Reisebericht November 2011

Bericht über unsere Sierra Leone Reise im November 11

Wir sitzen hier mit einem weinenden und einem lachendem Auge am Flughafen in Lungi, Freetown und warten auf unsere Boarding time. Dieser Aufenthalt in Sierra Leone war sehr erfolgreich. Unser Kooperationspartner, die EAFA (Verein Sierra Leone Baden-Württemberg), vertreten durch Mr. Yembeh Mansaray und wir, Annelie Bolda und Ruth Rohde von HOG sind hochzufrieden mit der weiteren Entwicklung unseres Projektes. Es haben sich  Ansätze von neuen  Möglichkeiten ergeben, die Ausbildung in klassischer Homöopathie in Sierra Leone „einzupflanzen“.  Zu Beginn der zweiten Unterrichtswoche erschien ein Arzt aus Makeni, der zudem zum Vorstand des Verbandes der traditionellen Heiler gehört und für die Ausbildung der ansässigen Krankenschwestern und Pfleger zuständig ist. Dr. Wilson ist von der klassischen Homöopathie sehr begeistert und äußerte die Bereitschaft, uns nach Möglichkeit zu unterstützen.

Abgeholt wurden wir mit „unserem neuen Dienstauto“, einem ausgedienten Feuerwehrwagen der EAFA, der glücklicherweise viel Raum für das ganze Gepäck, Wasser etc. bot. 

Ankunft in Makeni: Freitag, 28.10., Bezug unseres Hotelzimmers, leider kleiner und beengter als das Zimmer im April – dafür haben sich die Hotelpreise (in Freetown zumindest) verdreifacht, und werden zum Januar 2012 nochmals ansteigen – wie hoch, konnte uns keiner sagen…Es besteht eine starke Nachfrage von Seiten ausländischer Unternehmen, die in Sierra Leone vertreten sind und dementsprechend Unterkünfte benötigen.

Am Samstag, 29.10. hat uns Mr. Mansaray  zur Hochzeit seiner Kusine mitgenommen, wir durften dem ca. 3 stündigen Ritual in der Kirche und der anschließenden Feier mit geschätzten 400 Personen beiwohnen.  Die große Präsenz von Familie und Freunden, die straff organisierte Feier und vor allem das sehr lebendige und swingende Kirchenfest haben uns sehr beeindruckt.

Sonntag, 30.10. hatten wir bereits eine Behandlung, „zum Warmwerden“ und nachmittags war ein Vortreffen mit den Studenten geplant, um einige Regeln zum Gelingen des Unterrichts zu besprechen (Pünktlichkeit, "mobiles off", Teilnahme an der Lehrpraxis, Hausaufgaben/ Unterrichtsvorbereitung seitens der Studenten). Es erschienen auch tatsächlich über die Hälfte der Studenten, wobei eine Studentin ihren 6 Monate alten Sohn Samuel mitbrachte, der kurz nach unserem Aufenthalt im April geboren wurde –  als Namensvetter von Samuel Hahnemann stand er dann im Mittelpunkt.(Foto) Die Studenten berichteten von ihren überwiegend erfolgreichen und positiven Behandlungserfahrungen, die sie in der Zwischenzeit mit den 6 Arzneimitteln, die wir im April verteilt hatten, bei Familienangehörigen und Freunden gemacht haben.

Zum Unterrichtsbeginn wurden die Grundlagen der klassischen Homöopathie wiederholt, erfreulicherweise konnten alle Schüler etwas dazu beitragen. Unser Lehrplan für die insgesamt 10 Unterrichtstage war recht straff und gut gefüllt, wir hatten das Kent-Repertorium im Gepäck und haben am 3. Tag mit der Einführung in das selbige begonnen. Für die Studenten war dies ein völlig neues „Handwerkszeug“, der Umgang damit will wohl geübt werden.

Am 2. Unterrichtstag kam ein neuer Patient in den Unterricht, bei der „life-anamnese“ und der anschließenden Besprechung stellten wir fest, dass wir das Thema der „chronischen Behandlung“ langsam aber sicher in den Unterricht miteinbeziehen müssen, wie sich auch in der Lehrpraxis herausstellte.

Die Lehrpraxis fand wieder am Nachmittag im Dorf Worreh Yeamah statt, wo wir an bewährte Organisationsstrukturen anknüpfen konnten – es waren überwiegend 2-3 Studenten pro Behandlerin zum Hospitieren anwesend, die erneut die Durchführung einer homöopathischen Behandlung beobachten konnten. Dieses Mal konnten die Schüler mehr miteinbezogen werden, z. B. durch praktische Übungen zum Repertorisieren.

Wir sahen einige Patienten vom April wieder und konnten so den Verlauf der homöopathischen Behandlung dokumentieren. Teilweise durften wir erhebliche Besserungen erleben, z. B. bei dem Fall einer 28jährigen Frau, die im April trotz Medikamenten tägliche Epilepsieanfälle bekam. Unter Fortsetzung der schulmedizinischen Medikation und mit der einmaligen Gabe eines homöopathischen Mittels hatte sie seitdem keinen Anfall mehr, konnte das Haus verlassen und sich eine Anstellung suchen. Einige weitere, schier „unglaubliche“ Wirkungen der homöopathischen Mittel konnten wir beobachten, auch die Wirkungsdauer war in einigen Fällen sehr nachhaltig.

Es gab auch traurige Begebenheiten – eine der Studentinnen hatte kurz vor unserer Ankunft eine Totgeburt, bei einer anderen Studentin war der Sohn plötzlich gestorben. Derartige Schicksalsschläge sind in Sierra Leone deutlich präsenter als in Europa/ Deutschland – es ist bewundernswert, welche Kraft und welchen Lebensmut die Menschen dort ausstrahlen.

Durch die schwierigeren Lebensumstände in Sierra Leone war die tägliche kontinuierliche Teilnahme der Studenten am Unterricht ebenfalls nicht so einfach – dass viele von ihnen trotz des Feiertags am Mo., den 07.11.11 zum Unterricht gekommen sind,  haben wir als Zeichen der Wertschätzung für die Homöopathieausbildung betrachtet.

Bis zur nächsten Unterrichtsperiode im Feb./ März 2012 haben wir 6 Seiten mit Hausaufgaben dagelassen, die die Studenten alleine oder in Arbeitsgruppen bearbeiten wollen – wir sind gespannt…

Kurz vor Abschluss der Unterrichtsperiode haben wir wieder einen Test schreiben lassen. Dieser war eine ziemliche Herausforderung für die SchülerInnen; trotzdem wurden alle Aufgaben zu über 50 % richtig beantwortet, teilweise sogar sehr gut – ein erfolgreicher Unterrichtsabschluss, mit dem alle zufrieden waren.

Einen Tag vor der Abreise hatten wir die Gelegenheit, einen der schönen Strände von Sierra Leone kennenzulernen, von dort konnten wir die Sonne im Meer versinken sehen – dieser Anblick entschädigte für so manche Strapaze.

Wir möchten uns herzlich bedanken für die erneut hervorragende Organisation und Unterstützung durch unseren Kooperationspartner, des Vereins Sierra Leone Baden-Württemberg/ der EAFA, insbesondere Mr. Konteh, der die Wege gebahnt hat, Mr. Mansaray, der unermüdlich dafür gesorgt hat, dass unser Aufenthalt in Sierra Leone mit Erfolg belohnt wurde, und ebenfalls bei Mr. John, der uns mit Bravour und Sicherheit über die schwierigsten Wege gefahren hat.

Dieser lehrreiche Aufenthalt (für die Studenten und uns) bringt ein Entwicklungspotenzial mit sich, wovon alle Beteiligten profitieren können – wir freuen uns schon auf die nächste Reise nach Sierra Leone!

Annelie Bolda

Ruth Rohde

Ansprechpartnerin

Barbara Boettcher
Elke Schulte Güstenberg

Unterstützen Sie uns!

Jede Spende hilft!

Spenden