Einblick Sarajevo September 2017

Wieder einmal vor Ort vom 13. bis 17. September 2017: Zum Auftakt meiner Zeit in Sarajevo gab es ein Treffen mit Seila, Nusret und Zoran von „AS-Aude Sapere“. Wir sprachen vor allem über die allgemeine Situation in Bosnien. Es herrscht eine große Stagnation im Lande. Aufgrund der politischen Aufteilung gibt es überhaupt keine Bewegung und das Land scheint sich damit abzufinden. Selbst jüngere Leuten begehren nicht auf.

Nur bei der Erfindung von Steuern gibt es immer wieder etwas Neues – und das macht Projekte riskanter: Steuern können nachträglich eingefordert werden, auch wenn es das betreffende Gesetz zu Projektbeginn noch gar nicht gegeben hat. Zum Beispiel ist eine Steuer für Ausbildungen geplant. Da wir jedoch keine staatlich anerkannte Ausbildung anbieten, sind wir wahrscheinlich nicht betroffen. Aber diese Situation verunsichert, da es keine finanziellen Reserven bei „AS-Aude Sapere“ gibt. Eine Alternative für die Schulorganisation wäre noch, einen Verein in Bosnien und Herzegowina (BiH) zu gründen und die Beiträge über Mitgliedschaften zu regeln.

Es fehlt wirklich an Struktur im Land, das spiegelt sich auch bei unseren Partnern wider. Ich habe ganz offen gefragt, ob wir unser Projekt besser beenden sollten, aber das wollen sie nicht. Nach dem Ausscheiden von HMSuisse sind alle der Meinung, dass es besser vorangeht. Also Neuorientierung: Was gebraucht wird, ist ein Manager. Wir würden die Position Schulsekretärin nennen, aber in BiH können nur Manager selbstständig arbeiten und auch mal eine E-Mail verschicken. Seila, die damals im Projekt alles gemanagt hat, möchte es nicht machen, sondern sich ganz auf das Unterrichten konzentrieren. Das finde ich auch sinnvoll, da sie eine sehr gute Lehrerin ist. Sie hatte damals die Erfahrung gemacht, dass viele zwar ihre Unterstützung angeboten hatten, aber letztendlich die Arbeit an ihr hängen blieb. Wir werden jetzt gemeinsam die Job-Beschreibung erarbeiten, um die Aufgaben des Managers klar zu definieren. Danach kümmern wir uns um die Finanzierung.

Fazit: Ich finde die Idee mit dem Manager sehr gut, um das Projekt voranzubringen.

Höhepunkt meiner Reise war wieder ein Homöopathietreffen mit allen Interessierten. Da die homöopathische Gesellschaft von BiH nur noch auf dem Papier existiert, fehlen viele Mailadressen von Homöopathen. Ich habe deutlich angemahnt, dass da mehr Energie bei der Organisation nötig ist. Das Treffen war dennoch sehr gut: 22 TeilnehmerInnen, gemischte Homöopathen-Generationen und interessierte SchülerInnen. „AS-Aude Sapere“ hatte einen sehr schönen Raum angemietet und Seila, Nada, Nusret und ich referierten Fälle zum Thema „Kinder“. Seila zum Beispiel berichtete über die erfolgreiche Behandlung von autistischen Kindern, ich über ADHS und Spinnenmittel und über Streptococcinum. Nada erzählte sehr schön über Kinder-Elternbehandlung. Es ergab sich eine sehr lebhafte Diskussion und viele haben sich anschließend sehr herzlich bedankt. Diese Nachmittage sind auf meine Initiative entstanden und zurzeit das einzige, was an Fortbildungen in BiH angeboten wird. Dieses war das dritte Treffen – und so kommt weiter Leben in das Projekt.

Das Besondere an dieser Reise war für mich persönlich, dass meine Frau zum ersten Mal mit nach Sarajevo gekommen war. Wir blieben noch einen weiteren Tag. Seilas Mann zeigte uns die Hügel rund um Sarajevo und erklärte uns das Kriegsgeschehen. Es ist nach wie vor einfach unfassbar, dass diese Belagerung so lange dauerte.

 

Almasto Burmeister

 

 

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1984 fanden die Olympischen Winterspiele in Sarajevo und den Gebirgen seiner Umgebung statt.

Seit 1992 ist Sarajevo die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Dessen Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien führte zum Bosnienkrieg, in welchem Sarajevo heftig umkämpft war.
Die Stadt Sarajevo hat 304.000 Einwohner, im Großraum Sarajevo leben ungefähr 500.000 Menschen. Damit ist Sarajevo das einwohnerreichste städtische Zentrum des Landes.


Während des Krieges in Bosnien war Sarajevo in einen von der Regierung Bosnien und Herzegowina kontrollierten bosniakisch-kroatischen und einen von der Republika Srpska kontrollierten serbischen Teil geteilt, die sich gegenseitig beschossen. Der von den Regierungstruppen kontrollierte Teil, zu dem unter anderem das Stadtzentrum und die Altstadt gehörten, wurde genau 1425 Tage lang belagert.


Die Belagerung begann am 5. April 1992 und ist die längste Belagerung in der Geschichte der Stadt. Der Stadtkern von Sarajevo war vollständig umzingelt. Der Belagerung und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen teilweise schwer verletzt.

Noch mehr Hintergründe zu dem Krieg in Bosnien finden Sie in unserer Buchdokumentation über das Projekt in Mostar.