Einblick Kenia April 2019

Einblick Kenia April 2019

Veränderung bewirkt Stabilität. Im ersten Moment mag das wie ein Widerspruch klingen, doch wer unsere Kenia-Einblicke aus den letzten Jahren verfolgt hat, wird mir sicher recht geben können. Birgit Atzl und ich waren gerade für zwei Wochen in Kenia. Wieder besuchten wir Marie Magre in Kwale, um uns mit ihr und Richard Pitt über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten unserer Arbeit mit der Homöopathie auszutauschen. Wir sprechen über einen interafrikanischen Austausch. Sie haben schon viele englischsprechende kenianische HomöopathInnen ausgebildet. Aus der “4kenya school for homeopathy“ wird die “4kenya school for integrated medicine“, weil dadurch die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium einfacher wird. In der neu gegründeten „Kenyan Society of Homeopaths“ sind auch Hussein und Chari als voll ausgebildete Homöopathen Mitglieder. Das bedeutet: Sie sind beim Gesundheitsministerium als arbeitende Homöopathen eingetragen. Das gibt beiden eine rechtliche Sicherheit.

In Lamu werden wir freudig erwartet. Einiges hat sich zum Positiven verändert: Der alte Generator für die Stromversorgung wurde auf eine kleine, weiter entfernte Insel verschifft und Lamu selbst bekommt nun Strom durch Überlandleitungen. Auch Matandoni, der auf der anderen Seite Lamus liegende Ort, ist seit diesem Jahr mit Strom versorgt. Für die Menschen dort ist es eine große Erleichterung. Alle Frauen der Region sollen in Krankenhäusern oder Krankenstationen entbinden. Dafür gibt es in Matandoni eine neue Krankenstation mit einer Nurse, die ähnliche Aufgaben hat wie bei uns ein Landarzt. Sie steht im guten Kontakt zu den TBA („traditional birth assistant“) und weiß, dass diese homöopathisch behandeln. Wegen der guten Ergebnisse unterstützt sie die homöopathische Arbeit der TBA. Ihr Vertrauen geht soweit, dass sie, als sie eine Geburt nicht selbst betreuen konnte, Maryam mit der Entbindung beauftragt hat. Das hat uns die Bürgermeisterin von Matandoni erzählt. Maryam ist eine der analphabetischen Hebammen aus unserem ersten Kurs – und auch diejenige, die in Matandoni die anderen TBA supervidiert.

Chari hat in Lamu gerade den dritten Zyklus der vierwöchigen Supervision und Fortbildung aller First-Aid-Gruppen und der TBA beendet. Die ersten beiden Teile fanden im August und November 2018 statt. Es zeigt sich schon jetzt: Dieser Schritt ist ein Fortschritt. Alle ausgebildeten Gruppen – First aid in Lamu Mokowe Matandoni und Hindi sowie TBA in Lamu und Matandoni – arbeiten mit den homöopathischen Mitteln. Wir haben uns berichten lassen, was sie behandeln und welche Mittel sie verwenden. Wir haben kleine Hefte verteilt mit der Bitte, dass die Behandlungen stichwortartig dokumentiert werden. Als wir vorschlagen, dass auch per Handy bei Chari oder Hussein Unterstützung erfragt werden kann, sind wir erstaunt zu hören, dass dies schon die ganze Zeit so gehandhabt wird.

Auf absehbare Zeit wird es in Kenia nicht möglich sein, mit der Homöopathie alleine den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Die einzige Möglichkeit wäre eine ausreichende finanzielle Unterstützung, um den Lebensunterhalt der HomöopathInnen zu sichern. Seit Chari und ihre Kollegin nicht mehr in Lamu leben und in der „lamu homeopathic clinic“ arbeiten, wurde unser Haus nicht mehr entsprechend genutzt. Im Sinne der Nachhaltigkeit konzentrieren wir uns deshalb wieder auf unser Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe durch Homöopathie. Wir machen unmissverständlich deutlich, dass das Haus mit der „lamu homeopathic clinic“ noch während unserer Anwesenheit geschlossen und an den Eigentümer übergeben wird. Zunächst gab es keine Alternative. Wir vertrauten jedoch darauf, dass sich eine neue Türe öffnet. So ist es dann auch: Zwei Tage, bevor wir zurückfahren, bietet uns ein CBO-Mitglied einen schönen, großen Raum zu geringen Kosten. Hier bringen wir die Bücher und Arzneimittel, Tische und Stühle sowie ein Bett für die zukünftigen Reisen von Chari unter.

Möglicherweise war dies unsere letzte Reise nach Kenia. Wir sind stolz, dass die Homöopathie aus Lamu nicht mehr wegzudenken ist. Das haben wir nicht erwartet. Veränderung bewirkt!

 

Janina Huppertz

 

 

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Birgit Atzl
Janina Huppertz

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