Homöopathische Arzneimittelverreibung

"Good, better, best"

Sierra Leone 

"Good, better, best" Dieses Lied der deutsch-westafrikanischen Sängerin Y’akoto war das Motto aller Beteiligten bei unserer 5. Ausbildungsreise nach Sierra Leone im Februar 2013.

Wir, Barbara Böttcher und Ruth Rohde, sind am 10. Feb. noch vor der Morgendämmerung in Freetown gelandet und wurden nach der Überfahrt von unserem zuverlässigem Kooperationspartner abgeholt, dem Verein Sierra Leone Baden Württemberg/ EAFA, vertreten durch Mr. Yembeh Mansaray und Mohamed, dem umsichtigen Fahrer.

Nach kurzem Zwischenstopp in Freetown und Begrüßung von Mr. Debali Konteh (Vorsitzender der EAFA) sind wir direkt nach Makeni durchgestartet, um am folgenden Montag mit dem Unterricht zu beginnen.

Endlich sind wir wieder dort, nach knapp einem Jahr Unterrichtspause, bedingt durch die lange Regenzeit und die  Präsidentenwahl im November 2012, wegen der eine Reise durch eine Reisewarnung nicht möglich war.

Dank zeitnaher Revision einer mittlerweile entstandenen Arbeitsgruppe war trotz unserer einjährigen Abwesenheit die Theorie der Homöopathie sehr präsent und wir konnten unseren Focus auf die praktische Umsetzung des theoretischen Wissens richten – mit Arzneimittelpräsentationen der Schüler, Live-Anamnesen, gemeinsamen Fallbesprechungen und Verlaufsbeurteilungen nach Arzneigabe.

Mit viel Spaß und voller Konzentration führen unsere Schüler ihre erste homöopathische Arzneimittelverreibung durch, mit frischen Blüten und  Blättern des Moringabaumes, der im Land bereits teilweise als phytotherapeutisches Heilmittel genutzt wird. Die dazu benötigten Werkzeuge, Mörser, Pistill und Schabelöffel, wurden uns vor der Abreise freundlicherweise von einer Apothekerin zur Verfügung gestellt – auf diesem Wege nochmal ein herzlicher Dank! Die Verreibung hat allen Beteiligten große Freude bereitet.

Anamneseübungen begleiten uns durch die 12 Unterrichtstage, zum Teil werden auch selbständig Anamnesen unter unserer Supervison durchgeführt. Wir sind begeistert mit welchem Ernst und welcher Gründlichkeit die Anamnesen geführt werden, unsere SchülerInnen sind einen großen Schritt weiter gekommen!

Jede/r Lernende muss außerdem innerhalb dieses Kurses ein homöopathisches Arzneimittel nach vorgegebenen Richtlinien selbstständig nachbereiten und als Referat präsentieren, was mit großem Eifer und Stolz passiert.

Wir stellen verschiedene Lernmethoden (z. B. mit Karteikarten) vor, mit deren Hilfe sich die Arzneimittel leichter lernen lassen. Mit den Karteikarten werden dann jeden Morgen die wichtigsten Symptome einiger Mittel wiederholt; und auch das Repertorisieren will immer wieder geübt werden.

Nachmittags in der Lehrpraxis im Dorf Worreh Yeama haben unsere Schüler bewiesen, dass sie  sehr gut dazu in der Lage sind, selbstständig  Anamnesen durchzuführen. Auch die Verlaufsbeurteilung konnte in einigen Fällen bereits selbstständig und fehlerlos von unseren angehenden Homöopath/innen gemacht werden – was uns sehr beeindruckt und große Freude bereitet hat.

Über die Motivation, die klassische Homöopathie zu erlernen, haben wir so nebenbei auch etwas erfahren:

„Ich liebe die Homöopathie!“ ruft plötzlich unsere Schülerin Sabaina – „Dank Homöopathie habe ich meinen Usman!“.

Usman ist ein aufgeweckter 1 1/2jähriger Junge und hat uns in den letzten 2 Wochen ein paar mal im Unterricht auf Trab gehalten, als er versuchte, in unserem Unterrichtsraum, einem Praxisraum für die Krankenpflegeausbildungen, das Regal auszuräumen und das Gebäude zu inspizieren.

Die 3monatige Francess dagegen, Tochter einer anderen Schülerin, hat meist den Unterricht verschlafen und uns durch ihren Anblick entzückt.

Unser großer Wunsch ist es, einen professionellen Apotheker/ Pharmazeuten aus Sierra Leone mit „in unser Boot“ zu holen, damit eine nachhaltige Versorgung mit homöopathischen Arzneimitteln im Land gewährleistet ist. Unsere „HomöopathInnen in spe“ sollten nach bestandenem „final examen“ (geplant Feb./ März 2014) mit ihrer Profession beginnen können – klassisch homöopathischer Behandlung von Akutfällen incl. Verlaufsbeurteilung und mgl. Folgemittelgabe.

Der Fortschritt ist überall im Land bemerkbar, nicht nur bei den angehenden HomöopathInnen, sondern auch in Makeni, wo mittlerweile endlich die Stromversorgung angekommen ist und deutlich mehr gebaut wird, und sogar in dem ländlichen Dorf Worreh Yeama.

Unsere SchülerInnen unternehmen sehr große Anstrengungen, um überhaupt am Kurs teilnehmen zu können, reisen zum Teil  von Ferne an, nehmen Urlaub für die Zeit, müssen danach doppelte Arbeit leisten, arbeiten Nachtschichten, um den Kurs nicht zu verpassen etc. Was dieser Einsatz jeweils für die Einzelnen bedeutet, ist mit europäischen Maßstäben nicht zu ermessen.

Wir danken allen Beteiligten für das gute Gelingen unserer Reise – insbesondere unserem Kooperationspartner, dem Verein Sierra Leone Baden-Württemberg, unseren Schülerinnen und Schülern in Sierra Leone, dem Dorf Worreh Yeama für die gut organisierte Lehrpraxis, unserer HOG-Projektgruppe, die uns in Deutschland tatkräftig unterstützt hat und last but not least unseren freundlichen SpenderInnen, die dieses wundervolle Resultat mit ermöglicht haben!

03.03.2013 Barbara Böttcher und Ruth Rohde

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