Sommerschule in Dalmatien

Sommerschule 2006

Waltraud unterrichtet, Dina übersetzt
Eine Pause in der Sonne…
Unterricht in Dalmatien

Kurz vor Beendigung der 2 1/2 jährigen Ausbildung in Sarajevo gelang es, für die StudentInnen und TrainerInnen eine Sommerschule zu organisieren. Für viele ist eine solche Seminarreise eine große finanzielle Belastung, und lange war die Realisierung fraglich. Umso größer dann die Freude, als es mit einer großen Gruppe dann endlich losging, der Sonne entgegen.

Sommerschule bedeutet für uns, eine Woche kontinuierlichen Unterricht leben zu können in gemeinschaftlicher entspannter Atmosphäre.

Wir hatten ein preisgünstiges nettes Hotel in Mali Drvenik, direkt am Meer gefunden, wo wir uns mit 33 Menschen einfanden: 24 StudentInnen unserer Basicgruppe, 6 TrainerInnen und unsere Übersetzerin Lucija, sowie Rosemarie Kaiser und Elisabeth von Wedel von HOG.

Das Motto der Woche lautete: "nice animals" , also eine Reihe schöner Arzneimittelbilder tierischer Herkunft, einmal quer durch die Evolution. Mit der Auswahl der dargestellten Arzneimittel sollten bereits erlernte Inhalte noch einmal vertieft und zum Abschluss der Ausbildung durch die Darstellung seltenerer Arzneimittelbilder aus den jeweiligen Tierfamilien ergänzt werden.

Für die Hälfte unserer TrainerInnen in Ausbildung war die Reise besonders aufregend, stand für sie doch der erste Teil ihres Examens an. (Der Abschluss unseres "ToT" also Training of Trainers besteht aus der Präsentation eines Arzneimittelbildes, einem Wissenstest und einem erfolgreich geleiteten klinischen Training.)

So gab es dann jeden Tag eine Examens-Präsentation zu hören, eingebettet in Lektionen der HOG-Lehrerinnen. Die Abende nutzten wir, um Themen wie Projektion in der homöopathischen Praxis oder generell Praxisführung zu behandeln.

Schon während der Planung dieser Woche hatten wir viel Wert auf vielfältige Unterrichtsmethoden gelegt. So wurde immer wieder Gruppenarbeit eingebaut, in der sich die StudentInnen in unterschiedlicher Zusammensetzung verschiedenen Fragestellungen widmen mussten.

Der Vortrag über Naja naja wurde beispielsweise bereichert durch kleine szenische Einlagen der StudentInnen, die vier unterschiedliche Najapathologien witzig und überzeugend spielten.

Fallbeispiele aus der Praxis ergänzten die Arzneidarstellungen, lebendig vorgetragen und dadurch einprägsam, wie zum Beispiel die Fälle emsiger Geschäftsfrauen mit unerfülltem Kinderwunsch, denen Apis zumindest für mehr Ruhe im Leben, manchen auch zu einer glücklichen Mutterschaft verholfen hat.

Das Arzneibild von Formica rufa wurde in Kleingruppen mit Hilfe von Repertorium und Materia medica selbst erarbeitet. Die Spinnenmittel Tarantula, Mygale, Aranea und Theridion wurden von Elisabeth plastisch anhand von geheilten Fällen entwickelt.
Anschließend hatten die StudentInnen die Aufgabe, die wesentlichen Fakten der erlernten Mittel noch einmal in Kurzfassung unter Erstellung eines Flipcharts der gesamten Gruppe zu präsentieren.


Anhand ausgesuchter Pferdebilder, die an die Wand projiziert wurden, war die Gruppe in der Lage, die Essenz des Mittels Lac equinum zu erarbeiten, mit Hilfe von Falldarstellungen wurde das Fehlende noch ergänzt.

Die Stimmung in der Gruppe war insgesamt hervorragend! Es war deutlich zu spüren, wie es allen gelang, sich fernab von familiären und häuslichen Sorgen zunehmend zu entspannen und voll und ganz in die Homöopathie einzutauchen. Während der Pausen am Nachmittag wurde das Gehörte in Gesprächen am Strand oder auf Wanderungen noch einmal diskutiert und vertieft. Alle Examenspräsentationen waren wirklich erstklassig: Methodik- und Didaktiklektionen der letzten 2 1/2 Jahre wurden gut umgesetzt, und dennoch hatten alle ihren individuellen Unterrichtsstil, den sie selbstbewußt zeigten.

Der Höhepunkt unserer Abendveranstaltungen war eine inszenierte Fernsehshow mit dem Thema "Homöopathie - Hobby oder Beruf"? Eine "Expertenrunde" aus TrainerInnen und Rosemarie diskutierten in satirischer Art und Weise zu der Frage: darf ich für meine Behandlung Geld nehmen, werde ich in der Lage sein von diesem Beruf zu leben, und wie kann ich legal in Bosnien arbeiten? Moderiert von Elisabeth erlebten wir einen wirklich witzigen Abend, an dem alle in leichter Art und Weise viel über Helfersyndrom, Praxismanagement und die Gesetzeslage in Bosnien gelernt haben. Und es entspann sich anschließend eine lebhafte Diskussion über die Notwendigkeit von berufspolitischem Engagement!

Unsere Abschlussrunde am Freitagabend spiegelte dann auch deutlich die Zufriedenheit aller: Sätze wie: "Ich habe eine tolle Gruppe kennen gelernt", "Wir waren das erste Mal in der Lage, offen über Tabus zu sprechen", "Die Zeit zum Reden half, um die vielen Informationen leichter zu verdauen" und "Das wollen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder? stehen für sich und zeigen: es war eine gelungene Woche für uns alle.

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1984 fanden die Olympischen Winterspiele in Sarajevo und den Gebirgen seiner Umgebung statt.

Seit 1992 ist Sarajevo die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Dessen Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien führte zum Bosnienkrieg, in welchem Sarajevo heftig umkämpft war.
Die Stadt Sarajevo hat 304.000 Einwohner, im Großraum Sarajevo leben ungefähr 500.000 Menschen. Damit ist Sarajevo das einwohnerreichste städtische Zentrum des Landes.


Während des Krieges in Bosnien war Sarajevo in einen von der Regierung Bosnien und Herzegowina kontrollierten bosniakisch-kroatischen und einen von der Republika Srpska kontrollierten serbischen Teil geteilt, die sich gegenseitig beschossen. Der von den Regierungstruppen kontrollierte Teil, zu dem unter anderem das Stadtzentrum und die Altstadt gehörten, wurde genau 1425 Tage lang belagert.


Die Belagerung begann am 5. April 1992 und ist die längste Belagerung in der Geschichte der Stadt. Der Stadtkern von Sarajevo war vollständig umzingelt. Der Belagerung und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen teilweise schwer verletzt.

Noch mehr Hintergründe zu dem Krieg in Bosnien finden Sie in unserer Buchdokumentation über das Projekt in Mostar.