Reiseapotheke

Homöopathie im Fokus:

Wie sieht Ihre Reiseapotheke aus?

Wenn Sie wie ich ein Globetrotter sind und das Abenteuer lieben, sind wir beide wie die meisten HomöopathInnen. Ich bin sicher, wir alle könnten viele Geschichten austauschen. Im Rahmen unserer Projektarbeit reisen die HOG-Projektverantwortlichen zu weit entfernten Zielen wie Ecuador, Bolivien und Ruanda. Andere unterrichten die Homöopathie in Sarajevo, Kenia und Sierra Leone. Ich fand es für diesen Newsletter eine gute Idee, die beiden Leidenschaften „Reisen“ und „Homöopathie“ in einem Beitrag zusammenzubringen.

Ich bin Inderin – mit einem deutschen Ehemann und einem „Cocktail-Sohn“. Selbstverständlich reisen wir sehr oft zwischen Deutschland und Indien hin und her. Während ich diesen Beitrag schreibe, checke ich im Geiste meine To-do-Liste für unsere anstehende nächste Reise nach Indien. Dies ist bereits die fünfte Reise meines 22-monatigen Kindes in mein Heimatland.

Reisen ist aufregend, kann aber auch aus vielerlei Gründen Stress für den Körper bedeuten. Dafür sorgen die Veränderungen bei Nahrungsmitteln, Wetter, Zeitzonen, Kulturen und Schlafmustern. Bevor ich die Mittel vorstelle, die ich auf meinen Reisen am nützlichsten finde, möchte ich Sie auf eine großartige Entdeckung des Australiers Clinton Ober hinweisen. Mit seinem Tipp können Sie Ihre innere Uhr schnell auf die Ortszeit umstellen und die Auswirkungen des Jetlags verringern: Gehen Sie barfuß, wenn Sie auf Gras, Sand oder Schlamm treffen (und meiden Sie wenn möglich den Asphalt). Dieser Vorgang wird Erdung genannt. In den Wintermonaten kann die Umsetzung eine größere Herausforderung sein, aber es lohnt sich definitiv, es zu versuchen.

Wie sieht meine persönliche Reiseapotheke aus? Ich habe die Arzneimittel mit ihren Indikationen gelistet, aber bitte beachten Sie: Homöopathische Arzneimittel sollten nur von ausgebildeten HomöopathInnen verschrieben werden. Die folgende Liste ist also in keiner Weise als Ersatz für eine professionelle homöopathische oder medizinische Verschreibung gedacht.  

1. Aconit: Bei einem panischen Schock, zum Beispiel durch schlechte Nachrichten oder durch einen Sturz. (Bei einem starken tiefsitzendem Schock empfehle ich allerdings Arnika. Hier ist der ganze Organismus in Aufruhr.) Bei Angst. Unruhe. Flugangst. Bei Symptomen, die plötzlich auftreten, wie Kopfschmerzen oder Halsschmerzen.
2. Apis mel: Nützlich bei Insektenstichen, Wespen- und Bienenstichen und allergischen Hautreaktionen. Bei Schmerzen durch Stiche und Verbrennungen. Bei Rötungen.
3. Arnika: Bei Prellungen oder Verletzungen der Weichteile. Bei Verletzungen durch Schläge, Stürze oder stumpfe Gegenstände. Bei Blutungen durch Verletzungen und Schock. Ein Beispiel: Die verletzte Person sagt, es ginge ihr gut, aber Sie sollten den verletzten Bereich nicht berühren. Ideal für Jetlag, wenn Sie sich vollkommen gerädert fühlen. Das zehnstündige Sitzen im Flugzeug entspricht einem Muskelkater – und auch der spricht auf Arnika an.
4. Arsen: Bei Lebensmittelvergiftung, insbesondere durch Obst oder Wasser. Bei Erbrechen mit oder ohne heftigen Durchfall. Bei Ängstlichkeit und Durstgefühl, die sich nach Mitternacht sehr kalt anfühlen. Bei brennenden Schmerzen. Bei Unruhe.
5. Baptisia: Bei typhusähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, allgemeinen Beschwerden, Appetitlosigkeit, trockenem Husten. Bei allen übelriechenden Ausscheidungen. Bei Mundgeruch.
6. Belladonna: Beim plötzlichen Auftreten von Symptomen. Bei pochenden Kopfschmerzen. Bei brennender, trockener und geröteter Haut, bei erweiterten Pupillen und starkem Puls. Bei Sonnenstich und Verbrennungen mit Fieber. Für gerötete, heiße, geschwollene Stellen.
7. Carbo Veg: Bei Zusammenbrüchen aufgrund von Lebensmittelvergiftung, Austrocknung, Infektionen. Bei Übelkeit, Lufthunger, Blähungen und Völlegefühl. Bei bläulicher Verfärbung des Gesichts und dem Verlangen nach frischer Luft. Für die Folgen der Höhenkrankheit: Die Person hat das Gefühl, dass sie mehr Sauerstoff benötigt.
8. Cocculus: Bei Jetlag mit Übelkeit und Schwindel. Bei krankhaften Schlafstörungen. Bei Reisekrankheit mit Benommenheit.
9. Eupatorium: Bei Fieber, Zittern, Schüttelfrost, Schwäche, Schwitzen. Bei übermäßigem Durstgefühl. Bei Schmerzen in Muskeln, Knochen, Gelenken. Bei Kopfschmerzen, Übelkeit und grippeähnlichen Symptomen.
10. Gelsemium: Bei Kopfschmerzen und Fieber mit Schüttelfrost. Bei Abneigung gegen Essen und Trinken. Bei Mattsein und Schläfrigkeit.
11. Hypericum: Bei Verletzungen an nervenreichen Stellen, insbesondere an Fingern, Zehennägeln und Zähnen. Bei Schnitt- und Stichverletzungen, oder Quetschungen mit unerträglichen Schmerzen.
12. Ledum: Bei Übelwirkungen durch Mücken-, Sandfliegen- oder Wespenstiche. Bei Tierbissen und -kratzern. Bei stumpfen Traumata der Augen. Auch wenn sich die Person kalt anfühlt, sind die betroffenen Körperteile besser mit kalten Kompressen zu behandeln.
13. Nux vomica: Bei Nachwirkungen von übermäßigem Essen, Alkohol, reichhaltigen Nahrungsmitteln oder Tabak. Bei Reisekrankheit. Bei Übelkeit, die nach Erbrechen besser wird. Bei Reizbarkeit.
14. Petroleum: Bei Auto-, Zug- oder Seekrankheit (wenn Tabacum nicht indiziert ist). Bei Verschlimmerung durch jede Art von Bewegung. Bei starker Blässe und Übelkeit.
15. Podophyllum: Bei starkem, explosivem Durchfall in Verbindung mit starken Blähungen. Bei wässerigem und ekelriechendem Stuhl. Bei Bauchgrummeln. Bei Schwäche oder Ohnmacht durch Durchfall. Bei Giardiasis.
16. Rhus tox: Bei gerissenen Bändern und Sehnen. Bei Verstauchungen, insbesondere an Rücken, Knöcheln und Handgelenken. Bei zerreißenden, schießenden, stechenden Schmerzen. Bei Schmerzen, die sich bei fortgesetzter Bewegung bessern.
17. Tabacum: Eines der besten Mittel gegen See- und Autokrankheiten. Bei eisiger Kälte. Bei elender Übelkeit. Bei Blässe und grünlichem Gesicht plus Übelkeit und Schwindel. Besserung durch frische Luft.
18. Konstitutionsmittel: Dieses Mittel ist für alle unterschiedlich, denen ich ein Reiseset empfehle. Hintergrund: Die Homöopathie ist ein stark individualisiertes ganzheitliches System. Jede/r PatientIn erhält ein ganz bestimmtes Medikament, das zu Persönlichkeit und körperlichen Aspekten passt. Dieses wird als Konstitutionsmittel bezeichnet und nach einem eingehenden Prozess der Fallaufnahme und -analyse verordnet. Ich benutze diese in chronischen Fällen und stelle immer sicher, dass es meine PatientInnen in ihrer Reiseapotheke haben.  

Ein Wort zur Dosierung: In der Homöopathie gibt es verschiedene Theorien zur Dosierung und Potenzverschreibung. Ich verwende die meisten Mittel in C 30 – Arnika, Aconit, Hypercium und Rhus tox in C 200. Das ist meine Überzeugung: Das Heilmittel ist der Schlüssel für das Schloss und die Dosierung steht für die Kraft, mit der Sie den Schlüssel drehen. Am Wichtigsten ist es, das richtige Mittel zu finden. Wenn Sie die empfohlene Potenz nicht haben, geben Sie, was Sie zur Verfügung haben.  

Ich entscheide die Dosierung anhand der Schwere der Symptome. In sehr akuten Situationen verschreibe ich alle 15 bis 30 Minuten eine Dosis, bei sich langsamer entwickelnden und weniger intensiven Symptomen alle 4 bis 6 Stunden. Meine Faustregel ist jedoch, immer abzuwarten und zu beobachten, bevor ich mich für die nächste Dosis entscheide. Wenn die Symptome um 50% besser sind, sollten die Wiederholungen in längeren Intervallen durchgeführt werden – wie alle 30 Minuten oder stündlich. Sobald sie um 80 bis 90% besser sind, sind keine weiteren Dosen erforderlich.  

Buchtipp
Ein Buch, das ich für die Anwendung der Homöopathie auf Reisen sehr empfehlen kann, ist: Homöopathischer Ratgeber 1: Reisen von Ravi Roy / Carola Lage-Roy  

Gute Reise – und bleiben Sie mit der Homöopathie unterwegs gesund!

Nicola Coutinho

 

 

 

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