Der Tsunami riss sie aus dem Schlaf

Nach dem Tsunami: überall am Strand liegen Kleidung, Schuhe und zerstörter Hausrat herum.

Fallaufnahme im September 2005
Eine junge Mutter kommt mit ihrer sechsjährigen Tochter in unsere Praxis in Sainthamarathu. Seit der Geburt der Tochter ist sie alleinerziehend, ihr Mann trennte sich von ihr, als sie schwanger war. Sie kommt wegen Sensibilitätsstörungen in den Beinen. Diese fühlen sich beidseitig taub an, besonders, wenn sie sitzt oder geht. Trotz der Taubheitsgefühle schmerzen die Beine. Außerdem leidet sie unter starkem Schwindel, der von Sonnenlicht noch verstärkt wird. Ferner klagt sie über Kopfschmerzen, linksseitige Schmerzen in der Brust und Augenschmerzen. Ihre Fußsohlen sind schmerzhaft eingerissen.
Alle diese Probleme begannen erst nach dem Tsunami.

Auf vorsichtiges Nachfragen bestätigt sie, „ja, ich war im Tsunamiwasser“. Sie wurde mit ihrer Tochter von der Flutwelle im Schlaf überrascht und mitgerissen. Mehrere Stunden schaffte sie es, sich mit ihrer kleinen Tochter irgendwo festzuhalten, bis das Wasser wieder abfloss. Die ganze Zeit über hatte sie nur die Angst, sie könnte nicht durchhalten und ihr Kind loslassen. Als das Wasser abfloss, befand sie sich unbekleidet neben den zerstörten Häusern am Strand, da man in dem warmen Land nur mit einem Laken schläft.
Wie ihr ging es vielen anderen auch. Von dem zum Teil verseuchten Wasser bekamen viele Hautausschläge. Sie selbst litt noch einige Tage nach dem Kontakt mit dem Tsunamiwasser unter starkem Juckreiz.
Unbekleidet zu sein nach der langen Zeit im Wasser mit der Todesangst, empfand sie als besonders schlimm. Sie konnte sich dann zwar notdürftig mit etwas von den überall aus den Häusern geschwemmten Kleidern bedecken, es dauerte aber noch drei Tage, bis sie sich waschen und etwas Sauberes anziehen konnte.

Aufgrund der Plötzlichkeit des schrecklichen Ereignisses, der Todesangst, und ihrer körperlichen Symptomatik mit Schwindel und Kopfschmerzen verordnen wir ihr Aconitum. Wir haben nach dem Tsunami die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr sensibel auf unsere Mittel reagieren und beginnen die Behandlung zunächst mit Aconitum C30, später erhält sie noch Aconitum C200. Wir haben nach dem Tsunami die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr sensibel auf unsere Mittel reagieren. Selbst bei einer C 30 sind die Reaktionen stark und eindeutig, andererseits reagierten verschiedene Patienten auf C 200 mit unangenehmen Verschlimmerungen. Damit sind unsere Erfahrungen mit den Potenzen, die wir in Deutschland bedenkenlos einsetzen können, hier nicht gültig und wir haben gelernt, unsere Behandlungen hier sehr vorsichtig zu beginnen. Wir diskutierten mögliche Gründe, wie zum Beispiel eine große Schwächung nach dem Tsunami, eine andere Sensibilität der Menschen insgesamt und ähnliches. Unser Beobachtungszeitraum und das Fehlen vergleichbarer Studien nach ähnlichen Katastrophen lassen eine Bewertung darüber bisher jedoch nicht zu.


Leider hören wir nach diesen Behandlungen nichts mehr von unserer Patientin. Im Mai 2010 jedoch folgt diese Frau unserem Aufruf an ehemalige Patienten unserer Praxis, sich bei uns zu melden. Wir wollen wissen, was sich durch unsere Behandlungen verändert hat.

Die Frau berichtet uns, dass sich sämtliche Beschwerden, der Schwindel, die Schmerzen und sogar die Sensibilitätsstörungen, nach unserer homöopathischen Behandlung schnell gebessert haben. In der Zwischenzeit ist sie wieder verheiratet und hat einen kleinen Gemüseladen eröffnet. Sie sagt, es gehe ihr gut. An den Tsunami denkt sie nur noch selten.

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Der 30-jährige Krieg in Sri Lanka

...unter dieser Überschrift erschien im Juni 2012 in der Zeitschrift "Publik Forum" ein eindrucksvoller Artikel, der die derzeitige Situation nach dem langen Krieg im Land beschreibt. Den Artikel finden Sie hier: Download Publik Foum Artikel