Reisebericht

die Abschlussreise

Der Weg zum nächsten Markt ist weit, aber für manche wenigstens eine Möglichkeit, ihr Sammelholz feil zu bieten.

Diese Reise ist unsere letzte Projektreise. Die von uns bereit gestellten finanziellen Mittel reichen noch für 3 weitere Erste-Hilfe-Kurse für BewohnerInnen abgelegener Gebiete. Wie geplant wird unser Partner Sewalanka Foundation die Ergebnisse der Kurse bei größeren NGOs vorstellen und versuchen ähnliche Lehrgänge in deren umfangreichere Projekte zu integrieren. Unsere Reise dient dem Abschluss unserer Projektarbeit und der Unterstützung dieses Vorhabens.

 

Wir treffen uns mit Mrs. Ashanti Edrisinghe und Mrs. Kaushi Navaradne im Büro der Sewalanka Foundation in Colombo. Beide haben den laufenden Erste-Hilfe-Kurs zu unterschiedlichen Terminen besucht und berichten sehr positiv über den Verlauf. Aus dem Bekanntenkreis der Teilnehmer haben sich weitere Interessierte gemeldet, die gerne einen solchen Kurs besuchen würden.

Obwohl diese Kurse gemeinsam mit Sewalanka von Anfang an als Pilotprojekte geplant waren, zeigen sich die beiden vom Abschluss unserer Projektarbeit zum Ende diesen Jahres sichtlich betroffen. Unser Projektende kommt für Sewalanka zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Aktuell ziehen sich viele europäische Hilfsorganisationen aus der Arbeit in Sri Lanka zurück, Sri Lanka gilt nicht mehr als vorrangig hilfsbedürftig. Dies bedeutet einen massiven Einbruch in den Haushalt von Sewalanka.

 

Wir sprechen erneut über die Möglichkeit, der Direktorin der Asiensektion der Welthungerhilfe (WWH), Barbara Zilly, eine Eingliederung unseres Projektes in laufende WHH-Projekte vorzuschlagen. Hierfür organisiert uns Mr. Dias, unser langjähriger Freund und Sewalanka- Vertreter, spontan ein Treffen mit Frau Zilly noch für den gleichen Nachmittag.

Sie wirkt aufgeschlossen, kennt Homöopathie jedoch nicht und bittet um weitere Informationen. Beide Organisationen, Sewalanka und WHH, wollen überprüfen, ob und wie eine Zusammenarbeit möglich wäre. Sinnvoll wäre dies insbesonders, da die WHH in Sri Lanka überwiegend im Norden arbeitet und die medizinische Versorgung dort nach wie vor unzureichend ist.

Die folgenden Tage verbringen wir bei Dr. DeZoysa im Peraliya Community Health Center. Es entsteht ein reger fachlicher Austausch und wir besprechen erneut die jeweiligen Vorstellungen über die noch ausstehenden Erste-Hilfe-Kurse. Dr. DeZoysa ist zu weiteren Kursen bereit und würde diese trotz sehr mühsamer Anreise auch im Norden des Landes abhalten.

Anschließend reisen wir weiter nach Kalmunai, unserem Einsatzgebiet des Tsunami-Projekts, um auch dort die letzten noch ausstehenden Verwaltungsakte abzuschließen.

Die veränderte Stimmung unter den Tamilen der Ostküste ist für uns deutlich spürbar. Nach anfänglichen Hoffnungen sind nun viele frustriert. Angst, Desillusionierung und Verbitterung herrschen vor. Immer noch gelten für sie Sonderregelungen und Apartheid. Da in den letzten Jahren die Lebenshaltungskosten in ganz Sri Lanka extrem gestiegen sind, wachsen auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Straßenbau und die Reisefreiheit gleichen das nicht aus.

 

Da wir alle anstehenden Aufgaben überraschend schnell erledigen konnten, beschließen wir noch einige Tage in den tamilischen Norden zu fahren, um uns selbst ein Bild von der Bürgerkriegsregion zu machen.

Während die Gegend, die wir kennen, sich gut entwickelt hat und von den Zerstörungen des Tsunamis nur noch wenig zu sehen ist, ändert sich nördlich von Trincomallee das Bild. Die Not ist erschreckend - die Hütten sind ärmlich, die Menschen mager. Wir sehen wenige Ansiedlungen von Häusern, die über das Rücksiedlungsprogramm neu gebaut wurden. Es gibt etliche Militärcamps und wir sehen verschiedene militärisch bewachte Anlagen - Wellblechhütten von Stacheldraht und Blech umzäunt. Wir vermuten, dass sich dahinter Detention-Camps verbergen, in denen auch jetzt, 4 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs, noch immer Zivilisten leben müssen.Als wir uns Jaffna nähern, fahren wir durch weite Gebiete, die noch vermint sind. Immer wieder Warnschilder und Minensuchtrupps, darunter auch Frauen, bei der Arbeit - wir sind bedrückt und deprimiert.

Zum Abschluss unserer Reise lädt uns Sewalanka ins Islander Center zu einem 2-tägigen „Festival“ mit ca. 400 Jugendlichen aus allen Teilen Sri Lankas ein. Der Tag beginnt mit gemeinsamer Mediation, geleitet von den Vertretern aller großen Religionen Sri Lankas, anschließend gibt es Vorträge zu religiösen Gebräuchen und Hintergründen, Berichte über Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Gegenden Sri Lankas und vielem mehr. Leider sind im ganzen Umkreis die Übernachtungen ausgebucht, weswegen wir nur einige Stunden auf dem Festival zubringen können. Während des Mittagessens haben wir die Möglichkeit mit verschiedenen Personen aus dem Headquarter von Sewalanka zu reden und sind beeindruckt von dem Geist der in dieser Organisation herrscht. Wir erfahren, dass die Angestellten ganz bewusst aus Bewohnern der Dörfer ausgewählt und dann weitergebildet werden. Diese Leute verstehen, was die Anliegen der Menschen sind, die Hilfe suchen und sie kennen die Region, die sie vertreten, aus eigenem Erleben.

Wir haben auf dieser Reise noch einmal alle besucht, die mit unserem Projekt verbunden waren bzw. die wir erreichen konnten und haben ihnen für ihre Mitarbeit gedankt.

Unser Besuch im Norden der Insel hat uns erschreckt – die Armut, ebenso die Militärpräsenz und die besonderen Camps, hinter denen wir Detention-Camps vermuten. Der Frieden scheint noch immer ein fragiles Gut zu sein. Die Armut und die Benachteiligung der Tamilen schürt den Unmut. Wir hatten die Erleichterung am Ende des Krieges gespürt und die Hoffnung auf bessere Zeiten. Vielleicht wäre dauerhafter Frieden als Vision für uns als Besucher spürbarer, wenn die tamilische Bevölkerung mehr Gleichstellung und ökonomische Förderung erfahren würde.

Wiederaufbau mit neuer Struktur
alleine die Malereien im Nallur-Kandaswamy-Tempel sind eine Reise nach Jaffna wert

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Fahrradwerkstatt in Jaffna
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