Dritte Unterrichtseinheit

In der Lehrpraxis werden die ersten Fälle besprochen

Bei unserer dritten Unterrichtsreise nach Puyo besuchen wir den Canton Santa Clara, der in einer Stunde mit dem Bus zu erreichen ist. Ein paar Kilometer weiter am Fluss hat die „comunidad“ ein kleines Paradies mit Badestelle, Sportplatz, Bar, Restaurant und einigen „cabañas“, in denen Gäste übernachten können. Also sind wir nachts nur von Wald, Grillen, tobenden Affen und dem tosenden Fluss umgeben.

Im Dorf besuchen wir die Grundschule. Im Alter von vier Jahren gehen die Kinder ein Jahr in den Kindergarten, danach sechs Jahre in die „escuela“, anschließend kann man in größeren Gemeinden sechs Jahre das „colegio“ besuchen. Mit dem dort erworbenen Schulabschluß kann man theoretisch an den Universitäten studieren, was aber oft an den fehlenden Mitteln für Vorbereitungskurse bei Zulassungsbeschränkungen oder dem Umzug in eine der Großstädte scheitert.

Im Subcentro des Dorfes werden Notfallversorgung, Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Impfungen und Zahnmedizin angeboten. Soweit vorhanden werden benötigte Medikamente direkt vor Ort kostenlos ausgegeben. Für weitergehende Untersuchungen muss man nach Puyo oder Quito ins „Hospital“. Labortest, Röntgen u.ä. müssen allerdings bar bezahlt werden.

Für unseren dritten Taller sind viele Indigene aus unterschiedlichen Comunidades gekommen. Wieder sind fünf der sieben Nacionalidades der Provinz Pastaza vertreten. Auf der überdachten Veranda haben wir einen idyllischen Open-Air-Klassenraum und werden liebevoll bekocht.

Viele Indigene führen ein Leben in zwei sehr unterschiedlichen Welten – im Wald und in der Stadt. Durch die veränderten Lebensumstände sowie Folgen von Klimawandel und Umweltverschmutzung kommt es zu gesundheitlichen Problemen und Krankheiten, die schwer zu greifen sind. Weder die traditionelle Medizin der Indigenen noch die westliche Medizin scheinen hier alles abzudecken. Die „dirigentas de salud“ (Verantwortliche für Gesundheit) sind dankbar für neue Behandlungsmöglichkeiten durch die Homöopathie.

Die Teilnehmerinnen berichten von erfolgreichen Anwendungen der bereits gelernten Mittel. Diesmal unterrichten wir vier neue Mittel. Alle sind mit Feuereifer bei der Sache und versuchen, die Mittel theatralisch darzustellen und Anamnesen zu improvisieren. Einige „Patientengespräche“ werden in den Stammessprachen der Shiwiar oder Kichwa geführt. In der Lehrpraxis diskutieren wir alle gemeinsam, welches Mittel die Patientin benötigt. Zum Glück sind sich alle einig!

Beim Intercambio (Austausch) stellen die indigenen Gruppen den anderen Teilnehmern einheimische Pflanzen und ihre Anwendung vor: hoja de spiritu santu, ortiaga, planta de vitiligo, nashid, gingibre, uña de gato oder caraña. Es gibt immer wieder Ergänzungen oder Nachfragen aus anderen Nacionalidades. Die benötigten Blätter pflücken die Teilnehmer vor Ort im Garten. Unsere Gastgeberin wußte gar nicht, welcher Medizinschatz in ihrem Garten wächst – oder wie giftig die wunderschönen Blätter sein können.

Nicola Lehmkühler, März 2015

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