Reisebericht

Eröffnung des Erste- Hilfe- Zyklus

Die Laienausbildung beginnt

Nach fast eineinhalb Jahren sind wir wieder in Sri Lanka um die letzten Vorbereitungen für die Laienausbildung zu treffen und dem Unterrichtsstart beizuwohnen. Es herrscht Monsun, alles andere als Reisesaison. Wir sind die Einzigen im Guesthouse und die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass wir jedes Mal, wenn wir einen Außenlichtschalter betätigen einen leichten elektrischen Schlag bekommen.

Behandlung

Die Tage vor Unterrichtsbeginn sind ausgefüllt mit verschiedenen Treffen. Vor allem aber nutzen wir die Tage zur Hospitation in Dr. De Zoysas homöopathischer Praxis im Peraliya Community Health Center. Die Atmosphäre zwischen Arzt und Patienten ist sehr respektvoll und die Patienten wissen es zu schätzen, dass sie individuell behandelt werden und nicht nur das übliche Schmerzmittel oder Antibiotikum verordnet bekommen. Für eine Konsultation inklusive homöopathischem Arzneimittel müssen sie 90 Rs bezahlen, was ca. 50 Cent entspricht. Der Preis bei anderen Ärzten liegt bei ca. 500 Rs, zuzüglich Kosten für Arzneimittel. Ermöglicht wird diese Praxis in Peraliya durch die finanzielle Unterstützung verschiedener Hilfsorganisationen, darunter auch HOG.

Homöopathische Akutversorgung auf dem Land

Das Seminar findet in einer Schule im Hinterland von Galle im District Hikkaduwa statt – eine relativ unzugängliche Region mit schlechter Verkehrsanbindung. Unser Weg führt durch strömenden Regen und über holprige Straßen. Mehrmals setzt Dr. De Zoysas Wagen auf. Nicht gerade vertrauenerweckende Brücken treiben wiederholt unseren Puls in die Höhe.

 

 

Die medizinische Basisversorgung auf dem Land reicht nicht aus

Die Direktorin der gastgebenden Schule begrüßt die Vertreter von Sewalanka, von HOG Deutschland und die Teilnehmer zum ersten Lehrgang "Erste Hilfe mit Homöopathie"

Die 25 TeilnehmerInnen sind hauptsächlich LehrerInnen der Schule. Die Direktorin wird während des Unterrichts 100 Kinder alleine beaufsichtigen, um ihren Kolleginnen die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. Außerdem nehmen am Unterricht Frauen aus „Mother Groups“ und 4 Public Health Inspectors (Mitarbeiter des Gesundheitsamts) teil. „Mother Groups“ nehmen im Dorfleben Sri Lankas eine zentrale Stellung ein. Sie kümmern sich um soziale, gesundheitliche und bildungspolitische Belange des Dorfes. Bezüglich des Gesundheitsbereichs sind sie zuständig für die medizinische Basisversorgung des Dorfes, vergleichbar mit den afrikanischen „Health Workers“. Damit sind sämtliche KursteilnehmerInnen als Multiplikatoren einer Gegend anzusehen, in der die medizinische Basisversorgung nach wie vor unzureichend ist.

Angesichts des Monsuns unterrichtet Dr. de Zoysa heute die Fiebermittel Belladonna, Arsenicum album und Ferrum phosphoricum. Erneut sind wir überrascht, wie dieser sonst so stille und zurückhaltende Mensch beim Homöopathie-Unterricht aus sich herausgeht. Vor allem sind wir aber beeindruckt vom Interesse der KursteilnehmerInnen. In Sri Lanka ist Hausarbeit traditionell Frauensache. Eine frisch zubereitete warme Mahlzeit schon zum Frühstück ist der Standard. Die meisten der hier anwesenden Frauen sind wie jeden Tag um 4.00 Uhr morgens aufgestanden und haben vor der Arbeit in der Schule bereits den Haushalt und die Familie versorgt. Da sich unser Unterricht nahtlos an den Schulunterricht anschließt, haben sie heute noch keine längere Pause gehabt. Die Müdigkeit steht vielen von ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Trotzdem sind sie voll bei der Sache. Dr. De Zoysa wird oft durch Fragen unterbrochen und als er nach der Hälfte der Unterrichtszeit eine Pause vorschlägt, lehnt der Kurs dies geschlossen ab. Sie wollen lieber mit dem Unterricht weitermachen.

Die Teilnehmerinnen betonen, wie wichtig dieser Unterricht ist

Nach Unterrichtsende finden Dr. De Zoysa und wir uns umringt von KursteilnehmerInnen, die uns versichern, wie wichtig dieser Kurs für sie ist. Sie leben in abgelegenen Orten mit unzureichender Verkehrsanbindung. Die lange Fahrt im überfüllten Bus über Holperstrecken ist selbst bei bestem Gesundheitszustand anstrengend, für ernsthaft Verletzte oder an hohem Fieber Erkrankte eigentlich unzumutbar. Und selbst wenn sie sich aus Kostengründen die strapaziöse Fahrt im Bus aufbürden, ist nach stundenlanger Wartezeit beim Arzt der letzte Bus zurück ins Dorf meist längst abgefahren. Spätestens für die Rückfahrt ist also ein privater Transport nötig. Kosten, die zusammen mit der Arztrechnung und Medikamenten schnell das Budget der Dorfbewohner sprengen.

Wir fahren mit einem guten Gefühl zurück nach Hikkaduwa. Mit Ende des Lehrgangs werden die KursteilnehmerInnen über eine 20 Mittel umfassende Hausapotheke zur Behandlung der gängigsten Verletzungen und akuten Erkrankungen verfügen. Außerdem bekommt jede/r einfache Dokumentationsbögen ausgehändigt, auf denen das Gesundheitsproblem, das verabreichte Mittel und die Reaktion vermerkt werden sollen. Er soll in der darauffolgenden Unterrichtseinheit der Gemeinschaft zu Lernzwecken zur Verfügung gestellt werden.

Mit diesem Unterrichtskonzept, Dr. De Zoysas lebendiger Art zu unterrichten und dem Enthusiasmus der TeilnehmerInnen entspricht der Kurs voll unserer Vorstellung von „Hilfe zur Selbsthilfe“ und könnte auch über einen langen Zeitraum für die Menschen vor Ort eine Verbesserung ihrer unzureichenden medizinischen Erstversorgung darstellen.

Wird dieser Kurs erfolgreich abgeschlossen, steht uns Dr. De Zoysa als Lehrer weiterhin zur Verfügung, damit weitere Kurse folgen können. Wir sind gerne bereit, dieses breitenwirksame Ausbildungskonzept auch in Zukunft zu unterstützen.

Karina Rabe, Birgit Deißinger

Dr. De Zoysa und Frau Deißinger (HOG) begrüßen die Teilnehmer der ersten Unterrichtsreihe "Erste Hilfe mit Homöopathie", organisiert durch unsere Partnerorganisation "Sewalanka Foundation"

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Spenden

alle Teilnehmer des Lehrgangs erhalten ein Set mit homöopathischen Arzneimitteln zum unterrichtsbegleitenden Einsatz
Homöopathischer Arzt in Sri Lanka seit über 40 Jahren