Reisebericht September 2010

Im September 2010 machen wir, ein weiteres Team von Homöopathen ohne Grenzen uns auf den Weg nach Lamu/Kenia, um den Grundunterricht in Klassischer Homöopathie fortzusetzen und die schon lange bestehende Gruppe der Hebammen weiter fortzubilden.

Als wir nach der langen Busreise endlich auf Lamu eintreffen, sind die Straßen voll Leben, die Menschen feiern das Ende des Ramadan und genießen die Gemeinschaft.
Am übernächsten Tag können wir mit dem Unterricht beginnen: es ist der fünfte Teil der jeweils 5 tägigen Seminare, auf dem Lehrplan stehen Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Systems.
Nach der Begrüßung und viel Wiedersehensfreude lassen wir uns erst einmal von den Erfahrungen der Schüler seit dem letzten Unterrichtsblock berichten: alle Schüler können von erfolgreich behandelten Fällen erzählen.

Ein Schüler, Omar, konnte einem Nachbarn helfen, der nach dem Tod seiner Frau nicht mehr aus dem Haus ging, seine Arbeit vernachlässigte und mit niemandem mehr sprechen wollte. Nach einer Gabe Natrium muriaticum konnte er die Depression überwinden und kehrte langsam ins Leben zurück.
Beeindruckende Fälle werden auch von Behandlungen bei einer Durchfall-Epidemie geschildert, die große Teile der Insel heimsuchte. Vor allem Veratrum album, Carbo vegetabilis und China stellten Gesundheit und Schaffenskraft der Erkrankten so schnell und überzeugend wieder her, dass sich die gute Wirkung der homöopathischen Arzneimittel wie ein Lauffeuer weiter herumspricht.
Und uns bestätigen diese Berichte erneut darin, unser Unterrichtskonzept spezifisch auf die Gesundheitsprobleme vor Ort abzustimmen, um unsere KursteilnehmerInnen schnellst möglich in die Lage zu versetzen, zu helfen. Diesen Erfolg können unsere KursteilnehmerInnen nach gerade einmal 20 Unterrichtstagen für sich verbuchen!
An den fünf Vormittagen unterrichten wir die wichtigsten HNO - Mittel, wiederholen bereits bekannte Arzneimittel und vermitteln grundlegende Anatomiekenntnisse.
An den Nachmittagen treffen wir uns für die Lehrpraxis, mit unseren Schülern als Übersetzern. Viele alte und auch neue Patienten kommen, meist mit chronischen Krankheiten, für deren Behandlung es dort sonst an Geld und auch an Ärzten fehlt. Aus diesem Mangel heraus versorgen sich viele Kranke über lange Zeit einfach mit „Panadol“ (Paracetamol), sehr billig zu haben und der Schmerz ist erstmal weg. Über Risiken und Nebenwirkungen informiert dort allerdings kein Apotheker….! Viele chronische Magenleiden und lang unterdrückte Krankheiten sind die Folge.

In der nächsten Woche treffen wir die Hebammen um Kenntnisse zu vertiefen und behandelte Fälle zu besprechen. Fast alle erscheinen zum Unterricht. Eine ist verstorben, eine hat einen kranken Mann zu Hause, alle anderen können sich für die zwei Tage von ihrer Hebammen- oder auch Feldarbeit freimachen.
Mama Kanzo, eine alte Hebamme, muss schon im Morgengrauen von ihrem Feld aufbrechen und eineinhalb Stunden zum nächsten Dorf auf dem Festland laufen, wo sie sich einer anderen Hebamme anschließt und mit ihr zusammen das Boot nach Lamu nehmen kann. Auch andere sind schon seit dem ersten Hahnenschrei unterwegs, um einigermaßen pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. So sind alle froh über Wasser und ein paar Mandaazi, frittierte Teigteilchen, mit denen sie sich erstmal stärken können.
Auch hier viele schöne Erzählungen von gut gelaufenen Fällen, wie übermäßigem Schwangerschaftserbrechen, Schlangenbissen, Kindern, die zu schwach zum Trinken waren und vielen anderen. Wir sind stolz, von den Erfolgen unserer Schülerinnen zu hören, unsere gemeinsame Arbeit trägt gute Früchte!
Mit konzentriertem Lernen und gemeinsamem Erarbeiten von Symbolen als Merkhilfe des Gelernten gehen die beiden Tage wie im Flug vorbei. Für viel Gelächter sorgt erneut das Vorspielen von Fällen. Eine nicht nur immer wieder amüsante, sondern auch sehr prägnante und effektive Methode des Lernens von Arzneimitteln. Insbesondere für die Analphabetinnen unter den Hebammen, die bei der Arzneimittelfindung noch mehr auf ihr Gedächtnis angewiesen sind als wir.
Zum Schluss führt uns noch eine unserer Hebammen zu einer frisch entbundenen Mutter und ihrem Baby. Alles ist sehr gut gelaufen, beide sind wohlauf und die Mutter lobt die gute Arbeit der Hebamme, die ihr auch mit homöopathischen Arzneimitteln sehr geholfen hat. Der Wehmutstropfen an der Geschichte ist nur das Alter der jungen Mutter, gerade 15 Jahre und vom Kindsvater keine Spur!

Nach anstrengenden aber auch erfüllten zwei Wochen müssen wir die Rückreise antreten – mit dem Versprechen im Januar wiederzukommen und weiteres Wissen mitzubringen!

Birgit Atzl

Ansprechpartnerinnen

Birgit Atzl
Janina Huppertz

Unterstützen Sie uns!

Jede Spende hilft!

Spenden

Wer die Menschen liebt hat immer eine große Familie