Lamu, Kenia August 2013

Der Wind der uns durch die Haare streicht ist warm und hat irgendwie was tröstliches. Unser Boot gleitet seicht durch das Wasser, über uns der Sternenhimmel und ich bin schon fast versöhnt mit der anstrengenden Reise...

Hütten in Mokowe
Homoeopathie Schüler/Innen in Lamuu
Fat-Hiya
Ahmet Ali
Unterrichtssituation
Rehema
Unterricht in Mokowe

Mal wieder ist der klapprige Bus auf dem Weg von Mombasa nach Mokowe auf halber Strecke zusammengebrochen. Drei - gefühlte sechs - Stunden warten auf der staubigen Landstraße in der Hitze, nichts mehr zu trinken dabei und gegessen haben wir auch schon lang nicht mehr. Scheint wohl irgendwie dazu zu gehören, denke ich mir, denn letztes Jahr auf meiner ersten Reise nach Lamu war es ganz genauso.
Es scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, in Kenia oder eigentlich auf dem gesamten Afrikanischen Kontinent, abseits der sonnigen und gepflegten Touristenpfade zu reisen. Entweder geht dir das Herz auf und du kannst die Landschaft und die Begegnung mit den Menschen genießen oder aber du bist abgestoßen von Armut und Schmutz. Ich glaube diejenigen die für die Homöopathen ohne Grenzen unterwegs sind gehören zu der ersten Kategorie.
Ich fühle mich nicht als Teil des Projekts in Kenia, als Vorsitzende von HOG habe ich andere Aufgaben in der Organisation, die mir eine regelmäßige Teilnahme an Projektarbeit gar nicht erlauben.  Diesmal bin ich eingesprungen und wenn schon die ‚Präsidentin’ mit dabei ist, sollte ich doch gleich die Gelegenheit nutzen und vor Ort feierlich die Praxis und das Haus unseres Kooperationspartners eröffnen, sowie nützliche Kontakte zu sämtlichen Würdenträgern der Stadt ausbauen. Wie durch Zauberhand hatte die kleine Organisation unserer Kooperationspartner im letzten Jahr eine schöne Wohnung gefunden, zu einem wahrhaft erschwinglichen Preis, in der sich wunderbar unterrichten und auch praktizieren lässt. Hier geben wir zwei frischgebackenen Kenianischen jungen Homöopathinnen die Chance ihr Leben und eine Praxis aufzubauen. Neben der Behandlung der Patienten unterstützen sie uns beim unterrichten, aktuell bereiten sie die Schüler unseres Basis Kurses auf ihr Examen vor. Damit ist dann wieder ein kleiner Meilenstein in diesem Projekt erreicht.

„ Willst Du Gott zum lachen bringen dann erzähl ihm von Deinen Plänen“ hörte ich neulich und an diesen Witz muss ich denken, nach den ersten Tagen auf unserem Einsatz. Aus unserer geplanten Feier wird schon mal nichts denn alle Lizenzen die wir beantragt hatten waren bisher, entgegen aller Erwartungen, nicht eingetroffen. Die kenianische Bürokratie gleicht einem Dschungel, die Wege hindurch offenbaren sich nicht auf den ersten Blick. Es werden also Krisensitzungen abgehalten, es gibt Konflikte mit unseren Kooperationspartnern und hier zeigen sich die langen Jahre an Erfahrungen, die wir sammeln durften in der interkulturellen Zusammenarbeit. Wenn wir etwas erreichen möchten lohnt es sich durchaus ähnlich zu werden, ähnlich dem Temperament des Gastgeberlandes, ähnlich dem Stil in dem Konflikte dort gelöst werden. Wie schön dass sich die Idee der Homöopathie in vielen Lebenslagen so hilfreich anwenden lässt! Wenn wir nur bereit sind unsere eigene kulturell geprägte Verhaltensweise für eine Weile hintenan zu stellen und uns zu öffnen für andere Wege ist es wunderbar zu erleben wie sich die Dinge lösen können auf ungewohnte Art und Weise.

Ich lerne Francis Kiriga kennen, einer unserer besten Schüler, er ist Health Officer und arbeitet weitab von uns fast an der Grenze zu Somalia in einem schwer zugänglichen Gebiet. Er macht sich jedes Mal auf die lange und beschwerliche Reise um am Unterricht teilnehmen zu können wozu er von seiner Behörde extra freigestellt wird. Er ist ein ganz bescheidener Mann aber seine großen lebenslustigen Augen zeugen schon von seiner Neugier die er mitbringt. Er berichtet dass die Menschen inzwischen, wenn er denn was schulmedizinisches einsetzen muss, entgegnen: „nein, nein Herr Docktor, wir wollen nicht diese Medizin wir wollen Ihre  Medikamente!“.
Ahmet Ali erzählt wie es ihm neulich erging: gleich 3 Patienten wurden in seine kleine Medizinstation eingeliefert, alle mit Schlangenbissen. „Ich hatte große Panik, weil ich kein Gegengift mehr hatte, ich dachte mir sterben die Leute einfach dahin. In meiner Angst habe ich Francis angerufen der in aller Ruhe fragt ob ich schon Ledum gegeben hätte, eine andere Chance hätte ich nun eh nicht. Das hatte ich glatt vergessen in meiner Aufregung.“ Alle 3 haben gut überlebt Ledum sei Dank!

Im Unterricht erkläre ich den Begriff des Genius epidemicus, erzähle von Hahnemann, von seiner Erfahrung mit der Cholera und Cuprum. Wie nebenbei berichtet Rehema, eine der Hebammen in dem Kurs von einem ihrer Cuprum Fälle: ein Mädchen mit epileptischen Konvulsionen immer zu ihrer Regel, seitdem sie Cuprum gab ist das nicht mehr aufgetaucht. Rehema ist Analphabetin und eine unserer besten Schülerinnen der ersten Stunde, sie löst die Fälle ohne Repertorium einfach durch ihre Arzneimittelkenntnisse. Ich bin fasziniert und berührt von diesem umfangreichen Wissen.

Der nächste geplante Meilenstein wird eine Erste Hilfe Ausbildung sein für traditionelle Hebammen und lokale Gesundheitsarbeiter (Menschen mit einfacher medizinischer Grundausbildung die in den Dörfern und auf dem Lande die rudimentärste medizinische Versorgung durchführen). Zur Vorbereitung und Ankündigung besuchen wir zwei Dörfer, die jeweils eine halbe bis eine Bootstunde entfernt liegen. In beiden Dörfern werden wir jeweils von gut zwei Dutzend Menschen erwartet. Wie gebannt hängen sie an den Lippen von Francis und Ahmet Ali. Es ist soweit! Unsere Schüler sind inzwischen so gut und treten so dermaßen überzeugend auf, dass Christa und ich eigentlich kaum noch was zu sagen brauchen. In Mokowe warnt uns die Krankenschwester schon vor: es werden sicherlich noch 20 weitere Gesundheitsarbeiter dazu kommen die nur an diesem Tag nicht dabei sein konnten.
Was für ein schöner Abschnitt in diesem Projekt: wir werden diese Ausbildung mit den bisherigen Schülern gestalten, so dass sie weiter lernen und viele neue werden erreicht. Mit nur 20 Arzneien die wir vermitteln werden sie in der Lage sein fern ab von allem eine Vielzahl von Nöten lindern zu können.

Im Zug zurück von Frankfurt Flughafen gen Heimat lasse ich diese Reise vor meinem geistigen Auge Revue passieren.  Ich bin so dankbar für diese vielschichtigen  Erfahrungen trotz aller Anstrengungen die damit verbunden sind.
„welcome home in Lamu“ heißt ein Gruß den ich dort oft gehört habe. Ja so ist es auch: ich habe mich tatsächlich fast zuhause gefühlt, die ganze Zeit mit ganzem Herzen und allen Sinnen im jetzt und dort damit beschäftigt, einen kleinen Baustein zu dem Gelingen des Projektes beizutragen. Das allerschönste für mich ist dabei, über die Homöopathie echte Herzensverbindungen aufzubauen die zusehends die Welt umspannen.

Elisabeth von Wedel und Christa Ehrlich

Ansprechpartnerinnen

Birgit Atzl
Janina Huppertz

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