Reisebericht Januar 2011

Kenia begrüßt uns mit 37 Grad im Schatten. Für meine Kollegin, Antje Behr, und mich als an die Winterkälte gewöhnte Europäer ist das erstmal ein Schock.

Zum Glück liegt unser Unterrichts- und Behandlungsraum hinter dicken Mauern und verfügt über zwei Ventilatoren. So gewöhnen wir uns schnell ein und beginnen mit unserem Unterricht zum Thema „Infekte der oberen Luftwege“ mit den verschiedenen Hustenarten. Das Thema wird begeistert angenommen, denn auch hier auf Lamu grassiert zurzeit ein grippaler Infekt.

Der zweite Schwerpunkt des Unterrichts ist die praktische Präparation eines homöopathischen Mittels. Das bedeutet drei Stunden Verreibung einer Substanz in einem Mörser nach den Regeln, die Hahnemann vor 200 Jahren festgelegt hat.
In unserem Kurs sind Schüler, die bereits im medizinischen Bereich arbeiten. Zum Beispiel die Hebammen, aber auch Kräuterkundige, die natürlich besonders interessiert an Pflanzen, Mineralien und tierischen Ausgangsstoffen sind. Mit der Verreibung können wir den Unterschied zwischen Pflanzenheilkunde und homöopathischer Heilweise demonstrieren und die Philosophie der Homöopathie vertiefen. Dieser vielleicht etwas trocken wirkende Prozess gestaltet sich überaus fröhlich und lernintensiv. Am Ende notiert sich ein Teilnehmer das Datum und verspricht, diese Verreibung als „Cultural Homeoopathic Day“ jährlich zu feiern! Als Ausgangsmaterial der Verreibung wählen wir etwas getrocknete Tinte eines hiesigen, eigens für uns gefangenen Tintenfisches. Die Reste des Tintenfisches werden natürlich nicht vergeudet, sondern köstlich zubereitet, von uns gegessen.

Am Nachmittag behandeln wir in der Lehrpraxis. Die Schüler übersetzen oder verfolgen aufmerksam die Fallaufnahme. Für sie ist es sehr motivierend sich anhand von Patienten an die Arzneimittel heranzuarbeiten. Am schönsten für alle sind erfolgreiche Follow Ups von den Kollegen, die im letzten Team hier behandelt haben, oder akute Fälle, die wir schon nach einigen Tagen wiedersehen.

So zum Beispiel ein achtjähriges Mädchen, das vor drei Jahren eine schlimme Otitis media hatte. Diese wurde zwar schulmedizinisch behandelt, aber seitdem litt sie unter Ausfluss aus den Ohren, der so übelriechend war, dass in der Schule niemand neben ihr sitzen wollte. Nach Mercurius dulcis C 30 trocknete der Ohrenfluss ein.
Aber nicht jeder Fall ist so schnell und zufriedenstellend zu lösen. Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen benötigen eine längerfristige Behandlung und intensivere Betreuung. Das macht es wichtig, dass unsere Schüler so schnell wie möglich in der Lage sind, die Behandlung der Patienten zu übernehmen. Zu Beginn könnte moderne Medientechnik eine Unterstützung sein: Fallaufnahmen, die in unserem Behandlungsprogramm gespeichert sind, auf das Schüler und Lehrer gleichzeitig Zugriff hätten. Über E-Mail oder sogar Skype könnten wir mit unseren KursteilnehmerInnen die weitere Behandlung diskutieren. Das ist zwar nicht sofort realisierbar, aber durchaus ein Plan für die nähere Zukunft.

Um unsere Arbeit zu überprüfen, interviewen wir abschließend unsere SchülerInnen. Eine Aufgabe, die uns viel Freude bereitet. Themen sind zum Beispiel die Organisation des Unterrichtes, seine Inhalte, Übersetzung, Unterrichtsmaterial, Anwendung des Gelernten und Zukunftsvisionen.

Es gab so viele Anregungen, aber eines hören wir regelmäßig: „Kommt wieder! Und bleibt länger, denn es gibt noch so viel zu tun!“

Martina Günther

Ansprechpartnerinnen

Birgit Atzl
Janina Huppertz

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Man muss aus seiner Tür heraustreten um zu lernen