Keniareise März 2015

Zertifizierung der Health Worker

Abschlußzertifikat für 1. Hilfe Ausbildung
Matthias Strelow und Charity Massig bestimmen ein kenianisches Heilkraut
Abschied aus Lamu nach 14 Tagen guter Zusammenarbeit

Fast 40 Grad empfangen uns als wir auf dem Airstrip aus dem kleinen Flieger steigen. Es ist zur Zeit nicht so einfach Lamu zu bereisen: Überlandfahrten mit dem Bus sind nicht sicher. Seit Monaten schon hat die Regierung Kenias eine Ausgangssperre über der Region verhängt. Immer wieder fallen die Kämpfer der islamischen Terrororganisation Al Shabab aus dem benachbarten Somalia in dem Distrikt Lamu ein und verbreiten Angst und Schrecken durch Selbstmordanschläge. Dörfer werden überfallen und die Männer gezwungen sich der Organisation anzuschließen wenn sie denn mit dem Leben davon kommen wollen.

In Kenia leben Christen und Moslems in Frieden und Freundschaft miteinander, dies scheint der islamischen Terrororganisation ein Dorn im Auge zu sein.

Francis, Constanze und Chari empfangen uns freudig an dem kleinen Flughafen Lamus. Seit dem letzten Besuch von Projektmitarbeitern aus Deutschland ist ein dreiviertel Jahr vergangen. Die beiden jungen Homöopathinnen Constanze und Chari betreuen das Haus für Homöopathie von HOG und CBO Lamu. Sie praktizieren Homöopathie, unterrichten und supervidieren die Hebammen oder die ehemaligen Studenten der Basisausbildung und sorgen somit für eine weitere Verbreitung der Homöopathie vor Ort. Francis, der Leiter unseres Kooperationspartners, der CBO sorgt für alles organisatorische und ist als medizinischer Mitarbeiter vor Ort unsere Schnittstelle zu allen öffentlichen Ämtern.

Wir haben in den kommenden Tagen interessante Aufgaben vor uns: rund 35 Menschen warten darauf ihre Abschlusszertifikate zu erhalten. Sie sind die ersten Absolventen unserer homöopathischen „Erste- Hilfe –Akut-Ausbildung“ die wir neuerdings in den Dörfern des Archipels anbieten. Um den Bewohnern dieser entfernten Orte wenigstens eine rudimentäre medizinische Versorgung gewähren zu können gibt es die Community Health Worker. Menschen die bereit sind mit einer minimalen medizinischen Ausbildung die Gemeindemitglieder ehrenamtlich mit Schmerz oder Fiebermitteln zu versorgen. Diese Barfußärzte oder Gesundheitsberater nehmen die Homöopathie als Ergänzung äußerst dankbar in ihr Repertoire auf. Über einen Zeitraum von 3 Monaten haben sie die 20 wichtigsten homöopathischen Arzneien gelernt die sie bei Verletzungen, Tierbissen oder auch akuten Erkrankungen einsetzen können. Diese Abschlusszeremonien sind ein äußerst feierlicher Anlass: Zertifikate und jeweils ein Satz an homöopathischen Arzneimitteln werden verliehen an diejenigen die den Abschlusstest bestanden haben. Die Absolventen berichten sehr gerne über ihre ersten Erfahrungen die sie mit der Homöopathie bereits machen konnten. Größte Anerkennung, das wird immer wieder betont, erfahren die Hebammen die bereits vor etlichen Jahren die homöopathische Ausbildung erhielten. Sie begeistern die Dorfbewohner für die Homöopathie durch ihr kompetentes Handeln mit dem sie nicht nur bei Schwangerschaft und Entbindung erfolgreich homöopathisch zur Seite stehen sondern auch das ein oder andere Leiden gut zu lindern wissen.

In den Dörfern die wir besuchen herrscht euphorische Stimmung; etliche melden sich und möchten ebenfalls eine Ausbildung erhalten, viele unserer frischgebackenen Erste Hilfe Studenten melden großes Interesse an weiterführendem Training an. Der Bürgermeister von Mokowe freut sich, denn er hat festgestellt dass aus jedem Dorf in seinem Bezirk mindestens ein Gesundheitsarbeiter den Kurs erfolgreich besucht hat. Er erhofft sich dass durch die homöopathische Erstversorgung die Gesundheitsversorgung in seinem Kreis verbessert werden kann.

Der Bürgermeister von Lamu Stadt hat ebenfalls geladen. Er bekundet seine Freude an dem Engagement das vom Homöopathie Haus in Lamu ausgeht und bietet seine unterstützende Hand wo immer sie gebraucht werden kann.

Unsere Tage vergehen rasch mit Supervision der Homöopathinnen die für HOG im Homöopathiehaus arbeiten und mit Strategiegesprächen mit unserem Team vor Ort, wozu neben den beiden Angestellten auch die Repräsentanten unseres Kooperationspartners gehören. Auch Hussein ist mit von der Partie, durch eine Patenschaft konnte HOG ihm die Möglichkeit geben am Kollege in Kwale Homöopathie und Integrierte Medizin zu studieren. Er hat zur Zeit Ferien und möchte uns helfen. Er weiß dass Lamu ihn braucht und er freut sich schon nach Abschluss seiner Ausbildung zurück zu kehren um hier zu arbeiten. Das kommende Jahr will geplant werden. Es haben sich etliche Hebammen gemeldet mit dem Wunsch eine homöopathische Ausbildung zu erhalten, darunter sind auch einige Enkelinnen unserer ehemaligen Schülerinnen: die Hebammenkunst wird mündlich über die Generationen weiter gegeben. Dazu tradieren die Großmütter inzwischen auch ihre homöopathischen Kenntnisse die die Enkelinnen gerne vertiefen möchten.

Wir planen Vorträge, mobile Homöopathiepraxen und auch weitere Erste Hilfe Ausbildungen, denn das Interesse ist groß. Was uns dabei am meisten bewegt ist der Umstand dass all diese Maßnahmen nun von den beiden Homöopathinnen und unseren ehemaligen Schülern ausgeführt werden können. Eine neue Phase in der Projektentwicklung hat also begonnen: es sind nicht mehr die Experten aus Deutschland die alles in die Hand nehmen sondern das Wissen kann vor Ort von lokalen Experten weiter gegeben werden. Self empowerment ist stets eines unserer großen Ziele und diesem sind wir inzwischen in Kenia einen deutlichen Schritt näher gekommen.

Sowohl durch die Hebammenausbildung als auch das Erste-Hilfe-Training verbreitet sich die Homöopathie zusehens auf Graswurzelebene: in den Dörfern wo sie am dringensten gebraucht wird.

Es ist eine große Freude zu sehen mit welcher Begeisterung die Menschen wie Francis den Stab nehmen und mit einem unglaublichen Engagement alles tun um der Projektidee zum Erfolg zu verhelfen.

Elisabeth von Wedel

Im März zurück gekehrt

aus Lamu Kenia

Ansprechpartnerinnen

Birgit Atzl
Janina Huppertz

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