Reiseberichte

Seminar in Kalmunai

Oktober 2010

Im Oktober 2010 reisen wir in diesem Jahr zum zweiten mal nach Sri Lanka. Wir begleiteten den singhalesischen Arzt Dr. DeZoysa, einen Homöopathen mit großer Berufserfahrung, zu seinem ersten Seminar vor tamilischen Kollegen an der Ostküste.

Die vielen Jahre des Bürgerkriegs schnitten die tamilischen homöopathischen Ärzte von Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten ab. So lässt das Ausbildungsniveau der Homöopathen im Osten des Landes viele Wünsche offen. Als weitere Folge des Bürgerkriegs gab es bisher kaum Kontakte zwischen den nur 350 km voneinander entfernt praktizierenden Homöopathen. Nach wie vor ist das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen teilweise von Misstrauen geprägt.

Durch unsere Arbeit nach dem Tsunami im tamilischen Osten des Landes und unseren steten Kontakt auch während der politisch schwierigen vergangenen Jahre, haben wir uns in der Region großes Ansehen und Vertrauen erworben.

Das Seminar und die beabsichtigte künftige Zusammenarbeit zwischen Dr. De Zoysa und den tamilischen Kollegen kam auf unsere Initiative zu Stande. Wir begleiten deshalb Dr. DeZoysa auf dieser ersten Seminarreise um ihn einzuführen und ihn bei diesem sozial schwierigen Seminar zu unterstützen.

Das Seminar wird überraschend gut angenommen. Die tamilischen Kollegen haben ihren dringenden Weiterbildungsbedarf erkannt und beschließen, künftig Dr. De Zoysa für seine Unterrichtstätigkeit ein Honorar zu bezahlen. Wir hoffen damit eine landesinterne Weiterbildungskultur angestoßen zu haben, die Bereitschaft hierzu betonen beide Seiten mehrfach.

Wir als „Homöopathen ohne Grenzen“ haben damit das erreicht, was wir als unser höchstes Ziel betrachten: uns selbst überflüssig zu machen.

Auch wenn die tamilischen Homöopathen künftig das Honorar von Dr. De Zoysa übernehmen, reicht die bisherige Teilnehmerzahl noch nicht aus, um dessen Fahrtkosten und Unterkunft während der Seminare zu decken. Gemeinsam mit allen Beteiligten beschließen wir, dass "Homöopathen ohne Grenzen" diese Kosten in der Anfangsphase des neuen Projekts trägt. Dies ist die erste Seminarreise und auch wir sehen, dass das zarte Pflänzchen der homöopathischen Zusammenarbeit zwischen Singhalesen und Tamilen noch eine gewisse Zeit des Wachstums und der Fürsorge braucht.

 

Im Norden Sri Lankas ist weitere Hilfe dringend notwendig

Dadurch, dass wir uns nun nicht mehr schwerpunktmäßig um die Qualität der homöopathischen Behandlungen an der Ostküste kümmern müssen, können wir unsere Kraft auf die schwierige Gesundheitslage der Menschen im Norden Sri Lankas richten.

Der Norden des Landes ist die am schwersten vom Bürgerkrieg betroffene und ärmste Gegend Sri Lankas. Die Infrastruktur wurde über viele Jahre vernachlässigt und ist durch die Kriegshandlungen weitgehend zerstört.

Die Regierung hat seit Ende vergangenen Jahres mit einem Rücksiedlungsprogramm für Kriegsopfer begonnen. Von der Endphase dieses Bürgerkrieges im Frühjahr 2009 waren 300 000 Menschen betroffen, Tausende von ihnen leben noch immer in Auffanglagern, den „welfare camps“, unter extrem schwierigen Bedingungen. Die Gesundheitssituation ist als dramatisch einzuschätzen. Nahrungsmittel sind in diesen Gegenden auf den 10fachen Preis gestiegen, die Menschen oft körperlich und seelisch schwer traumatisiert. Die Rücksiedlungen gehen sehr langsam vorwärts. Weite Gebiete sind nach Aussage der Regierung noch vermint.

Mit 2 Direktorinnen der Sewalanka Foundation erarbeiten wir die Möglichkeit homöopathischer Hilfe für diese Menschen. In einem ersten Schritt sollen Vertreter kleiner Dorfgemeinschaften mit den Indikationen der wichtigsten homöopathischen Arzneimitteln zu Ersthelfern ausgebildet werden.

Auch hier sehen wir unsere Rolle vorrangig in der Unterstützung lokaler Kollegen. Die homöopathische Laienausbildung wird unter der Schirmherrschaft der Sewalanka Foundation durchgeführt, der Dr. DeZoysa beratend zur Seite steht.


Homöopathische Arzneimittel in eigener Regie

Der Minister für indigene Medizin, Piyasena Gamage, zeigt sich als engagierter Verfechter der Homöopathie. Sein Interesse gilt der Förderung einer nationalen qualitativ hochwertigen Homöopathieausbildung. Auch gibt es bisher in Sri Lanka keine Produktionsstätte für homöopathische Arzneimittel. Die Versorgung mit homöopathischen Arzneimitteln in erforderlicher Qualität ist schwierig. Dieses Interesse mit der Bitte um Unterstützung zu diesem Problem wurde aus dem Ministerium auf unserer letzten Reise an uns herangetragen.

 

Auch wir halten eine eigene homöopathische Arzneimittelproduktion für sehr wichtig, geradezu richtungsweisend. Es gelang uns, Robert Müntz von der österreichischen Arzneimittelfirma Remedia für diese Idee zu begeistern. Im Februar 2011 ist ein Treffen zwischen Robert Müntz und den Verantwortlichen in Sri Lanka geplant, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir werden Robert Müntz zu dieser ersten Besprechung begleiten. In einem Land, in dem persönliche Beziehungen viel bedeuten, ist dies ein unerlässlicher Schritt.

 

Seit Ende der Kampfhandlungen im Mai 2009 herrscht Aufbruchstimmung im Land, von der Basis, bis hinein in Regierungskreise und dies betrifft erfreulicherweise auch die Situation der Homöopathie. Wir sind stolz auf das erworbene Vertrauen und gerne bereit, durch die erbetene Unterstützung in diesem Prozess zur Erneuerung der Homöopathie in Sri Lanka beizutragen.

 

Für all diese Aufgaben, besonders für die Menschen im Norden Sri Lankas, benötigen wir weiterhin dringend Ihre Unterstützung.

Blick aus der Aula des muslimischen Gymnasiums, wo Dr. De Zoysa vor seinen tamilischen Kollegen doziert.
Dr. De Zoysa vermittelt homöopathisches Grundlagenwissen in Maruthamunai. Oktober 2010.

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