Reisebericht November 2010


Zum zweiten Mal sind wir auf dem Weg nach Sierra Leone, 8 Monate sind seit unserem ersten Besuch vergangen. Während unserer ersten Reise im Februar behandelten wir eine große Anzahl Patienten, um die Homöopathie überhaupt erst bekannt zu machen, das eigentliche Ziel unseres Projekts ist aber die Ausbildung in klassischer Homöopathie.

Die Anfrage zu diesem Projekt kam vom Verein Sierra Leone Baden-Württemberg. Herr Konteh, aus Sierra Leone stammend und Vorsitzender des Vereins, lebt mittlerweile wieder einen guten Teil des Jahres in Sierra Leone, um sein Land nach dem entsetzlichen Bürgerkrieg beim Wiederaufbau zu unterstützen. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Herr Mansaray kümmert er sich in Sierra Leone engagiert um die Planung des homöopathischen Ausbildungsprojekts. Die unermüdliche Lobbyarbeit und die guten Kontakte der beiden bis hinein ins Gesundheitsministerium tragen jetzt Früchte.

Der Gesundheitsminister hat Erkundigungen über unsere Arbeit eingezogen und nur das Beste erfahren! So hat er beschlossen, Krankenschwestern in Klassischer Homöopathie ausbilden zu lassen. Gleich am Tag nach unserer Ankunft haben wir einen Termin im Ministerium um Einzelheiten zu klären. Der Vertreter des Gesundheitsministers, Dr. Kuani, begrüßt uns hocherfreut und bedauert, dass der Minister uns nicht persönlich empfangen kann, weil er sich gerade im Ausland aufhält. 

50 Krankenschwestern sind in der Provinzstadt Makeni für die Ausbildung von der Arbeit freigestellt und Feuer und Flamme die Ausbildung zu beginnen. Ein Unterrichtsraum in der Krankenpflege-Schule von Makeni ist organisiert und wartet auf uns. Uns bleibt nur noch schweren Herzens darum zu bitten, die Kursgröße auf 25 Teilnehmerinnen zu reduzieren. Mit 50 Schülerinnen wäre für uns ein sinnvoller praktischer Unterricht nicht mehr möglich. Und wir möchten zum Projektende unsere Teilnehmerinnen ja nicht nur vollgestopft mit Bücherwissen zurücklassen, sondern auch mit größtmöglichster praktischer Erfahrung. Immerhin sind sie es, die nach Beendigung des Ausbildungsprojekts ihr Wissen und ihre Erfahrung an andere weitergeben werden.

Dr. Kuani lässt es sich nicht nehmen, uns sein Interesse und seine Wertschätzung zu demonstrieren und am ersten Unterrichtstag teilzunehmen. So sitzt er also am ersten Morgen zwischen 25 allgemeinmedizinisch gut ausgebildeten Krankenschwestern und beteiligt sich wie alle anderen rege am Unterricht.

Auch der Wissensdurst der Krankenschwestern erscheint uns unerschöpflich. Morgens halten sie den theoretischen Unterricht mit ihren Fragen lebendig. Nachmittags sitzen jeweils einige von ihnen voller Interesse in der Lehrpraxis bei.

In der Lehrpraxis sehen wir viele der Patienten vom Februar wieder. Sie sind mit dem Behandlungsergebnis zufrieden und freuen sich, dass wir wieder da sind. Dass wir Schüler ausbilden, damit diese später in ihre Dörfer kommen, um die homöopathische Behandlung selbstständig weiter zu führen, begeistert sie.

Zum Abschluss des Unterrichts verabschiedet der Vorgesetzte der Krankenschwestern, Herr Sunah, die Gruppe mit einer kleinen Rede. Er betont, welch besondere Gunst des Gesundheitsministers es wäre, dass sie diese Chance bekommen hätten. Er erwartet, dass sie sich dieser Gunst durch besonderen Fleiß würdig erweisen. Nicht nur die Krankenschwestern, auch wir sind uns der Ehre bewusst, 25 Krankenschwestern die Teilnahme an unserer Ausbildung zu finanzieren.

Die Suche des Gesundheitsministeriums nach bezahlbaren und effektiven Alternativen in der Gesundheitsversorgung, lässt uns unsere Arbeit in ein Gesamtkonzept eingebettet sehen. Ein sicheres und ruhiges Gefühl zur Zukunft unseres Projekts macht sich breit.

Zum Schluss überschlagen sich noch einmal die Ereignisse. Ein Hörfunkjournalist der ARD interviewt uns. Kein Problem für uns – mit den Erlebnissen der vergangenen 2 Wochen könnten wir vermutlich eine ganze Sendung alleine bestreiten.

Den letzten Anruf bekommen wir vom Bürgermeister von Makeni, der nach einem Gespräch mit dem Distrikt-Gouverneur eine homöopathische Abteilung im Krankenhaus von Makeni einrichten möchte. Er möchte wissen, ob wir da eine Möglichkeit sehen würden und ob wir zu einem Termin im Februar 2011 bereit wären. Welche Frage! Natürlich werden wir im kommenden Februar da sein! Um unsere hochmotivierten Krankenschwestern zu unterrichten, Patienten zu behandeln und um die genaueren Vorstellungen über den Traum von einer homöopathischen Krankenstation abzustimmen.

Während wir nach all diesen Höhenflügen glücklich, aber geschafft im Flugzeug sitzen, denken wir mit Dankbarkeit an unseren Partner Sierra Leone Verein Baden - Württemberg und besonders Herrn Konteh und Herrn Mansaray, ohne deren Engagement all dies nicht möglich gewesen wäre.

Mit der rasanten Entwicklung unseres Projekts kommen neue Möglichkeiten, aber auch Anforderungen auf uns zu. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung dieser phantastischen Möglichkeit.

Kristina Lotz

Renate Blum





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