• Homöopathen ohne Grenzen
  • Homöopathen ohne Grenzen
  • Homöopathen ohne Grenzen

25 Jahre HOG: Glückwunsch!

Schaue ich heute auf die verstörenden Bilder aus den zerstörten Städten in der Ukraine, werde ich augenblicklich zurückversetzt in die Zeit meiner ersten Reisen nach Bosnien, das war 1995. Sarajevo und Mostar wurden in dem damaligen Krieg zu Beginn der 1990er Jahre hart umkämpft und belagert. Überall waren die Spuren der Zerstörung sicht- und fühlbar: an den Gebäuden und in den Menschen gleichermaßen. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine Emotionen zur Zeit des Krieges auf dem Balkan. Es mischten sich Empathie mit den Menschen in den umkämpften Gebieten sowie Entsetzen und Angst, wenn ich von den Gräueltaten las und hörte, die dort begangen wurden. Ja, es erscheint schier unfassbar, dass Menschen zu solchen Taten fähig sind, obwohl die Geschichte durchaus Schlimmeres lehrt.

Das Gefühl von Ohnmacht jedoch war und ist für mich am schwersten zu ertragen. Tagtäglich geschieht Unrecht auf dieser Welt, Menschen und auch Tiere leiden unter Gewalt, Machtmissbrauch und dergleichen mehr. Wir alle verfügen über das Potenzial der Verdrängung, was uns schützt vor Verzweiflung und schließlich Hoffnungslosigkeit. Jedoch gibt es Momente, in denen die Verdrängung nicht mehr so recht klappen will. An diesem Punkt schiebt sich das Ohnmachtsgefühl in den Vordergrund. Es ist so besonders unerträglich, weil wir es in der Regel mit Handlungsunfähigkeit verknüpfen. „Was kann ich schon tun?“, lautet oftmals die hilflose Frage. Aus der Traumatherapie ist bekannt, dass Situationen in dem Augenblick erträglicher werden, wenn wir eine Handlungsoption entdecken. Durch Handeln holen wir uns zumindest ein Stück weit unsere Macht zurück. Das ist einer von vielen Gründen, warum Menschen sich ehrenamtlich engagieren, Hilfe leisten – wo und wie sie können.

Als damals vor 26 Jahren die Frage einer engagierten Person aus Bosnien kam, ob es möglich wäre, mit Hilfe der Homöopathie Unterstützung zu leisten, war die Antwort spontan klar. Nicht ahnend, was das bedeuten würde. Rückblickend möchte ich sagen, dass die Zeit sowohl inspirierend als auch anstrengend war. Galt es doch etwas zu kreieren, was es noch nicht gab, Menschen zu begeistern, Spenden zu sammeln und vor Ort Kontakte zu knüpfen. Ich erinnere mich an ein Foto, was ich damals aufnahm von einer alterschwachen Schubkarre – voll beladen mit Bauschutt und einem platten Reifen. So habe ich mich phasenweise gefühlt: da war viel zu viel aufgeladen. Und dennoch: aus der Ohnmacht in die Handlung und damit in die Selbstermächtigung zu kommen, verlieh uns durchaus Flügel. Und so konnte sich in Mostar eine homöopathische Praxis entwickeln, fast rund um die Uhr betreut von KollegInnen aus Deutschland. Zu gut erinnere ich mich an eine Gesprächsrunde mit „Ärzte ohne Grenzen“ vor Ort. Die berichteten, die Menschen fühlten sich so furchtbar, würden dicke Spritzen verlangen und davon viele. „Mit deinen Kügelchen wirst Du nicht weit kommen“, hieß es freundlich. Diese Vorhersage sollte sich dann nicht bewahrheiten: mehrere tausend Menschen nahmen die homöopathische Hilfe dankbar an.

Zur selben Zeit war der homöopathisch arbeitende Arzt Dr. Bertold Fleig in Togo unterwegs. Er unterrichtete togolesische ÄrztInnen in Homöopathie, um einen Beitrag für sanfte, sichere und erschwingliche Medizin zu leisten. Dank seines unermüdlichen Engagements gelang es ihm, den traditionellen HeilerInnen in Togo wieder zu ihrer Heilerlaubnis zu verhelfen und somit einen wichtigen Teilererfolg zu erreichen auf dem Weg zu Etablierung integrativer Medizin vor Ort. (Die Integration der traditionellen HeilerInnen in die medizinische Versorgung der Länder des globalen Südens wurde übrigens Jahre später zu einem vorrangigen Ziel der WHO erklärt.)

Durch die Anregung niederländischer KollegInnen gründeten wir gemeinsam den Verein „Homöopathen ohne Grenzen“, um eine legale Basis für homöopathisch humanitäre Arbeit zu haben. Über die Jahre gesellten sich mehr und mehr Menschen zu dem Verein, homöopathisch arbeitend – ob ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen, Hebammen oder Krankenschwestern und -pfleger. Es ergaben sich neue Projekte über die Jahre mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen. Was uns immer ausmachte, das waren regelmäßige Zusammenkünfte, um das Erlebte und Getane zu reflektieren. Hatte doch kaum jemand von uns Erfahrung auf dem Gebiet der humanitären Arbeit. Was uns vereinte, war das Feuer, die Begeisterung, die Hingabe an die Menschen in den Ländern, in denen wir zu Gast waren. Es ergaben sich Begegnungen vor Ort, die unter anderen Umständen sicher nie möglich gewesen wären. Jede und jeder von uns hat vor Ort so dramatische Heilerfolge erlebt, dass die Placebodiskussionen der Skeptiker von heute uns müde lächeln lassen.

Rückblickend würde ich heute sicher manches anders gestalten, als wir es damals konnten. Aber auch das ist eine Erfahrung, die wir alle machen: wir fällen Entscheidungen mit Hilfe des Wissens, über das wir zu der Zeit verfügen. Mit den Informationen, die wir im Nachhinein besitzen, würden wir morgen anders handeln. Und doch bewegt sich die Welt nur durch Handeln, nicht durch Zaudern.

2004 rollte ein Tsunami über Sri Lanka hinweg. Auf Bitten lokaler HomöopathInnen gründete sich bei HOG ein Team von rund 40 KollegInnen, die verschiedene Camps in Sri Lanka aufschlugen und Homöopathie zur Bewältigung der traumatischen Ereignisse anboten. Unter anderem auch hier erlebten wir, was es heißt, wenn es in Folge einer Katastrophe anschließend zu einem „Tsunami von Hilfsorganisationen“ kommt, die das Land fluten. Damals noch oft sowohl ohne Absprache mit lokalen Kräften als auch ohne Kooperation untereinander. Diese Erlebnisse haben uns etliche Jahre sehr bewegt und haben dazu geführt, dass wir uns und unsere Arbeit kritisch reflektiert haben. Häufig kam für uns die Frage auf, ob das, was wir erreichen wollen, deckungsgleich ist mit dem, was tatsächlich vor Ort aufgrund unseres Eingreifens geschieht. Wir haben daher unsere regelmäßigen Mitgliederversammlungen durch Fortbildungen bereichert, haben uns unter anderem intensiv mit dem Do-no-Harm-Ansatz beschäftigt. In diesem Konzept geht es vor allem darum, eine Methode zu entwickeln, um sowohl positive als auch negative Auswirkungen des Handelns einer Hilfsorganisation vor Ort beurteilen zu können. Es gilt die Frage zu stellen, wer denn von unseren Einsätzen vor Ort profitiert und wer aber auch womöglich geschwächt wird – und wie sich letzteres verhindern lässt. 

Stets auf der Suche nach Optimierung engagierte HOG etliche ExpertInnen, unter anderem auch des deutschen Entwicklungsdienstes, die uns in den Jahren begleitet und weitergebildet haben. Wir durften dabei erkennen, dass humanitäre Arbeit wie auch die Hilfe zur Selbsthilfe einerseits große Chancen bietet, aber auch die Möglichkeit auf vielfältige Weise zu scheitern. Ob durch politische Umstrukturierungen vor Ort, die schnell mal mühsam gepflegte, hilfreiche Kontakte zerstörten, oder zuverlässige treue Kooperationspartner, die plötzlich verstarben. All das gehörte auch in den Alltag und verlangte mitunter eine gute Portion Resilienz und Frustrationstoleranz.

Wir haben viel gelernt im vergangenen Vierteljahrhundert! Zum Beispiel, dass Zusammenarbeit Wege ebnet und bereichert: Wo immer wir in ein Gastland kommen, suchen wir die Anbindung und Zusammenarbeit mit lokalen Strukturen. Auch mit unseren internationalen Schwesterorganisationen standen wir in den vergangenen Jahren in engem Kontakt: Erfahrungen, kulturelle Dos and Dont’s, gute interkulturelle Unterrichtskonzepte wurden ausgetauscht, so mancher internationaler Kongress abgehalten, um die Verbindungen zu intensivieren.

Meine Erinnerungen an den ersten panafrikanischen Homöopathiekongress in der Umgebung von Mombasa, Kenia, sind mir immer noch sehr lebendig vor Augen. Wir hatten einige unserer damaligen StudentInnen aus Lamu zu dem Kongress als ReferentInnen geladen. Ich werde nie vergessen, wie stolz sich die beiden traditionellen Hebammen Rehema und Marijam auf die Bühne stellten und von ihrem Werdegang und ihren eindrucksvollen Erfahrungen berichteten, die sie mit der Homöopathie in der Geburtshilfe machen durften. Eine erzählte beispielsweise von einer Zwillingsgeburt, die sie im Busch begleiten musste. Die Frau hatte die mehrstündige Boots- und Eselsreise nicht mehr antreten können. So blieb ihr nichts anderes übrig, als auf dem lehmgestampften Boden der Hütte die Zwillinge zu entbinden. Zurück blieb eine Plazenta, die sich partout nicht lösen wollte, eigentlich ein Todesurteil für die Mütter in so einer Situation. Die Hebamme beobachtete die Frau genau, so wie sie es von uns gelernt hatte, als Analphabetin hatte sie sämtliche Informationen zu den homöopathischen Geburtshilfearzneien im Kopf. Sie nahm die Schwäche der jungen Mutter wahr, die Kälte ihres Körpers und den Umstand, dass die Frau dennoch keine Decke wollte, und wählte Secale cornutum, das Mutterkorn, als Arzneimittel aus. Schon zehn Minuten später löste sich die Plazenta, die Frau überlebte. Sie erntete tosenden Applaus vom Publikum. Das war einer von vielen Momenten, in denen mir klar war, dass sich unsere Arbeit allein dafür schon gelohnt hatte.

Nach 30 Jahren kräftigen Aufschwungs und Entwicklung der Homöopathie in dieser Gesellschaft wie auch weltweit erleben viele Menschen den Segen dieser Heilkunde. Allein in Europa sind es 100 Millionen Menschen, 29% der Bevölkerung, die regelmäßig homöopathische Arzneien nutzen. Und das, obwohl die Homöopathie wie auch homöopathisch arbeitende ÄrztInnen oder HeilpraktikerInnen derzeit seitens der Medien häufig diffamiert werden. Dadurch wird auch unsere internationale Arbeit vor neue Herausforderungen gestellt. Und dennoch bin ich auch nach 25 Jahren überzeugt, dass unsere Arbeit sinnvoll war und bleibt.

Von den mannigfaltigen Gründen, warum unsere Arbeit auch in Zukunft von großer Bedeutung sein wird, möchte ich in diesem Zusammenhang nur drei benennen, die von besonderer Bedeutung sind: Die stetig weltweit anwachsende Bevölkerungszahl, dazu wachsende weitreichende Armut und die steigende Anzahl an Infektionskrankheiten verlangen eine effektive und vor allem eine kostengünstige Therapiemethode. Die teuren Medikamente der konventionellen Medizin sind für die Menschen des globalen Südens oft nicht erschwinglich. Ein Blick nach Indien zeigt uns, was die Homöopathie hier leisten kann. Im National Institute of Homeopathy in Kalkutta beispielsweise werden tagtäglich 4.000 Menschen mit akuten und chronischen Erkrankungen sehr erfolgreich betreut.

Durch die tagtäglichen Anwendungen von zu viel Antibiotika sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin, kommt es zunehmend zur Ausbildung multiresistenter Keime. Machen wir so weiter wie bisher, wird ab 2050 weltweit alle drei Sekunden ein Mensch an solchen Keimen sterben. Die Homöopathie ist hier eine wirksame Antwort.

Seit 25 Jahren arbeiten wir in Ländern, die durch Kriege oder Krisen infolge von Naturkatastrophen gezeichnet waren. In den letzten Jahren haben wir uns außerdem auf die Behandlung von geflüchteten Menschen hier in Deutschland konzentriert. Tag für Tag erleben wir dabei die ausgezeichnete Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung bei Menschen, die an den weitreichenden Folgen von PTSB oder Traumafolgestörungen leiden. Hungersnöte infolge des Klimawandels oder auch des aktuellen Krieges hier in Europa werden zu größeren Flüchtlingsströmen aus der ganzen Welt führen. Daher ist uns dieses Projekt eine besondere Herzensangelegenheit.

25 Jahre Homöopathen ohne Grenzen bedeutet auch, dass sich Freundschaften geknüpft haben – weltumspannend! Die Homöopathie – ein holistisches, ein umfassendes Heilprinzip – fußt auf Kontakt zwischen den Menschen, ohne Vorurteile, wenn es nach Hahnemann geht. Im interkulturellen Bereich erhält dieses Gebot noch mal ein besonderes Gewicht.  Es war und ist mir eine besondere Ehre, von Anfang an ein Mitglied in diesem Verein gewesen sein zu dürfen. Die Geschicke der Organisation mitzugestalten, über einige Jahre auch zu leiten. Ich bin dankbar für all diese engagierten Personen, die den Verein HOG hierzulande und auch in den Gastländern ausmachen. Dankbar für all die Menschen, die diesen Verein all die Jahre durch Spenden unterstützt haben. Dankbar für diejenigen aus den unterschiedlichsten Berufen, die ihre Fachkompetenz zur Verfügung gestellt haben: SteuerberaterInnen, OrganisationsentwicklerInnen, JournalistInnen, RechtsanwältInnen und viele andere.

Für die Menschen, die ihre Komfortzone verlassen, ihre Angst überwinden und in Krisenregionen reisen und unter den einfachsten Bedingungen helfen. Dankbar für die Menschen, die all die Verantwortung und Verbindlichkeit auf sich nehmen, wie die Vorstandsmitglieder, ohne deren Unermüdlichkeit und manchmal auch Unerschütterlichkeit es diesen wunderbaren Verein nicht gäbe. Danke!

Elisabeth von Wedel| Projektleiterin Ruanda

 

„Wie war das denn damals?“, so lautet die Anfrage aus dem Vorstand, verbunden mit der Bitte, Erinnerungen in Worte zu fassen aus der Anfangszeit von HOG: Unser erstes Projekt in Bosnien, Mostar im Januar 1997. Vor meinem inneren Auge sehe ich regennasse Straßen, die im Dunkeln über Berg und Tal führen mit vielen Umwegen, weil Tunnel oder Brücken zerstört sind. Bereits der Flug nach Sarajevo ließ erahnen, wie fürchterlich gezeichnet uns dieses Land nach dem Krieg entgegenblickt. Aus dem Flugzeug zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung um den Flughafen: Häuser ohne Dächer, ohne Fenster und tiefe Bombenkrater mit aufgerissener Erde überall. Das Flughafen-Gebäude einsturzgefährdet, weshalb wir von SoldatInnen aus dem Flugzeug über das Rollfeld direkt in den Außenbereich gewunken werden, um dort unsere Koffer zu holen. Graues Wetter, beginnende Dämmerung und schließlich im Bus einsetzender Regen verdüstern das Bild noch weiter. Nach stundenlanger, rumpelnder Fahrt im Bus kommen Elisabeth von Wedel und ich schließlich in Mostar an, die entkernte Stadt in der Dunkelheit bei Regen bietet Einblicke der Zerstörung und Hoffnungslosigkeit. Kein Stein steht mehr auf dem anderen, das ist in der Dunkelheit auch ohne Straßenbeleuchtung erkennbar. Wir gehen abends über die sehr provisorische Hängebrücke, die die Neretva überspannt. Mit meiner Höhenangst ein ganz besonderes Ereignis, vor allem, weil uns SoldatInnen entgegenkommen, die die Brücke auch noch zusätzlich in Schwingung versetzen. Zwei kleine Küchen haben geöffnet, "Essen hält Leib und Seele zusammen" gilt auch hier.

Wir wohnen in einer kleinen Wohnung im Erdgeschoss eines bereits zum Teil renovierten Hauses, Einschusslöcher in der Tür und den Wänden, eine provisorische Gasheizung stinkt dermaßen nach Gas, dass wir beschließen, lieber in einer kalten Wohnung zu schlafen. Am nächsten Tag beginnen die Vorbereitungen zur Eröffnung der kleinen homöopathischen Praxis, wir holen unsere Übersetzerin vom Busbahnhof ab und organisieren mit ihrer Unterstützung die ersten Informationsveranstaltungen, die sehr schnell auf gute Resonanz stoßen. Innerhalb von wenigen Wochen ist die Praxis auf Monate ausgebucht, die Erfolge durch die homöopathische Behandlung sprechen sich in den Familien schnell herum.

Der Beginn der „Homöopathen ohne Grenzen e.V.“ besteht aus einem Dutzend HomöopathInnen, die das Bedürfnis einte, schnell und unkompliziert humanitäre Hilfe zu leisten. Ein Team von jeweils zwei Personen fährt für ein bis zwei Wochen nach Mostar, um dort ehrenamtlich zu arbeiten. Übergabe findet am Wochenende statt, so ist die Praxis das ganze Jahr über besetzt und wir können kontinuierlich Unterstützung durch Homöopathie für chronisch kranke, akut kranke und insbesondere traumatisierten Menschen anbieten. Auch wenn die Erzählungen unserer PatientInnen in der Praxis unbeschreiblich viel Leid und Zerstörung wiedergaben, so möchte ich die Zeit dort nicht missen. Denn was kann wertvoller sein, als mit meiner Arbeit und der Homöopathie einen kleinen Beitrag zu leisten, damit Menschen wieder gesünder werden und ihre Traumata integrieren können?

Über zehn Jahre später besuche ich die Stadt nach einem Arbeitseinsatz in Sarajevo. In gemeinschaftlicher Anstrengung und mit internationaler Unterstützung ist wie durch ein Wunder die Altstadt Mostars wieder auferstanden. Die „Stari Most“, das Wahrzeichen Mostars, die Brücke, die Ost- und Westteil der Stadt miteinander verbindet, eint die beiden Hälften wieder. Dieser Anblick ist mir unvergessen.

Christine Lauterbach

 

Meine Beziehung zum Verein Homöopathen ohne Grenzen ähnelt einer Liebesgeschichte mit anschließenden Beziehungsproblemen: Beim ersten Vortrag verliebte ich mich sehr in die Arbeit, die in Mostar im ehemaligen Jugoslawien und nach dem Tsunami in Sri Lanka geleistet worden war. Ich träumte davon dort mitzuarbeiten und habe diesen Wunsch in einem Coachingseminar entwickelt und die nächsten Jahre daran gesetzt, ihn zu verwirklichen.

Seit 2008 arbeite ich bei Homöopathen ohne Grenzen aktiv im Bolivienprojekt mit. Meine Vision war es auf Augenhöhe mit HeilerInnen einer Kultur zusammenzuarbeiten, die es geschafft hatten durch hochorganisierte Massenproteste korrupte Politiker zu vertreiben. In der Zusammenarbeit mit Ihnen konnte ich erfahren, dass es in ihrem Heilungskonzept immer und überall einen Austausch geben sollte und dass wir als HüterInnen der Gesundheit auch für die Gesundheit von Pachamama, von Mutter Erde verantwortlich sind. Diese wunderbare Kultur wollte ich durch das Vermitteln homöopathischer Heilkunde beim Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems unterstützen, das nicht vom profitorientierten Interesse der Konzerne und der Schaffung neuer Abhängigkeiten geleitet ist. Auf diesem Weg habe ich viele unschätzbare Erfahrungen gemacht. Nicht alle waren gut, manches hätte ich heute als Projektleiterin anders gemacht. Meine Konzepte von Heilung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die dringend ansteht, konnte ich bei HOG in der konkreten Arbeit nicht immer umsetzen.

Meine Vision wäre HOG als Teil einer Kooperation internationaler Gruppierungen, die diese Ziele im Blick haben. Ich würde HOG auf den Weg mitgeben, die eigenen Konzepte etwas weniger wichtig zu nehmen, die Autonomie der Projektgruppen weitgehender zu akzeptieren und mehr Vertrauen in die MitarbeiterInnen der Projekte zu setzen. In Bolivien war unser Kooperationspartner eine NGO, die LGBTI-Projekte in Schulen und Universitäten als antikoloniale Programme installiert, da die derzeitige bolivianische Regierung die Unterdrückung von Frauen sowie sexueller Diversität als eine der toxischen Folgen der Kolonialzeit entlarvt. Ein wenig mehr Patriarchatskritik würde HOG sicher zugutekommen, zumal 90% der ehrenamtlich arbeitenden Menschen dort Frauen sind.

In Bolivien haben wir einen wunderbaren Austausch mit den Menschen erlebt, eine völlig andere Kultur kennengelernt und ich bin HOG unendlich dankbar für die Vielfalt an Erfahrungen, die ich in diesem Prozess machen durfte. Möge unsere Arbeit ein kleines weißes Kügelchen sein, dass die Menschen über einen besseren Weg des Zusammenlebens informiert.

Anja Kraus | Projektleiterin Bolivien

 

Ein Vierteljahrhundert Homöopathie ohne Grenzen, wer hätte das 1997 gedacht? Schließlich gab es in den ganzen Jahren genug Momente, in denen die Arbeit von HOG belächelt und diffamiert wurde. Oder für eine Comedy-Einlage taugte. Als Vorstandsfrau für die Öffentlichkeitsarbeit kann ich dazu nur sagen: Danke für die Aufmerksamkeit! Nach 25 Jahren weitweitem Engagement sprechen einfach die Erfolge für sich: Wer sich so lange hält, kann doch nicht alles falsch gemacht haben. Homöopathie wird weltweit praktiziert – und bleibt dennoch heiß umstritten. Die Kluft zwischen erfolgreicher Erfahrung in der Praxis und den ungeklärten Fragen in der Forschung ist groß. Doch wir haben allen Grund, selbstbewusst und kämpferisch nach vorn zu schauen: HOG hat sich längst positioniert und etabliert.

Die Corona-Pandemie verschärft derzeit die globale und soziale Ungleichheit. Das bekommen auch die PartnerInnen in unseren aktuellen Projektländern zu spüren. Die Welt ändert sich, HOG selbstverständlich auch. Nie hätten wir für möglich gehalten, dass ein Großteil unserer Arbeit über digitale Kanäle läuft. Auch wenn Corona unsere Arbeit einschränkt, steht fest: HOG wird bleiben. Und wir freuen uns, dass es wieder voran geht: Nach den Auflagen der letzten Jahre haben wir in Sierra Leone endlich die offizielle Importgenehmigung für unsere Arzneimittel vom Gesundheitsministerium erhalten und werden im November 2022 wieder nach Afrika reisen.

„Hilfe zur Selbsthilfe“, diese Arbeit ist wertvoller denn je. Für mich war es damals der natürliche Weg als Homöopathin, zu HOG zu stoßen und meinen Beitrag für eine gesündere Welt zu leisten. In diesen Tagen bin ich natürlich äußerst besorgt über die Auswirkungen der Kämpfe auf die Menschen in der Ukraine und freue mich über die große Bereitschaft, sich zu engagieren. Auch die Mitglieder von HOG werden wieder ihren Beitrag leisten. Über zukünftige Verstärkung durch HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen freue ich mich. Und dabei vergessen wir nie, wer unsere Arbeit möglich macht: Unsere treuen SpenderInnen. Ein herzliches Dankeschön an alle zum 25.!

Susanne Erwig
Mitglied Vorstand | Öffentlichkeitsarbeit HOG

 

In engeren Kontakt mit HOG bin ich 2013 in Berlin gekommen. Dort fand anlässlich des 15-jährigen Bestehens von HOG ein internationales Jubiläums-Symposium statt. Das war für mich eine eindrucksvolle Veranstaltung mit Berichten über die Projekte und zahlreichen fundierten Fachvorträgen zum wissenschaftlichen Erkenntnisstand der Homöopathie, über Medizinethnologie und – für mich besonders interessant – um interkulturelle Vermittlung und Trauma und Homöopathie.

Noch bevor ich mich für eine Mitarbeit im Ausland entschieden hatte, kam das passende Projekt direkt auf mich zu. Als Ärztin habe ich mich mit Beginn der großen Flüchtlingswelle seit 2014 für die neu Angekommenen im medizinischen Bereich sehr engagiert (Erstuntersuchungen, Sprechstunden in den Unterkünften). Und HOG hatte zusammen mit HiA gerade das gut vorbereitete Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge“ neu gestartet. Was lag näher, als dieses Projekt in meine Stadt zu bringen?

Nach all den Jahren ist das Projekt noch immer lebendig und die oft schwer traumatisierten Geflüchteten bekommen ehrenamtliche ganzheitliche Behandlungen mit Unterstützung von DolmetscherInnen. In Augsburg bekommen wir dafür von allen Seiten viel Anerkennung. Ich danke HOG für diese Möglichkeit, allen MitarbeiterInnen für die Unterstützung und gratuliere von ganzem Herzen zu dieser Lebendigkeit über so viele Jahre. Natürlich wünsche ich mir sehr, dass das Homöopathieprojekt in ganz Deutschland weiter fortgeführt werden kann!

Dr. med. Maria Möller
Projektleitung Homöopathie für Flüchtlinge (in Zusammenarbeit mit HiA)



Ich arbeite nun schon seit 15 Jahren für das Kenia-Projekt. Es hat mir einen tiefen Einblick in ganz andere Welten ermöglicht, viele sehr berührende Begegnungen und Erlebnisse mit den dortigen Menschen geschenkt und bei aller Verschiedenheit unserer Leben auch gezeigt, dass wir auf einer tiefen menschlichen Ebene doch sehr ähnlich empfinden und die Unterschiede gar nicht so groß sind! So hat die Arbeit mit HOG zusätzlich zu all dem Positiven, was das Projekt in Lamu / Kenia geleistet hat, mein eigenes Leben sehr bereichert.

Birgit Atzl
Projektleitung Kenia



Ich bin seit 7 Jahren bei HOG und somit etwa 1/4 des Weges mit HOG gegangen. Die Arbeit von HOG erlebe ich, da ich aktiv im Sierra Leone-Projekt mitarbeite und seit letztem Jahr im Vorstand tätig bin, auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Die Projektarbeit ist für mich bereichernd: man lernt Land und Leute kennen – nicht als TouristIn, sondern in der Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Und so war mein erster Aufenthalt in Afrika und speziell in Sierra Leone sehr lehrreich; emotional fordernd; dem Anspruch gerecht werden, kulturelle Unterschiede nicht nur aus einer deutschen Sichtweise zu betrachten und zu bewerten; die SchülerInnen zum Mitdenken und Mithandeln zu motivieren; die Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung den SchülerInnen an und in die Hand zu geben und sich mit ihnen über Genesung, Heilung und Verbesserung der gesundheitlichen Situation zu freuen. Die Arbeit mit dem Vorstandsteam ist natürlich anders geprägt. Hier geht es um Vereinsarbeit, Vereinsrecht, wie Wahlen ordnungsgemäß durchgeführt werden – also viel Organisatorisches und Rechtliches, was für einen Verein einfach notwendig ist, bei der Umsetzung aber nicht nur Freude bei den Mitgliedern auslöst. Mehr Spaß macht natürlich die Arbeit, die eher gestaltend ist und sich mit Überlegungen über die Zukunft des Vereins, Verbesserungen und neuen Impulsen beschäftigt.

Ich wünsche HOG noch viele weitere Jahre engagierte Personen zu finden, die ihre homöopathische Ausbildung und Erfahrung dazu nutzen, diese über Grenzen hinweg weiterzugeben und in die Welt zu tragen. Das braucht in der heutigen Zeit viel Mut und Energie. Es gilt vielen Widerständen zu trotzen und häufig braucht es ein langes Durchhaltevermögen. Ich würde mir wünschen, dass es insgesamt eine größere Zusammenarbeit mit anderen Organisationen gibt, um zum Beispiel gesundheitliche Förderung durch die Homöopathie mit weiteren Angeboten zur gesundheitlichen Bildung kombinieren zu können.

Ellen Hemeke
Mitglied Vorstand | Innovation HOG



2004 war ich das erste Mal bei einem HOG-Treffen in Herrenberg – und erlebte mit, wie sich mal wieder niemand fand, der bereit war, das Protokoll zu schreiben. So kam ich als vollkommener Neuling sofort zu einem "Amt" ¬– und ab da hatte ich meinen festen Job bei HOG. Das Bam-Projekt war gerade am Entstehen: Die Projektleitung hatte eine Ärztin, die mit einem Iraner verheiratet war. Durch sie und ihren Mann wurde das Projekt iniziiert. Weiter gab es ein paar KollegInnen, die bereits beim Mostarprojekt dabei und HOG-erfahren waren, und auch einige Neulinge wie mich. Nach ca. neun Monaten war ich dann zusammen mit einer Kollegin zum ersten Mal vor Ort und habe erlebt, wieviel persönliche Kontakte in einem solchen Land notwendig und wichtig sind. Ich hatte mir vorgestellt, da reisen wir für 14 Tage in den Iran, behandeln fleißig die Menschen, die unter dem schrecklichen Erdbeben noch immer leiden, und dann fahren wir wieder nach Hause. Aber dass wir erst einmal in Teheran ins Gesundheitsamt mussten, den Leiter der WHO konsultieren, die homöopathischen Ärzte in Teheran kontaktieren, einen Pfarrer besuchen, der in Bam irgendetwas organisierte, das war mir alles nicht klar und neu. Allein damit verbrachten wir vier Tage, ehe wir die Weiterreise nach Bam antreten konnten. Toll war, dass wir dort bei der ersten Reise noch eine feste Praxis hatten, die wir für uns nutzen konnten, eine Art kleine Klinik, die vom ASB damals nach dem Erdbeben gebaut wurde.

Ich war insgesamt drei- oder viermal im Iran, es war eine sehr eindrückliche und bewegende Zeit. Bei meinem letzten Besuch gab es die Infrastruktur für unsere Arbeit nicht mehr, wir machten nur noch Hausbesuche. Ende 2006 musste ich erfahren, dass es – inzwischen drei Jahre nach dem Erdbeben – keine Sondergenehmigungen mehr gab. Wir träumten davon, in Bam eine Ausbildung für ÄrztInnen und Krankenschwestern anzubieten in Zusammenarbeit mit den ÄrztInnen aus Teheran, aber es lief nichts mehr. Die zuständige Ärztin aus dem Gesundheitsamt in Teheran war versetzt, es blieben nur noch Abschiedsbesuche.

Was ich zwischen den Reisen erlebt habe, war, dass viel Arbeit auch hier zu Hause notwendig war, sozusagen die Leitung der Projektgruppe „nach innen“. Und irgendwann kam mir dann mal die Idee, dass all diese Erfahrungen doch wichtig wären für weitere Projekte. Und so entstand die Idee des HOG-Handbuchs, das ich dann Ende 2008 vorgestellt habe. Viele haben inzwischen daran mitgearbeitet und ihre Erfahrungen geteilt. Ich wünsche HOG für die Zukunft viele neue und jüngere Mitglieder, die mit demselben Enthusiasmus wie wir in die Welt ziehen, um in Ländern, die von Not und Armut geprägt sind, die Homöopathie als eine wirksame Methode anzuwenden und zu lehren – und damit Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Ursel Leßmann
Mitglied Vorstand | 2. Vorsitzende

 

Ich bin seit 2006 Mitglied bei HOG. Meine Entscheidung für ein Projekt, das abgeschlossene Sri Lanka-Projekt, fiel letztendlich aufgrund eines fast gleichen Kleidungsstückes mit Erdmute Erben, der damaligen Projektleiterin. Ist mir fast peinlich das zu sagen. Aber es war eine gute Entscheidung: Ich war zweimal in Sri Lanka und diese Reisen haben meine Weltsicht erweitert und verändert. Vor Ort hatten wir einen wunderbaren Austausch mit Dr. De Zoysa, der in einem Gesundheitszentrum homöopathisch behandelte und zusätzlich Fachmann in Ayurveda war. Unser damaliger Plan, eine fundierte Homöopathieausbildung auch den tamilischen KollegInnen zugute kommen zu lassen, schlug leider fehl. Die Spaltung zwischen Singhalesen und Tamilen war zu tief und konnte auch durch das Engagement und die liebenswürdige und herzliche Art Dr. De Zoysas nicht überwunden werden. Auch der Versuch, sogenannten "mother groups" den Umgang mit einer homöopathischen Hausapotheke nahezubringen, um eine erste Not- oder Grundversorgung in den Gegenden zu etablieren, die schwer zugänglich sind und über keine Infrastruktur verfügen, schlug fehl.

Für mich nachhaltig beeindruckend war der Mut und die Demut dieses Arztes Dr. De Zoysa, mit uns in den Süden des Landes zu fahren und sich vor die Menschen zu stellen, die sich in dem schrecklichen Bürgerkrieg – 2009 nach fast einem Vierteljahrhundert beendet – als Feinde gegenübergestanden haben. Und sein Glaube an die Homöopathie und der Wille, diese Therapieform, die er in Indien studiert hatte, in Sri Lanka zu etablieren.

Im Rahmen meiner Mitarbeit in meiner zweiten Projektgruppe Sierra Leone war ich 2020 mit Barbara Böttcher vor Ort und wir haben in Rorinka unterrichtet und behandelt. Am Ende der Unterrichtseinheit haben wir unseren SchülerInnen eine Prüfung abgenommen. Das Überreichen der Zertifikate war ein richtiges Fest mit Musik, Tanz, nicht endenwollenden Redebeiträgen und zahlreichen Gästen aus den umliegenden Dörfern. Uns wurden die Familien unserer SchülerInnen vorgestellt und wir sahen, wie stolz sie auf ihre Abschlüsse waren. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass diese SchülerInnen die Homöopathie, gerade erst bei uns erlernt, sofort eingesetzt haben und bis heute anwenden. Über die Behandlungen werden wir auf dem Laufenden gehalten und bei schwierigeren Dingen auch um Mithilfe angefragt. Auf Whatsapp Fotos können wir den Fortschritt der Behandlungen dann mitverfolgen.
Für mich hat dieser Kontakt etwas Verbindendes über die Grenzen Europas hinaus und ich fühle mich diesen Menschen sehr nah. Ich bewundere ihren Umgang mit den alltäglichen Herausforderungen in ihrem Leben, was sich so sehr von unserer Realität unterscheidet. Mir ist in Sierra Leone meine eigene privilegierte Position so bewusst geworden wie sonst nirgendwo. Einfach nur, weil ich weiße Hautfarbe habe, in Europa geboren bin und einen deutschen Pass besitze. Zeitweise war ich Mitglied im Vorstand des Vereins und es war ein gutes Gefühl, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und die Wirksamkeit der investierten Zeit und Energie zu spüren. HOG muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen, aufgrund der sich verändernden Bedingungen in den Projektländern, der sich verändernden Mitgliedschaft und der in Deutschland kritischer werdenden Sicht auf die Homöopathie.

Karina Rabe
Ethikbeauftragte HOG



25 Jahre HOG – Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren Hilfe zur Selbsthilfe! Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit, um die Welt in vielen Ländern ein kleines bisschen besser zu machen. Die Arbeit im Ecuador-Projekt war ein großes Geschenk mit vielen Facetten für mich: Indigenen aus unterschiedlichen „Nacionalidades“ die homöopathischen Mittel zu erklären, die sie in ihrer Kultur wirklich benötigen; Spanischkenntnisse auffrischen, damit der Unterricht ohne Übersetzer erfolgen kann; Unterrichtsmethoden finden, die auch bildungsfernen TeilnehmerInnen Anatomie und Physiologie veranschaulichen; Skripte entwickeln, auch für TeilnehmerInnen, bei denen Schriftsprache keinen hohen Stellenwert hat. Wir haben sehr, sehr viel voneinander gelernt. Aber auch massive wirtschaftliche und politische Probleme, Demonstrationen gegen Erdölförderung im Regenwald, Abholzung und Zerstörung des Artenreichtums gehören zur Realität in Ecuador.

Dankbar bin ich insbesondere für einzigartige Einblicke in das traditionelle Leben im Wald – im Einklang mit der Natur. Wir wurden überall herzlich aufgenommen. Im Kurs wird viel gelacht, es ist ein wertschätzendes Miteinander, insbesondere auch der unterschiedlichen indigenen Gruppen, die bisher kaum Kontakt untereinander hatten. Mein persönliches Highlight ist der Intercambio, bei dem die Indigenen ihr Wissen über traditionelle Medizinpflanzen und Heilweisen austauschen, das bisher nur innerhalb der Familie weitergegeben wurde. SchülerInnen, die nach einem Stammesritual selbstverständlich mit traditioneller Gesichtsbemalung zum Unterricht erscheinen oder die selbstgemachte Chicha mitbringen: Viele Indigene schaffen den bewundernswerten Spagat zwischen dem traditionellen Leben im Wald und dem „modernen“ westlichen Leben in der Stadt, sie pendeln selbstbewusst zwischen den Welten hin und her. Und wir dürfen daran teilhaben. DANKE!“

Nicola Lehmkühler
Projektgruppe Ecuador / Mitarbeit Vorstand HOG



Ich habe HOG beim 10-jährigen Jubiläum kennengelernt. Was für eine großartige Entwicklung hat der Verein inzwischen erfahren! Es sind neue Projekte entstanden, in Afrika, Südamerika und hier in Deutschland. Am meisten freut mich, wie professionell HOG inzwischen geworden ist. Durch die klare Verteilung der Aufgaben und der Verantwortung ist die Arbeit in den Projekten erheblich einfacher geworden. So können wir uns auf die Aufgaben im Land und mit und für die Menschen dort konzentrieren und unsere Leidenschaft für die Homöopathie weitertragen. Und werden dadurch reich beschenkt: mit der Möglichkeit, einer anderen Kultur nahe zu kommen, andere Lebensmöglichkeiten und -entwürfe kennenzulernen und neue Verbindungen zu knüpfen.

Ich wünsche mir für die Zukunft von HOG viele MitstreiterInnen mit Begeisterung für die Aufgabe und Neugier und Sensibilität für die Menschen, denen wir dabei begegnen.

Barbara Böttcher
Projektleitung Sierra Leone / Vertretung der Projektleitungen Vorstand HOG



Vor 25 Jahren lebte ich in Dänemark und eine gute Freundin aus Hamburg sagte mir, sie würde nach Mostar fahren, um dort den Kriegstraumatisierten zur Seite zu stehen und sie homöopathisch zu unterstützen. Ich war beeindruckt, weil diese Arbeit an einem Punkt ansetzte, den ich aus meiner eigenen Biografie als Kind traumatisierter Kriegskinder und Flüchtlinge kannte. Viele Jahre später – ich war inzwischen zurück nach Hamburg gezogen, hatte einen Burn-out hinter mich gebracht, der das Echo auf meine Biografie war – erzählte mir diese Freundin, dass HOG jemanden für die Geschäftsstelle suchen würde und so konnte ich im August 2014 bei HOG anfangen. 2015 startete das Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge“, das im Spätsommer eine Bedeutung erhielt, die bei Gründung noch gar absehbar war. Es war sehr arbeitsintensiv und doch war es so gut zu spüren, dass ich am richtigen Ort war. Mit den richtigen Menschen tätig war. Das meine Arbeit einen guten Sinn hat.

Die Entwicklung von HOG in den Jahren, die ich Euch seither als Nicht-Homöopath begleitet habe, war von Entwicklungen und manchmal auch Umbrüchen geprägt, die ihren Niederschlag in meiner Arbeit fanden. Ich habe vor allem auch gelernt, wie wenig ich weiß und wie hilfreich es ist, wunderbare Chefs zu haben. Das gilt für sie alle, von Elisabeth von Wedel bis zu Almasto Burmeister. Es gilt auch für alle Vereinsmitglieder, in ihrer Unterschiedlichkeit und vor allem ihrer großartigen Lebendigkeit. Und heute? HOG wird 25 Jahre alt, wir erleben gerade wieder eine schreckliche Eskalation der Gewalt, von der jetzt noch nicht abzusehen ist, wo sie hinführt. Das bedeutet auch: nie war HOG so wichtig wie heute.

Alexander Zimmermann
Geschäftsstelle HOG

 

 

Helfen Sie mit Ihrer Spende!

   Jetzt spenden