Taller de Intercambio

Fünf Nacionalidades tauschen sich über traditionelle Heilweisen aus und lernen homöopathische "Erste Hilfe"

Besuch einer Achuar-Gemeinde im Regenwald

Auf Einladung einer Achuar-Gemeinde im ecuadorianischen Regenwald fliegen wir im August 2014, vor unserem eigentlichen Projektbeginn in Puyo, in das kleine Regenwalddorf Wachirpas nahe der peruanischen Grenze.

Da eine unserer Projektteilnehmerinnen aus Wachirpas stammt und uns auch dort empfängt, bekommen wir einen tiefen Einblick in die Lebenswirklichkeit der dort lebenden Achuar. Ihre Herzlichkeit und ihre Gastfreundschaft stechen ebenso ins Auge wie der oft sehr schlechte Gesundheitszustand. Die einzige Krankenstation im Dorf verfügt über nichts weiter als einige Malariamedikamente, andere medizinische Versorgung  ist weit und breit nicht zu finden.

Die von der Regierung angekündigten „Subcentros“  (Einrichtungen, die die medizinische Versorgung für alle Einwohner Ecuadors gewährleisten sollen) sind in vielen Gebieten des Landes bisher pure Worthülsen. Besonders für indigene Frauen aus dem Wald  ist die Lage oft tragisch, sind sie doch bei Komplikationen rund um die Geburt gänzlich auf sich gestellt.  Die Transportwege in das nächste Krankenhaus mit dem Boot oder einem kleinem Flugzeug, was erst mühsam über Funk angefordert werden muss, sind mühsam und auch immer witterungsabhängig. Zudem erzählen uns die Menschen, dass sich ihre Immunitätslage  im Regenwald schon seit langem rapide verschlechtert hat.

Das Land Ecuador und die Welt  profitieren weiterhin von der systematischen Ausweidung des Amazonasgebietes mit seinen so begehrten Rohstoffen, es fließen jedoch kaum einige Dollar zurück zu den Menschen, denen man damit ihre Lebensgrundlage raubt.

Auch hier in Wachirpas versuchen sich die Einwohner mit ihren eigenen Heilpflanzen zu helfen. Allerdings sehen sie sich zunehmend konfrontiert mit unbekannten Krankheitsbildern, chronischen Verläufen und den Zivilisationskrankheiten, die von außen in den Wald getragen werden.

Die Einwohner sind sehr angetan von unserem gemeinsamen Projekt des Austausches über alternative Medizin, in dem sie ihr eigenes Wissen wiederbeleben und gleichzeitig solide Kenntnisse in der homöopathischen Ersten Hilfe erlangen. Dabei ist wieder verstärkt der Bereich der Geburtshilfe zur Sprache gekommen.

Wenn es bei uns Reisenden noch Restzweifel gab, ob Homöopathie im Regenwald Sinn macht, sind diese nach unserem Besuch zur Gänze verflogen. 

Erste Unterrichtseinheit in Puyo

Und so beginnen wir in Puyo, einer der zentralen Regenwaldstädte Ecuadors, einige Tage später unseren „Taller de Intercambio“, in dem uns indigene  Heilpflanzen vorgestellt werden, wir die Prinzipien der Homöopathie und die ersten homöopathischen Heilmittel unterrichten können.

Dabei versammeln sich überwiegend Frauen  aus fünf verschiedenen indigenen Nacionalidades, Achuar, Quechua, Huaorani, Zápara und Shiwiar, andere melden sich für den nächsten Unterricht an. Die Teilnehmerinnen tauschen sich ausgiebig aus über ihre jeweiligen Lebenswirklichkeiten, Erfahrungen mit Schlangenbissen, Geburten  und anderen Alltäglichkeiten, über ihre traditionellen  Heilpflanzen, ihre Heil-erfolge und -misserfoge. Für viele ist es das erste Mal, sich „zwischen den Kulturen“ zu verständigen.

Wir alle sind sehr berührt von der vertrauensvollen Atmosphäre, dem Respekt und der Ernsthaftigkeit, mit der wir einander begegnen.

Zum Ende unseres ersten Unterrichtes können wir guten Gewissens die ersten drei unterrichteten homöopathischen Arzneimittel austeilen, damit die Teilnehmerinnen sie in angezeigten Notfällen zu Hause und in ihren Comunidades in den entlegenen Regenwaldgebieten anwenden können.

Ich möchte auf diesem Wege den Freunden und Unterstützern danken, die uns diese Arbeit möglich machen, und den unzähligen offenen Türen in Ecuador, der unglaublichen Gastfreundschaft und dem Vertrauen, mit dem uns die Menschen begegnen.

Wir alle freuen uns auf die Fortführung unseres „Intercambios“ und  auf das nächste Treffen  und uns allen ist gemeinsam klar, dass hier sehr viel mehr stattfindet als ein Projekt über alternative Medizin. Es ist eher ein Stricken an einem Netz(werk), das uns bewusst macht, dass wir alle in ein und derselben Welt leben.

Marion Böhm, September 2014

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