Reisebericht April 2011

Katrin, Margit und Janina mit Mama Nazo unterwegs
Graduation mit Katrin
Kiunga
Healsstation Kiunga
Homöopathische Arzneimittel der Homöopathieschule Kwale

Kenia wartet auf Regen und die drückende Hitze auf Lamu lässt hoffen, dass er bald fällt.
Für uns ist es ein Segen, dass die teilweise unbefestigte Straße über die wir von Mombasa in 9 Std Lamu erreichen noch nicht unter Wasser steht.

Margit, Katrin und ich reisen für HOG, Helmut begleitet uns für Solidarität eine Welt Schwabmünchen, die unseren Partner, die CBO Lamu Homeopathy, unterstützen, wenn es um die Anmietung von Räumlichkeiten als Büro und Behandlungsraum, Bibliothek etc. geht.
Kaum angekommen besucht uns Mama Nanzo, eine Hebamme, in unserer Pension, da sie gehört hat, dass Katrin als Hebamme mitgekommen ist. Sie führt uns vor die Tore der Stadt zu einer hoch schwangeren jungen Frau. Nach kurzer Untersuchung des Bauches entspinnt sich ein eindrucksvolles Fachgespräch zwischen den beiden Hebammen, in dem Sprache neben großer Gestik nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Mama Nanzo spricht Kisuaheli, Katrin spricht Englisch und sie verstehen sich ohne Worte.

Schon sind wir in das Leben eingetaucht und müssen uns doch erst an die Langsamkeit gewöhnen. Obwohl alle Schüler wissen, dass es diesmal eine Prüfung für das Zertifikat I der Grundausbildung gibt, kommen sie am ersten Unterrichtstag so schleppend oder gar nicht, dass dies mit unserem deutschen Blick nur schwer zu verstehen ist.
Pole, pole „langsam“ ist die Devise. Margit und ich erinnern uns und Katrin wird es am Ende der Reise auch erkannt haben.

Am 2. und 3. Unterrichtstag steigt die Spannung bei unseren Schülern. Sie schreiben und zeichnen die mindmaps von der Tafel ab, die Katrin kreiert, während Margit und ich wiederholen, was für die Prüfung gelernt sein will.

Prüfungstag, die Anspannung ist in der Stille zu spüren. Wir geben die schriftlichen Prüfungsfragen aus. In einer anschließenden mündlichen Prüfung in Zweiergruppen besprechen wir die gegebenen Antworten und stellen weitere Fragen. Alle 14 Schüler bestehen.
Motiviert von ihrem Erfolg wird spontan eine Mitgliederversammlung der CBO community based organisation Homeopathy Lamu einberufen, wichtige Personalposten werden neu gewählt. Von uns wird erbeten, am nächsten Tag eine Feier in größerem Rahmen mit geladenen Ehrengästen auszurichten. Wir legen ein Kostenlimit fest und fragen uns, wie bis morgen früh die Ehrengäste noch geladen werden können.
Wir ergeben uns dem Fluss und sind beeindruckt, dass die Ehrengäste tatsächlich am nächsten Tag mit uns am Tisch sitzen, während noch nebenbei die Tagesordnung geschrieben wird. Ein Schüler geht um sie auszudrucken und die Feier beginnt offiziell mit einem Gebet. Nach und nach werden die Ehrengäste aufgerufen, sprechen, loben und übergeben unseren Schülern die Zertifikate.

Ein großer Erfolg für „unsere“ kleine CBO Lamu Homeopathy.

Francis, einer unserer Schüler und health officer von Kiunga, stellt uns den Kontakt zu Mr. Amos von der African Medical & Research Foundation her. Mr Amos ist sehr interessiert an der Homöopathie und lädt uns ein, gemeinsam mit AMREF in deren Außenkliniken zu arbeiten. Ein Faden im Netzwerk.

Motivierend und erfreulich für uns ist auch das ungebrochen starke Interesse der Hebammen. Sie kommen zeitig und zahlreich zur Supervision, begleitet von neu Interessierten. Es besteht großes Bedürfnis an einem Austausch mit Katrin als Hebamme.
Wir entwickeln gemeinsam Pläne für die weitere Arbeit, da der Grundkurs nur noch von Aisha besucht werden kann. Sie ist die einzige Hebamme, die Englisch liest und schreibt, was die Voraussetzung für den Grundkurs II ist, da wir von nun an mit der englischen Materia Medica von Phatak und dem englischen Repertorium arbeiten werden.
Wir lassen unserer Übersetzerin Amina die deutsche Vorlage für den Beginn eines Symbolrepertoriums da. Dies wird eine sehr wichtige Arbeitsgrundlage für die Hebammen und es soll mit ihnen gemeinsam erarbeitet werden.

Immer noch wartet Kenia auf Regen.

Wir fahren 1 ½ Std mit dem Speedboat und 45 Min mit einem Rover des WWF sowie 2 bewaffneten Milizen nach Kiunga. Das Dorf liegt 17 Km von der somalischen Grenze entfernt. Es ist der Arbeitsplatz von Francis und wir möchten uns einen Eindruck verschaffen, ob die Homöopathie auch schon in diese abgelegene Gegend vorgedrungen ist.
Herzlich werden wir empfangen und bekocht. Schnell wird uns von einem homöopathischen Behandlungserfolg berichtet. Einer Frau mit starken Blutungen nach der Entbindung wurde mit Sepia geholfen, nachdem sie zuvor erfolglos zur Behandlung im Hospital in Mombasa war.
Am nächsten Tag machen wir mit Francis einen Rundgang und wundern uns wie viele Chiefs und Minister ein so kleines Hüttendorf vorzuweisen hat. Viele Hände werden geschüttelt, viele gute Wünsche und viele Hoffnungen ausgesprochen. Die Krankenstation der Region ist von relativ großen Gebäuden und sparsamster Ausstattung. Mitarbeiter gibt es 4, von denen aber nur einer anwesend ist. Hier werden Menschen behandelt und beraten und Frauen können mit ihren Hebammen zur Entbindung kommen, da es hier wenigstens Wasser gibt.
Draußen fährt ein Trinkwasserwagen des Militärs. Frauen und Kinder holen in leuchtend gelben Plastikkanistern Wasser.

Endlich, auf der Rückfahrt sehen wir vom speedboat aus schwarze Wolken, aus denen es auf das Festland regnet. Darüber ein Regenbogen.

Wir kommen sicher zurück auf Lamu an.

Den letzten Faden dieser Reise spinnen wir nach Kwale. Wir fahren dort hin um Möglichkeiten einer weiteren Kooperation zu entwickeln.

Marie-Louise Magré ist die niederländische Initiatorin und Direktorin der Homöopathieschule in Kwale. Sie hat inzwischen 16 Schülerinnen im Ganztagsunterricht über 3 Jahre zu einem Homöopathiezertifikat der faculty of homeopathy UK geführt. Dies ist ein hohes europäisches Ausbildungsniveau.
Mary die kenianische Hauptlehrerin unterrichtet heute Nux vomica. Sie versucht den Schülerinnen zu erklären was ein behandlungsbedürftiger workoholic ist und schaut zu uns herüber. Wir müssen gemeinsam herzhaft Lachen.

Auch Francis wollen wir tiefer einweben in das kenianische Netz der Homöopathie und er kommt am letzten Tag vor unserer Abreise, gerade noch rechtzeitig für gemeinsame Gespräche mit Marie und Mary.

Der Regen hat Kenia ergrünen lassen, fruchtbar sieht es aus und wir nehmen von der Wärme des Landes und der Menschen etwas mit, was uns gerne wiederkommen lässt.

Janina Huppertz

Ansprechpartnerinnen

Birgit Atzl
Janina Huppertz

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