit Seilen ins Dorf hinunter, wo es im Rio Bobonaza seine Reise nach Puyo antrat. Dort brachte man es in die nächste große Hafenstadt, von dort aus auf einem Containerschiff nach Paris, wo sich auch einige unserer FreundInnen und KursteilnehmerInnen zum Weltklimagipfel, dem COP21, zusammenfanden, um für den Erhalt des Regenwaldes ein Zeichen zu setzen.

Die Unterrichtswoche in Puyo war neben den Erfahrungen mit bereits angewandten homöopathischen Mitteln und dem Unterrichten wieder von vielen berührenden Erzählungen geprägt. Der Intercambio war diesmal nicht nur über Heilpflanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten, sondern sehr interkulturell und sehr persönlich. So tauschten die Frauen in diesen Tagen oft sehr intime, schwierige und schmerzhafte Erfahrungen aus. Uns hat die Atmosphäre, in der dies geschehen konnte, sehr bewegt und ich danke allen TeilnehmerInnen auf diesem Wege noch einmal für das Vertrauen, das sie auch uns entgegenbringen und das wir als großes Geschenk empfinden.

Marion Böhm, November 2015

 

 

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