Abschlußbericht Mai 2008

"Zuhause", das war mein erster Gedanke, als ich vor 16 Jahren Honduras das erste Mal betrat. Seither lässt mich dieses Land nicht mehr gehen, und ich komme immer wieder zurück. Zuerst als Krankenschwester in einem Kinderdorf "Nuestros pequenos hermanos" (unsere kleinen Brüder und Schwestern), dann als Reiseleiterin, und später mit "Homöopathen ohne Grenzen".

Auch in diesem Jahr war ich wieder dort. Diesmal folgte ich der Bitte von "unseren" Homöopathen in Honduras. Es war wie immer eine sehr schöne, aber auch traurige, anstrengende und erschreckende Reise. Bei allen Reisen ist nur eines gewiss: Jedes Jahr wird die Situation des Landes schlimmer.

Die Situation des Landes

Korruption, Gewalt, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Armut in allen Bereichen; die Situation spitzt sich schier unerträglich zu. Inzwischen sind 30.000 Kinder und Jugendliche in Honduras Mitglied in organisierten, bewaffneten Verbrecher Banden; so genannte "Maras"! Sie überfallen Dörfer, errichten Straßensperren, entführen Touristen, ermorden Politiker. Polizei und Militär stehen meist hilflos und oft auch tatenlos den Verbrechen gegenüber.

Nach Einbruch der Dunkelheit sind die Straßen leer gefegt. Zu gefährlich. Unsere Kurstage endeten täglich um 16 Uhr, um allen Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, bei Tageslicht nach hause zu kommen. Öffentliche Verkehrsmittel sind so unsicher geworden, dass niemand der Teilnehmer diese nutzte!

Während meines Aufenthaltes wurden an einem Wochenende in Tegucigalpa, die Hauptstadt 8 Menschen ermordet! Fast jeder Tag kann mit neuen Schreckensmeldungen aufwarten. Raub, Mord und Überfälle gehören zum Alltag. Keine Familie, die nicht schon Opfer geworden wäre. Meine lieb gewordenen Besuche in der Stadt, auf den Märkten und Überlandfahrten mit den Bussen waren dieses Jahr nicht möglich. Selbst Taxi fahren war in den Augen meiner Freunde zu gefährlich. Keinen Schritt habe ich in diesen zwei Wochen ohne Begleitung gemacht.

Zwei Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Über 30 % sind arbeitslos – obwohl auch die "Kaugummiverkäufer" in die Statistik als "Selbständige" positiv mit einbezogen wurde. Kriminalität ist oft der einige Ausweg. Fast täglich wird eine der vielen kleinen Bankfilialen in Tegucigalpa überfallen! Etwa ein Drittel der Menschen haben keinen Zugang zu medizinischen Betreuung. Dazu kommt, dass über 60 Prozent der gesamten HIV/AIDS-Fälle, die in der mittelamerikanischen Region bekannt sind, in Honduras registriert sind.

Auch die Natur scheint sich gegen das Land verschworen zu haben: Seit Oktober 2007 war kein Regen mehr gefallen. Das Land, die Büsche und Bäume war schwarz verbrannt. Und was mir erst wie Regenwolken erschien, waren riesige Rauchwolken. Am letzten Tag, meiner Abreise, kam dann endlich der ersehnte Regen. Und mit ihm 8 Hurrikan Meldungen!!! Der erste fegte schon wenige Tage nach unserer Abreise übers das Land.

Homöopathie

"Unsere Gruppe"

Erfreulich war es da, mit „unseren“ Homöopathen zusammen zu treffen. Alle sind noch dabei !!! Und alle arbeiten damit. Einige haben die Chance genutzt, sich in Mexico, Guatemala oder Spanien weiter zu bilden. Ein paar haben begonnen in kleinen Gruppen selbst zu unterrichten.
Jedes Jahr wird ein Kongress der Homöopathen Zentralamerikas ausgerichtet. Dabei wechseln die Orte, so dass jedes Jahr ein anderes Land einlädt. Dies geschieht in guter Zusammenarbeit, länderübergreifend.

Inzwischen gibt es keinen regelmäßigen Unterricht mehr. Immer wieder werden Lehrer aus verschiedenen Ländern eingeladen. Im Moment unterrichtet eine Ärztin (Mitglied bei Homöopathen ohne Grenzen/ Kanada) Notfallmedizin und Basismedizin mit homöopathischen Komplexmitteln. Was bei vielen „unserer“ Homöopathen auf keine große Gegenliebe stößt. Aber dafür neue Anhänger gefunden hat.

Aus den drei Gruppen, die von Manfred Braig unterrichtet wurden, haben sich verschiedene kleine Lerngruppen gebildet, die sich regelmäßig treffen.

Drei Homöopathen besuchen regelmäßig das Kinderdorf und haben ein Programm entwickelt, um in der Zukunft die Betreuer und Lehrer des Dorfes in den Grundzügen der Homöopathie zu unterrichten. Dadurch erhoffen sie sich eine effektivere Zusammenarbeit und bessere Erfolge.

Gründung einer Organisation

Leider gibt es auch nicht so tolles zu berichten. Wie auch hier in Deutschland gestaltet sich die Zusammenarbeit von "Laien" und Ärzten fast unmöglich.

Die von uns auf den Weg gebrachte Idee, "Homöopathen ohne Grenzen" auch in Honduras zu gründen schlug aus diesem Grund fehl. Auch eine Gründung einer "Associacion de Homeopathia" schlug aus diesem Grunde fehl. Die Gruppe der Ärzte wünscht sich eine eigene Organisation, in der Laien keinen Zugang haben sollen.
Kontakte zur Universität stehen, aber auch hier bildet das Hauptproblem die Zulassung als Homöopath, als Lehrer der Homöopathie.

Zukunftsmusik

Viele der Homöopathen konnten von schöne und beeindruckende Fälle vorstellen. Viele arbeiten inzwischen in eigenen Praxen und verdienen Geld damit! Inzwischen können sie über ein wirklich gutes und fundiertes Wissen verfügen. Die gemeinsamen Treffen bieten eine wunderbare Hilfe .

Und noch einmal möchten sie den Versuch unternehmen, eine gemeinsame Organisation "Homöopathen ohne Grenzen" zu gründen. Dabei erhoffen sie sich Unterstützung von uns.

Und was sie sich sonst noch wünschen? Das Manfred Braig jeden Monat zum unterrichten kommt!!!

Bericht von Gabriele Kirchmann, Heilpraktikerin, Projektleiterin Honduras

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